Asturien West

Mit der Flussüberquerung erreichten wir unsere nächste Region von Nordspanien, nämlich Asturien. Wir freuten uns, wieder den unbefahrenen Strassen entlang der Küste zu folgen und den ein oder anderen Ausblick zu geniessen. (Vorallem bei der hohen Kunst des Surfens zuschauen mögen wir besonders) Als wir in ein nächstes Örtchen einfuhren, war da natürlich einmal mehr ein kleines Fest auf der Strasse, wo wir den Klängen der asturischen Dudelsäcke namens Gaita bei einem leckeren Bollo Preñao (Brot mit einem eingebackenen Chorizowürstchen) lauschten. Nach dieser kurzen Stärkung gings noch für die letzten Kilometer auf Feldwegen bis zu unserem rausgesuchten Zeltplatz direkt am Meer. In der Picknickzone sassen da schon zwei sympathische junge Spanier, mit denen wir uns noch etwas unterhielten. Nach dem Abendessen ihrer und unsererseits packten sie ihre Sachen wieder zusammen und verabschiedeten sich. Wir begannen dann das Zelt aufzustellen und einzupuffen. Unterdessen kam noch ein weiterer Van dazu, mit einem ebenfalls sehr netten Spanier aus Andalusien, welche die Nacht ebenfalls da verbringen werden. Mit dem Rauschen der Wellen schliefen wir zufrieden ein. 

Am Morgen war es erneut spannend zu sehen, wie Ebbe und Flut die Landschaft verändert. Nach dem Zmörgelen gings für uns weiter zum nächsten Zwischenstopp, nämlich dem kleinen, ursprünglichen Fischerdorf Viavelez, wo über lange Zeit der Walfang eine wichtige Rolle spielte. Wir waren fasziniert von dieser Ruhe und Authentizität der dieser Ort ausstrahlte. Nach einem kleinen Rundgang durch Hafen und Dorf ging es weiter Richtung nächsten Fischerort namens Puerto de Vega, wo zwar auch charmant war, aber uns etwas weniger verzauberte als der kleine Fischerort vorher.

So machten wir uns nach einer nur kurzen Pause weiter auf zu unserem diesmal sehr zufällig gefundenen Schlafplatz, in den wir grosse Hoffnung steckten. Vorbei an vielen Bauernhöfen inklusive prächtigem Hahn, viel Feld und Wald, bogen wir ein in den besagten Waldabschnitt mit einem versteckten Platz vorne an der Klippe. Wir wurden nicht enttäuscht. Der Ausblick der sich uns eröffnete, war einfach bezaubernd. Für eine ganze Weile sassen wir einfach da und beobachteten die schöne Bucht, die Wellen und die bis an die Spitze begrünten Klippen. Das Zelt stellten wir aber sicherheitshalber etwas weiter hinten im Waldweg auf, damit wir vor dem angesagten Regen und eventuellem Gewitter etwas geschützt waren. Doch Petrus meinte es gut mit uns, wir konnten dem Wechselspiel zwischen Wolke und Sonne, sowie leichtem Regen zuschauen und sogar die Sonne untergehen sehen. Als es dann doch etwas mehr anfing zu regnen und aus der Ferne der Donner grollte, war es an der Zeit ins Zelt zu schlüpfen und dort ein feines Znachtplättli mit Brot, Jamón und Käse zu schnausen. Die Gewitter verzogen sich glücklicherweise und somit war die Nacht entspannt und ruhig. 

Nach dem Frühstücken mit Aussicht packten wir unsere Sachen wieder zusammen und freuten uns schon auf das Tagesziel, die schöne Stadt Luarca zu besichtigen. Ganz zu unserer Überraschung, trafen wir da unsere französischen Freunde auf dem Fahrrad wieder. Wir verabredeten uns für eine spätere Kaffeepause auf dem etwas ausserhalb der Stadt liegenden Leuchtturms. Nach einem kurzen Rundgang durch den lokalen Markt und den restlichen Stadtteil, gings hoch zu diesem besagten Kap mit Kirche und Leuchtturm. Das Wiedersehen mit der coolen Familie machte richtig Spass, Mattia durfte sogar seine Fussballkünste bei einem Match mit den Jungs unter Beweis stellen. Zur Feier des Wiedersehens gabs sogar noch ein Glas Rotwein und später einen Kaffee mit leckeren Keksen. Wir genossen die gemeinsame Pausenzeit, bis wieder Tschüss sagen angesagt war. 

Damien, Sandie, Leon, Luis und Leila zogen nämlich schon etwas früher weiter als wir, denn wir machten schon im nächsten Kaffee wieder einen Halt, da wir noch etwas Energie benötigten. Für den Schlafplatz hatten wir einmal mehr ein tolles Plätzchen direkt an den Klippen gefunden, welches wir mit einer coolen Freundesgruppe aus Madrid teilten. Die Aussicht beim Znacht kochen auf diese steilen, felsigen Klippen war beeindruckend. Unser Nachtlager schlugen wir etwas versteckt zwischen Waldrand und beginnendem Maisfeld auf. 

Das allerschönste Licht war dann auf die einsame Bucht aber frühmorgens, als wir bei Sonnenaufgang frühstückten. Einfach eine schöne Gegend hier in diesem Abschnitt von Nordspanien! Wir beobachteten noch etwas das Schauspiel eines aufziehenden Seenebels, danach packten wir zusammen und waren startklar für den Tag, um etwas mehr Kilometer zu schrubben als am Vortag.

Dies geling uns ganz gut, denn wir hatten einige Highlights vor uns. Eines davon warr der Halt beim schönen Silencio Beach, bei dem wir noch in ein Gespräch mit einem süssen Paar aus Nordspanien kamen, welches selbst auch immer mal wieder mit den Velos die Welt bereisen. Da an diesem Tag gegen den Nachmittag stärkere Gewitter angesagt waren, machten wir schön vorwärts und suchten uns einen Camping heraus. Da angekommen, freuten wir uns auf die heisse Dusche und das Chillen im Zelt und der Camping-Cafeteria. Schlussendlich haben wir das Gewitter nur gestreift, aber froh auf einem Camping zu sein waren wir trotzdem, denn so sind wir für die Erkundung eines weiteren sehenswerten Fischerortes namens Cudillero ganz nah. 

Wir konnten am nächsten Vormittag sogar die Velos auf dem Platz lassen, und das Dorf zu Fuss erkunden gehen. Das ermöglichte uns durch die schmalen, trepenreichen Gassen zu schlendern und einen tollen Blick über den Ort zu bekommen. In einer Bäckerei probierten wir uns durch die lokalen Traditionsgebäcke, welche uns sehr mundeten. Mit neuer Energie kämpften wir uns den Hügel hoch zurück zum Campingplatz, um die Drahtesel wieder zu satteln. 

Wir machten uns auf in Richtung Avilés. Die Route führte uns durch die altbekannte ländliche Gegend mit weiteren vielen "Spichern", Kühe, Pferde und Landwirtschaft. Kurz vor einem weiteren Aufstieg (ja Nordspanien ist sehr hügelig) wurden wir von einer freundlichen Stimme "agua frio" um die Hausecke geholt. Dort empfang uns ein Familienpapa mit seinem Sohn und der Tochter und bot uns ganz spontan an, auf seiner Terrasse ein kühles Glas Wasser zu trinken. Doch nur bei einem Wasser blieb es nicht, wir bekamen noch eine Glacé und später ein Bier angeboten. Wie herzlich diese Familie einfach so war! Wir gaben mit unseren wenigen Spanischkentnissen unser Bestes und der Sohn übersetzte seinem Papa ab und zu ganz süss das englische ins spanische. Erstaunlich wie gut wir so in einem wilden Sprachenmix zusammen plaudern konnten.

Mit dieser herzlichen Begegnung im Gepäck war der Anstieg schnell geschafft und wir entschieden uns aufgrund der fortgeschrittenen Zeit etwas vor Avilés nach einem Wildzeltplatz zu suchen. Auf einem Picknichplatz kochten wir zuerst Abendessen und huschten dann etwas davon entfernt in die Büsche um das Zelt aufzuschlagen. Wir waren perfekt getarnt und freuten uns schon auf eine ruhige Nacht. Doch kurz vor dem Lichterlöschen kam es noch zu einer ungewöhnlich unheimlichen Situation. So hörten wir plötzlich aus dem Nichts auftauchend ein schnelles Getrampel auf unser Zelt zukommen. Als dann noch ein böses Knurren aber kein Bellen dazukam, war uns im Zelt schon ziemlich mulmig geworden. Wir waren umso mehr froh, als sich dieses furchteinflössende Irgendetwas langsam raschelnd und knurrend entfernte. Ob es ein Hund, Wolf, Bär oder was auch immer war, wir werden es wohl nie erfahren. Der Rest der Nacht kam es zum Glück nicht mehr zurück, jedoch sass vorallem Martina die Angst noch etwas in den Knochen. Dementsprechend nicht ganz so erholt gings am nächsten Morgen trotzdem weiter auf den Bock nach Avilés.

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