Da nun Mattias Velo kurzerhand zu einem Eingänger umfunktioniert wurde, schafften wir die 20 Minuten bis zum nächsten Bahnhof der Situation entsprechend ganz gut. An diesem kleinen Bahnhof angekommen waren wir zuerst weit und breit die einzigen und konnten auch nicht wirklich ausfindig machen, ob der Zug nun auf dem Perron 1 oder 2 fahren wird. Als dann einige Einheimischen eintrudelten, wussten wir wenigstens, wir stehen am richtigen Ort, die Ticketfrage konnte uns jedoch noch nicht beantwortet werden. Tatsächlich kam zur geplanten Zeit ein kleiner Regionalzug angefahren. Gleich als wir eingeladen haben, kommt sofort die Lokführerin aus ihrem Kabäuschen und versuchte uns im gebrochenen Englisch etwas zu erklären, sie muss noch kurz anrufen ob das mit den Velos geht hier, denn manchmals muss sie hier vorbei wegen Holz auf dem Gleis… Leicht verwirrt von dieser Aussage warteten wir ihre Antwort ab (nicht nur wir, sondern der ganze Zug blieb dadurch länger stehen…) und wir durften einsteigen, jedoch ganz hinten im Zug. Da war dann auch ganz vielversprechend ein noch freier Veloplatz, wo wir feinsäuberlich unsere Velos aufhängten und die Velotaschen daneben verstauten. Erleichtert freuten wir uns auf die bevorstehende 2h Fahrt. Doch es kam natürlich mal wieder ungeplant anders… Da wir noch kein Ticket lösen konnten, machte sich Mattia beim nächsten Halt auf Richtung Anfang des Zuges, wo er gerade nochmals der Lokführerin in die Arme läuft. Komischerweise stehen nämlich plötzlich alle Fahrgäste auf uns sie sagt uns, wir müssen auch aussteigen, es geht weiter mit einem Ersatzbus. Das Wort „Bus“ kann einen Fahrradreisenden ganz schön Angst einjagen, doch sie versicherte uns, es sei möglich die Fahrräder zu transportieren mit dem Ersatzbus. Na gut, dann nichts wie los möglichst rasch alle Taschen wieder montieren und auf Richtung Ersatzbus. Der kam gleich anschliessend zugefahren mit einer charmanten Busbegleiterin, welche uns, sowie einen weiteren Fahrradfahrenden in Empfang nahm und uns die Gepäckablage untem im Car zeigte. Wir sollen die Velos da reinlegen. Ojee, unser bisher gefürchteter Moment ist eingetroffen und die Fahrräder müssen unten in dieser Gepäckablage verstaut werden…Vorsichtig legten wir Martinas Velo als erstes hinein und polsterten so gut es ging mit den Taschen rundherum. Als wir dran waren, Mattias Drahtesel einzuladen, kam uns der wohl unter Zeidruck stehende Buschaffeur zur Hilfe, welcher ganz und gar nicht zimperlich umging mit Blinker. Wir versuchten ihn darauf aufmerksam zu machen, doch bitte ein bisschen vorsichtiger zu sein, doch er war ganz in seinem Film. Sogar so sehr gestresst, dass er den Deckel des Bodenfaches schon zu schliessen begann, als Mattia noch die letzten Taschen am verstauen war. Spätestens von da an war Mattia auf 180 und stampfte wütend davon. Während der Fahrt war das Beruhigen gar nicht so einfach, denn der Busfahrer hatte mit seinem ruppigen Fahrstil wohl einfach keinen guten Tag…
Beim Entladen der Fahrräder wollte er schon wieder hastig an die Fahrräder, wir machten ihm aber deutlich zu verstehen, dass wir dies lieber selbst sorgfältig übernehmen. Von da an kam kein Mucks mehr von ihm, wir hoffen er hat seine Lektion im Umgang mit Velotransport gelernt.
Die nette Busbegleiterin hingegen war ein Goldschatz, denn als wir noch das Ticket bei ihr lösen wollten, sagte sie einfach, wir dürfen umsonst reisen, wir haben wohl schon zu viel nervenaufreibendes erlebt heute. Dieses Angebot nahmen wir dankend an und stiegen wieder in den bereitstehenden Zug ein, welcher uns noch die letzten Stationen nach Bilbao bringen wird. In Bilbao angekommen waren wir fix und foxy und legten uns erstmals auf den Bank auf dem Perron. Nach einigen Minuten Ruhe wollten wir auf Richtung Lift, um aus dem sehr schönen Bahnhofsgebäude zu kommen. Da wir ja kein Ticket bei uns hatten, war das mit der Schranke vor dem Ausgang eher unpraktisch… Man frage die Putzkraft unschuldig um Hilfe, dass wir nicht durch die Schranke kommen aus irgendeinem Problem. Tatsächlich kaufte uns dieser nette Reinigungsdienst unsere Notlüge ab und liess uns passieren. Huch, nach so vielen Hürden, die uns da in den Weg gestellt wurden, wollten wir eigentlich nur noch auf direktem Weg in unser Apartment. Noch passend zum Tag an einem Verkehrsunfall vorbei fanden wir den Weg zum im Hügel liegenden Apartment. Doch die Anstrengung hat sich gelohnt, die sehr neue Unterkunft deckte all unsere Bedürfnisse mit einem gemütlichen Bett und einer heissen Dusche.
Unser Aufenhalt in Bilbao in den nächsten Tagen hatten vorallem 2 Hauptziele. Erstens muss das Velo von Mattia zum Velomech, um wieder fahrtüchtig gemacht zu werden und Zweitens sehnen wir uns nach langem wieder auf einige Pausentage am Stück.
Der Besuch im Fahrradladen LaFerro von Juan war richtig cool, denn er war uns von unserem Velomech des Vetrauens (David aus Barcelona) empfohlen worden, denn die beiden sind lustigerweise Freunde. Juan konnte einen neuen Wechsler bestellen, der innerhalb von 1 Tag geliefert werden sollte und somit morgen bereits montiert werden kann. Diese Nachricht stimmte uns sehr positiv, dass wir wie geplant in 3 Tagen weiterfahren können. Am nächsten Tag machte sich Mattia vorfreudig gegen 17:00 Uhr wie verabredet auf zum Veloladen, kam jedoch später etwas enttäuscht wieder zurück, der Wechsler werde wohl heute erst gegen den späteren Nachmittag (ja richtig gehört, auch in Nordspanien ist noch bis ca. 20:00 oder sogar 21:00 Uhr Nachmittag) noch geliefert. Aber wir sollen doch morgen wieder vorbeikommen. So machten wir uns nach einem kurzen Telefon mit Juan wieder auf den Weg zum Velogeschäft. Und zwar wie abgemacht um 19:30 Uhr. Wie es in Spanien halt so ist, war Juan noch nicht wirklich dazugekommen, es zu montieren und bemerkte noch weitere Mängel, die er versuchte zu beheben. Er schickte uns nochmals weg um in einer halben Stunde, also kurz vor eigentlichen Ladenschluss um 20:00 Uhr wiederzukommem. So machten wir dies auch und um kurz nach 20:30 war Juan aber immer noch eifrig damit beschäftigt, den doch ziemlich ausser Form gekommene Blinker wieder zu richten. Juan war einfach zu cool drauf um ihm seine chaotische Seite übel zu nehmen. So verbrachten wir unseren Abend noch bis fast 21:15 im Laden, begutachteten das coole Geschäft und plauderten noch ein wenig mit Juan. Wir waren trotzdem sehr erleichtert, als wir dann nach halb zehn mit einem funktioniernden Velo zurück in die Unterkunft kamen und wussten, unsere Reise kann morgen wie geplant fortgesetzt werden. Von Bilbao selbst haben wir durch all das organisatorische und das Pause machen gar nicht allzu viel gesehen, aber der obligate Besuch beim Guggenheim Museum lag drin. Auch ein wenig Lädelen, Käffelen und ein Coiffeurbesuch für Mattia standen auf dem Programm. Nebst einigen architektonisch sehr interessanten Gebäuden, einem hippen Stadtviertel rund ums Fahrradgeschäft und zu vielen Touristen, bleiben uns aber auch die eher abgeranzten Strassen mit vielen stinkigen Ecken in Erinnerung. Somit waren wir nicht böse, als wir uns am Donnerstag wieder in unsere Sättel schwingen konnten.
































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