Einmal durch Frankreich

Bayonne gefiel uns wirklich sehr gut, auf jeden Fall das was wir auf unserer kurzen Stadttour gesehen haben. Da würden wir wieder mal hin, auf unserer nächsten Velotour durch Frankreich vielleicht? ;)

Nachdem wir uns durch die grossen Menschenmengen in den Hauptgassen geschlängelt hatten, brauchten wir erst Mal eine Pause in einem Kaffee. Für die Übernachtung hatten wir ein ganz besonderes Airbnb gefunden und zwar bei einer Familie zu Hause, welche ein leeres übriges Zimmer vermietet. Wir wurden herzlich in Empfang genommen (auch von ihrem kleinen Hund Tikki) und versuchten uns in unserem besten Französisch zu verständigen. Es funktionierte zwar nicht mal soooo schlecht, aber es war schon ziemlich ein Gestottere. ;) 

Wir verbrachten eine sehr ruhige Nacht und gingen früh morgens los Richtung Bahnhof, um auch sicherlich früh genug am Perron zu sein. Ein Pain au Chocolat und ein feines Croissant (wir lieben die leckeren Bäckereien hier in Frankreich jetzt schon wieder sehr!) mit auf den Weg durfte natürlich nicht fehlen. Pünktlich wie die SBB für der Zug ein und wir konnten die Velos gäbig verstauen am vorhergesehenen noch leeren Veloplatz. Erste Etappe Zugreisen mit Velos scheint schon mal ganz gut zu starten. Wir geniessen die Ruhe im Zug, schreiben ein wenig Blogeinträge nach und lassen die französische Landschaft an uns vorbeiziehen. In einem kleinen Ort namens Pau mussten wir umsteigen, konnten jedoch dank der pünktlichen Ankunft ohne grossen Stress umsteigen und auch im zweiten Zug nach Toulouse funktionierte es „wie am Schnüerli“. Auf dieser Strecke bestaunten wir immer mal wieder eine kurze aber wunderschöne Sicht auf die imposanten Pyrenäen. In Tolouse angekommen funktioniere zu unserem Erstaunen sogar der nächste Anschlusszug nach Narbonne einwandfrei und auch da waren wir wieder die ersten, welche den begrenzten und manchmal heissbegehrten Fahrradplatz beschlagnahmen konnten. Und wer hätte es gedacht, nach einem weiteren Umsteigen in Narbonne konnten wir die letzte Zugetappe für diesen Tag ohne einen Zwischenfall in Angriff nehmen. Glücklich über den viel entspannteren Zugreisetag als erwartet, kommen wir zufrieden in Avignon an. So kann man in einem Tag schon mal locker 500km zurück legen. ;) Müde aber erleichtert fielen wir an diesem Abend in einem Airbnb ganz in der Nähe des Bahnhofes in Avignon in ein weiches Bett. Über Nacht arbeiteten für uns tatsächlich noch Heinzelmännchen! Die Wäsche unter die Treppe, am nächsten Morgen frisch gewaschen und zusammengefaltet auf dem Küchentisch. Wir sind heute noch begeistert von diesem ungewöhnlichen Airbnb Service, und das alles umsonst! 

Mit neuer Energie nahmen wir noch die letzte Zugetappe nach Lyon in Angriff. Auch da klappte alles super und wir kamen wie geplant vor dem Mittag in Lyon an. Wir freuten uns auf ein Kaffee, wo wir gemütlich etwas chillen konnten und sogar noch einen leckeren Kuchen genossen. Anschliessend machten wir noch eine kleine Tour durch die Altstadt und freuten uns schon sehr auf die Dusche und das Bett bei unserer Warmshowers Übernachtung bei Nina. Sie hat uns einfach mit purem Vertrauen ihren Wohnungsschlüssel gelegt, sie selber kommt nämlich erst später heim. So machten wir uns auf zu einer wildfremden Wohnung und waren so gespannt, was uns erwarten wird. Durch ein uraltes aber wunderschönes Treppenhaus konnten wir mit dem Lift (unser Glück) bis fast ganz zu ihrer Etage fahren und uns erwartet eine unglaublich charmante Wohnung, inklusive kaltem Wasser und Wassermelone bereit im Kühlschrank. Ach wie sehr wir Nina dankbar waren. Wir durften ihre Küche nutzen und waren eifrig daran, ihr als Dank ein „Zürigschnätzlets mit Rüebli ond Röschti“ zu kochen. Wir genossen es mal wieder richtig in einer richtigen Küche zu werken und freuten uns auf den gemeinsamen Abend mit Nina. Wir hatten uns viel zu erzählen, denn auch Nina war ein ganzes Jahr auf Veloreise vor einigen Jahren. Mit einer wunderschönen Sonnenuntergangsstimmung aus ihrem Fenster raus, schlüpften wir unter die Bettdecke.

Am nächsten Morgen packten wir schon früh alles zusammen, denn wir wollten vor der grossen Hitze aus der Stadt raus sein. Gestärkt durch superleckere Croissants und einem weiteren Pain au Chocolat bei der Beck ums Eck fingen wir freudig wieder an in die Pedale zu treten. Aus der Vorstadt heraus kam ein Abschnitt, welcher durch viel Landwirtschaft geprägt ist und bei dem wir die herrschende Trockenheit einmal mehr eindrücklich zu sehen bekamen. Für die Siesta haben wir uns einen wunderbaren Anglerteich herausgesucht, bei dem wir nebst einem Platten flicken aber noch zu genug Entspannung kamen, inkl. Füsse kneipen und zutrauliche Enten beobachten. Nach einem Powernap und leckerem Picknick waren wir bereit für das Highlight des Tages anzuschauen. Auf dem Hügel nebenan befand sich nämlich die mittelalterliche Stadt Pérouges, welche uns bei einem Spaziergang durch die alten Gassen verzauberte. Wunderschön anzusehen diese geschichtsträchtigen Gebäude. Am Abend waren wir sehr zufrieden mit unserem gefundenen Wildzeltplatz zwischen einem Fluss und einem Maisfeld. Ein Sprung ins kühle Nass liessen wir uns natürlich nicht entgehen. Super abgekühlt und mit leckerer Linsensuppe im Bauch gings ab ins Zelt den Sternenhimmel geniessen.

Durch viele kleine härzige Dörfer führte uns der Weg am nächsten Tag bis zu einem Stausee, wo wir aufgrund der Hitze erneut eine entspannte Siesta einlegten. Diesmal war zwar leider der See „füdlilei“, wir würden behaupten noch wärmer als der Sempachersee. ;)

Aber im Schatten unter einem Baum kamen wir trotzdem zu genug Abkühlung. Die Abendfahrt führte uns wunderbar durch ein Tal entlang des Flusses Ain mit beeindruckenden Felswänden und überquerten ein grosses Viadukt. Danach waren wir offiziell im französischen Jura angekommen, welches uns einfach unglaublich gut gefiel mit seiner Naturbelassenheit, wenig Tourismus und somit guten Möglichkeiten zum Wildzelten. So fanden wir tiptop ein Plätzchen und hatten eine ruhige Nacht. Mit „Vougas“ gings am nächsten Tag weiter dem hügeligen Jura entlang, aufgrund eines gesperrten Passes noch mit einer spontanen Routenänderung. So erklimmten wir mit viel Ausdauer den Montée de Lect auf 716m. Mit einer flitzigen Abfahrt planten wir im nächsten Dorf im Tal die lange Mittagspause zu verbringen. Nach dem Picknickszmittag gönnten wir uns ein ganz besonderes Dessert. Habt ihr gewusst dass man diese Lavaküchlein mit den flüssigen Schoggikern auch in der Mikrowelle gut hinbekommt? Wir auch nicht und waren somit umso erfreuter beim vertilgen dieser leckeren, warmen Küchlein aus unserem mirkowellentauglichen Tupperware. ;) Den Nachmittag vebrachten wir teils in einem gemütlichen Café und teils auf einem Spielplatz direkt neben einer luxuriösen Toilette mit kaltem Wasser und einer kurzen Waschsession unsererseits. Wir habens natürlich auch in Frankreich geschafft, in ein Dorffest zu platzen, bei dem die portugisische Vereinigung des Dorfes für Verpflegung und Musik gesorgt hat. Somit genossen wir nochmals frische Pastel dei Nata. Mhhhm so fein! Wir fuhren an diesem Abend nicht mehr allzuweit, als wir ein tolles und einfach zugängliches Feld direkt am Waldrand entdeckten, nutzten wir die Gelegenheit dort unser Zelt aufzuschlagen. Da wir leider nicht beachtet haben, dass direkt neben dem Feld eine Art „Feldweg der tierischen Waldbewohner“ befand, hatten wir so einiges Geraschel und Getappse neben dem Zelt. Doch wir waren uns dies inzwischen etwas gewohnt und konnten erstaunlich gut schlafen.

Das Kaffeziel des nächsten Tages war eine härzige Dorfbäckerei und Dorfladen in einem, wo wir uns eindeckten für die nächsten Mahlzeiten und die Kaffepause mit einer Runde Qwixx genossen. Weiter gings durch die idyllische Hügellandschaft des französischen Juras, entlang von schönen Bächen und durch kleine Dörfchen. Als uns über den Mittag ein Regenschauer überraschte, nutzen wir die Gelegenheit einen Schwumm in einem kleinen See zu nehmen und anschliessend unter dem Regenwasserstrahl einer Dachrinne noch abzuduschen. ;) Weiter gings am Nachmittag auf einer kurzen Strecke wo die Tour de France durchging (man sieht es an den vielen coolen Fan-dekorationen am Strassenrand) weiter zu einem Camping, den wir uns mit Vorfreude rausgesucht haben für eine Dusche und ein bisschen chillen. Doch leider kam es anders als erhofft, der Camping war bereits ausgebucht und wir wurden ziemlich klar und deutlich weggeschickt, ohne Reservierung zu dieser Saison sei das unmöglich… Immerhin Wasser durften wir auffüllen. Wir fuhren eine Kiesstrasse entlang, welche vom Camping wegführte und bogen bei nächster Gelegenheit in einen Waldweg hinein und fanden eine genauso gäbige Zeltmöglichkeit. Zwar keine Dusche, dafür umso mehr Ruhe als auf dem gefüllten Camping. Wir kochten ein leckeres Pilzrisotto und hatten sogar Glück, dem angesagten Gewitter nur mit ein paar wenigen Regentropfen entgangen zu sein. Ganz zur Erleichterung von Martina. :) 

Die Nacht war sehr entspannt und ruhig und am nächsten Morgen nach dem Zusammenpacken und Frühstücken hatten wir sogar genug Energie, um auf dem perfekten Feld eine kurze Frisbee-Session einzulegen. Was für ein Spass! :) An diesem Tag gingen wir die Geschichte mit der Campingsuche etwas schlauer an und erkundigten uns bereits am Vormittag, ob es beim nächsten Camping am See noch Platz hat für uns Veloreisende mit einem kleinen Zelt. Und wir hatten Glück, sie haben einen separaten Bereich mit genügend Platz für Veloreisende, Wandernde und Motorbikes. So genossen wir die Fahrt bis dahin umso mehr, mit dem Wissen auf eine Dusche in Aussicht. Vorbei an vielen Häusern und Kirchen mit einer charakteristischen Eigenschaft, nämlich einer Seite Blechfassade (nur die Westseite ist aus Blech, zum Schutz der Fassade vor Wind und Wetter) gings zum Schluss hügelig dem See entlang bis zum besagten Camping. Um die Vorfreude auf den nächsten Tag mit der Einfahrt in die Schweiz noch zu vergrössern, kochten wir leckere Älplermageronen zum Znacht. Wir sind gespannt auf die morgige Etappe in die Schweiz! 


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