Asturien Ost

Nach einer kurzen Fahrt in die Stadt Aviles sassen wir aufgrund des Regens erst mal für zwei Stunden in einem Kaffee, oder besser gesagt im Hinterhof. Insgeheim freuten wir uns dabei schon fast etwas auf einen verregneten Herbst in Luzern um mal wieder gemütliche Stunden in der Stube und nicht draussen zu geniessen. Als der Regen nachliess fuhren wir durch die schönen Gassen der historischen Stadt, bevor wir uns der strengen Tagesetappe stellten. Die Strecke war nicht spektakulär und führte uns am späteren Nachmittag in die auch nicht so spektakuläre Küstenstadt Gijon. Am Abend nahmen wir dann noch einen längeren Aufstieg auf uns, damit wir am nächsten Morgen nur noch in unsere bereits gebuchte Unterkunft rollen müssen. So kamen wir erst spätabends an einem wunderbaren Platz, neben einer alten Quelle, an und schlugen unser Lager auf. Herrlich ist es, neben dem Plätschern des Brunnens einzuschlafen.

Weil wir am Vortag so gut vorgearbeitet hatten, mussten wir wirklich nur noch ins Tal rollen bevor wir den Ort Villaviciosa erreichten. Hier hatten wir uns eine Unterkunft gebucht um uns am Abend das Finalspiel der Fussball WM (Spanien - Argentinien) anzuschauen. Dieses Highlight wollte sich natürlich auch die süsse Fahrradfamilie aus Frankreich nicht entgehen lassen und wir trafen uns vor dem Spiel wieder mit ihnen. (Ja, wir sind tatsächlich nicht schneller unterwegs als eine 5-Köpfige Familie) ;)...

Im Gegensatz zu uns hat die abenteuerlustige Familie aber keine Unterkunft gebucht, nein. Sie werden nach dem Spiel ihre Zelte nämlich einfach im Park neben der Stadt aufschlagen. Wir sind wirklich beeindruckt ab der Unkompliziertheit der beiden Eltern! :)

Wir verbrachten einen tollen Abend mit ihnen bei einem kleinen aber feinen Public Viewing. Die Leute zu beobachten war jedoch definitiv spannender als das Spiel selbst!

Nachdem wir uns am nächsten Morgen nochmals mit der Familie zu eine Kaffee trafen und mit den Kindern einige Hosensackspiele spielten, verbrachten wir den Rest des Tages damit Blogs zu schreiben und uns noch etwas zu erholen. Erst am Abend fuhren wir los zu einer nahegelegenen Kapelle im Wald um dort die Nacht zu verbringen. Wieder ein herrlicher Platz, wo wir ganz für uns alleine waren und ehrlich gesagt besser schliefen als die Nacht zuvor im Hotel. Nachdem wir uns am nächsten Morgen einen etwas längeren Aufstieg hinaufkämpften, trafen wir per Zufall wieder auf die symphatischen Franzosen. Wir fuhren ein kurzes Stück zusammen bevor sich unsere Wege wieder trennten. Ein schöner Abschied! :) 

Unser Weg führte uns vorbei am wunderschön gelegenen Küstenort Llastres bei dem wir die schöne Aussicht und die steilen Gassen bewunderten. Ganz in der Nähe befand sich ein schöner Strand an dem wir eine Mittagspause einlegten. Am selben Strand konnte man ausserdem (ziemlich grosse) Dinosaurier Fussabdrücke bewundern, welche wir uns natürlich gerne anschauten. Danach warteten einige schöne aber sehr strenge Küstenwege mit viel Farn auf uns. (findet den Dinosaurier) 

Am späteren Nachmittag fuhren wir in den Küstenort Ribadesella wo wir auf einen Mann trafen der ein Fahrrad mit einem Platten vor sich her schob. Als wir ihn fragten ob er Hilfe benötigt lehnte er zwar ab, wir sprachen aber trotzdem bestimmt etwa 30 Minuten miteinander. Wir erzählten Antonio unter anderem davon, wo wir heute übernachten werden. Als wir dann einige Stunden später an unserem Platz wieder auf Antonio trafen staunten wir nicht schlecht. Er brachte seinen Sohn mit und sagte dass er gerne für uns kochen würde. Im Gespräch zuvor hatte er nämlich rausgefunden, dass wir die Asturianische Spezialität "Fabada" noch nicht probiert hatten. Eine Bohnensuppe mit Blutwurst, Chorizo und Speck. Ausserdem durfte natürlich der typische Sidra der Region nicht fehlen. Wir liessen uns also vom Kanadier der schon lange Zeit in Spanien wohnt verwöhnen und lauschten noch einige Zeit seinen interessanten Geschichten über Asturien und die Welt. Immernoch gerührt von der netten Gastfreundschaft schlugen wir unser Lager spätabends, direkt am (oder fast im) Küstenwanderweg auf. 

Damit frühmorgens keine Pilger über unser Zelt stolpern, huschten wir früh aus den Federn und bestaunten während des Zusammenpackens die schöne Morgenstimmung an diesem wunderbaren Ort. Später beim Morgenessen präsentierte Mattia seine neuste Errungenschaft, den "Chorizo Asturiana" welcher uns von Antonio empfohlen wurde. Nichts geht über eine Wurst am Morgen dachten wir uns, bis sich herausstellte das diese - vermeintliche Rohesswurst - für ein Zmorge dann doch etwas deftig ist.  Jäno, sind ja nur noch 400g.. ;) Mit etwas brennenden Mägen machten wir uns auf zu den berühmten Bufones. Dies sind unterirdische, mit Meerwasser gefüllte Höhlen direkt an der Küste. Bei den Löchern und Spalten die sich an der Oberfläche befinden werden bei starker Flut und grossen Wellen, Meterhohe Wasserfontänen aus der Erde gefeuert. Die wuchtigen Windstösse die aus der Erde stiessen, liessen uns aber erahnen wie es hier bei etwas besserer (oder eher schlechterer) Wetterlage zu und her geht. 

Den Nachmittag verbrachten wir im süssen Städtchen von Llanes wo wir auf eine traditionelle Parade mit dunklen Trachten stiessen. So langsam merken wir aber das wir richtig in der Hauptsaison angekommen sind. An ein runterkommen in der Stadt, mit entspannten Käffele, ist bei diesen Menschenmassen kaum noch möglich. Nach einem kleinen Stadtrundgang mit dem Fahrrad, fuhren wir dann einige hundert Höhenmeter zu einem spektakulären Aussichtspunkt hinauf. Die Landschaft hier ist schon atemberaubend! Vorne die steile, saftig grüne Küste. Hinten die schön geformten, kahlen Berge. 

Bevor wir unseren Platz direkt an einem kleinen Fluss erreichten, kochten wir unser Abendessen an einem gemütlichen Brunnen. Ratet mal was es gab: Genau, Bohnensuppe mit Chorizo. :) 

Nach ein paar schönen Kilometer entlang der Küste und ein paar saftigen Anstiegen kamen wir bei unserem letzten Zwischenstopp in Asturien an. Das Dorf Colombres ist bekannt für seine vielen Indiano Häuser. Die Indianos sind Menschen die im 18. und 19. Jahrhundert, auf der Suche nach einem besseren Leben, nach Amerika ausgewandert sind. Viele von ihnen kamen Reich zurück in ihre Heimat und bauten prunkvolle Villen, aber auch gemeinnützige Sachen wie Kirchen, Rathäuser und Kanalisationssysteme. Schon in der ganzen Region bestaunten wir immer wieder die farbigen Häuser mit den schönen Gärten. Hier haben sich viele von ihnen niedergelassen. Nach einer sausigen Abfahrt erreichen wir dann die nächste Region Kantabrien.

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