Alles was wir bis jetzt über Kantabrien wussten ist, dass es in den kommenden Tagen noch mehr steile Höhenmeter geben wird als es zuvor schon waren. So ging es erst mal wieder einige 100 Höhenmeter hoch, wo wir in einem ruhigen Park eine lange Mittagspause mit diversen Büsibesuchen einlegten. Am Nachmittag erreichten wir den Ort "San Vicente de la Barquera". Die pompöse Burg und die schöne Kirche überragten die Stadt, welche vorallem mit ihrer Lage überzeugte. Direkt am Fluss auf dem Trottoir bestaunten wir die schönen Ruderboote die bei Ebbe im Schlamm lagen während ein alter Mann mit seinem Stock vorbeilief. Lautstark gab er uns zu verstehen, dass wir mit unseren Fahrrädern hier nicht gerne gesehen werden und vom Trottoir verschwinden sollen. Normalerweise nehmen wir solche Begegnungen mit Humor, aber heute verlitten wir es irgendwie nicht so wirklich. Mit etwas Wut im Bauch setzten wir unsere Reise fort und fuhren kopfschüttelnd an den Touristenmassen der Strände vorbei. An einer sehr befahrenen Strasse direkt am Meer ging es wieder 200 Höhenmeter hinauf. Leider war es aber nicht so idyllisch wie es auf den Kuhbildern aussieht, denn wenn es nicht die vielen Autos waren die uns aufregten waren es die E-Bike Flitzer die ohne Rücksicht auf Verluste an uns vorbei rasten. Oben angekommen war der ganze Hügel voll mit Bars und den schönen Ausblick konnten wir unter all den anderen Touristen irgendwie nicht so geniessen. Wieder nach unten gesaust planten wir am Strand eine Dusche zu nehmen. Froh darüber, dass wir nicht mit dem Auto hier sind und nervenaufreibende Minuten im Parkplatzstau verbringen müssen, genossen wir die Dusche. Wobei, auch hier haben wir uns aufgeregt. Mit Kabelbinder wurden die Duschknöpfe angezogen, sodass die Duschen ununterbrochen liefen. Auch dann, wenn niemand unter der Dusche stand. Wütend wurden wir mit dem Gedanken, dass gar nicht weit weg von hier die Waldbrände toben und überall von Wasserknappheit und Trockenheit die rede ist. Jäno, wir gingen weiter. Immerhin fühlten wir uns am Schlafplatz sehr wohl, auch wenn wir eigentlich genau neben einem Quartier übernachteten. Obwohl wir wussten, dass wir im Moment auch gerade Teil des Problems sind, hatten wir gerade ein bisschen eine Überdosis an Touristen gekriegt. Kleine Sachen die eigentlich nicht so schlimm sind haben uns in der Summe etwas in den Wahnsinn getrieben. Auch weil es so streng ist mit all den Höhenmeter, entschieden wir uns dazu für den nächsten Tag ein wenig den Zug zu nehmen.
Am nächsten Morgen fuhren wir nach einem kurzem Besuch in der Stadt Comillas also ein paar Kilometer ins Inland um den Zug nach Santander zu erwischen. Die alte Schmalspurbahn fährt immerhin zwei Mal am Tag an diesem kleinen Ort vorbei. Das Erwischen des Zuges war also von grosser Wichtigkeit! ;) Halt auf Verlangen heisst hier dem Chauffeur ein klares Zeichen geben damit er sieht, dass man einsteigen möchte. Das Zugperonal war ausserordentlich nett und gab uns den Glauben an die Region wieder. Obwohl der Zug schon mit anderen Fahrrädern gefüllt war meinten sie nur: Wenn ihr es irgendwie schafft, könnt ihr mitkommen. :)
In Santander schauten wir uns nicht all zu sehr um und fuhren via Fähre und Velos auf einen Camping in der Nähe. Wir hatten Glück und ergatterten uns den letzten Platz im Vorgarten eines unbewohnten Bungalows und waren froh darüber wiedermal an einem Ort zu schlafen, wo wir nicht früh aufstehen müssen um nicht gesehen zu werden.
Der nächste Tag war geprägt von schönen Küstenwegen und immer mal wieder kräftigen Regenschauer, welche wir aber ziemlich feierten. Gegen den Abend fuhren wir mit einer kleinen Fähre wieder über einen Fluss bevor wir in einem Wald, der auf Google Maps sehr vielversprechend aussah, ankamen. Leider war vor dem Wald eine Ponyvermietung und alle Wege waren voller Sand, welcher es für uns sehr streng machte zur Waldlichtung zu gelangen. Wir entschieden uns trotzdem für diesen Platz und verbrachten nach einer strengen Anfahrt (oder eher Anschub) eine ruhige Nacht, ohne Ponys.
Der Start in den nächsten Tag war eher, Naja. Nach dem kräftezehrenden Schieben durch den Sand konnten wir endlich losfahren. Doch Mattias Blinker streikte einmal mehr. Seit sich im Süden von Portugal ein Ast im Rad verfing, gab es immer mal wieder Probleme mit dem Wechsler, welcher zu Nahe an den Speichen lief. Wir konnten es aber immer irgendwie beheben und hofften, dass alles bis in die Schweiz noch halten wird. Nach einigen Berührungen der Speichen an diesem Morgen war es im ersten Anstieg um den Wechsler aber geschehen und mit einem Lauten knacksen brach er ab. Mattias Worte: Das esch de Kneckbroch!!
Uns bleibt wohl nichts anderes übrig als den Zug nach Bilbao zu nehmen.































































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