Voller Vorfreude auf das neue Land Portugal begaben wir uns auf die Fähre für die Grenzüberquerung auf dem Fluss. Eine tolle Art eine Grenze zu überqueren, fanden wir. Zuerst erkundeten wir gemütlich im Ankunftsort Vila Real de Santo Antonio die Gassen und stimmten uns bei einer leckeren Gelati auf Portugal ein. Da es in dieser Gegend nicht einfach war einen Zeltplatz zu finden, entschieden wir uns auf einem kostengünstigen und riesengrossen Camping zu übernachten. Nach dem Aufstellen des Zeltes gings für uns dann gleich an den Strand. War wirklich schön bei Dämmerung in die Wellen zu hüpfen und dem aufgehendem Mond zuzuschauen. Zurück auf dem Campingplatz entfachte sich bei unseren Nachbarn plötzlich ein äusserst lautstarker und heftiger Streit auf französisch. Wir verstanden in dieser hitzigen Diskussion wenig, ausser dass es um deren Hunde ging. Ganz schön unangenehm als ungewollte Zuschauer… Wir waren beruhigt als wir sahen wie sich der Streit langsam wieder beruhigte und schlüpften nach einer heissen Dusche ins Zelt. Die direkt auf unser Zelt scheinende, grelle Campinglaterne blendeten wir gekonnt aus ;).
Am nächsten Tag gings über Stock und Stein zum ersten Halt der Tagesetappe, nämlich das härzige Örtchen Cacela Velha. Von da aus hat man eine prächtige Aussicht über das Naturschutzgebiet des Ria Fermosas. Wir bestaunten die schöne Natur und machten uns anschliessend weiter auf den Weg in den etwas grösseren Ort Tavira. Uns gefiehl die Atmosphäre des Ortes sehr mit seinem Fluss, den vielen tollen Gebäuden und einem Kaffee zum Verweilen. Wir kamen gegen Ende unseres Kaffeebesuches mit den Besitzern aus der Niederlande in ein nettes Gespräch und sie schenkten uns noch ihre übrigen Leckereien der Kuchentheke. Wow, das beste was hungrigen Radreisenden passieren kann. Den weiteren Nachmittag verbrachten wir in einem Pärkchen neben an mit schlemmen des Desserts und Blog schreiben, um der Hitze etwas zu entkommen. Ein Besuch des Burggartens und der Kirche rundeten das Sightseeing in der Stadt ab und wir konnten noch die letzten Kilometer mit der Abendstimmung auf uns nehmen. Ziel war nämlich ein etwas versteckter Platz hinter einer Hecke. Über schöne Holzstege führte uns der Weg vorbei an vielen Flusskrebsen, Störchen und anderen Vögel, die wir gespannt beobachteten. Vor den Mücken fliehend gingen wir schon bald ins Zelt und freuten uns auf eine ruhige Nacht.
Am nächsten Morgen gings früh aus den Federn, denn in der kühlen Morgenluft ist es einfach wunderbar zum fahren. Vorbei an unglaublich vielen Störchen mit ihren kunstvollen Nestern und Salinen mit Flamingos, führte uns der Weg nach Olhão. Ein süsser Ort mit dem traditionellen portugisischen Pflasterstein in den Gassen, der uns sehr gefällt. Gestärkt nach der Mittagspause war der Weg bis nach Faro gar nicht mehr allzuweit. In Faro angekommen gabs erstmal eine Spielpause mit leckerem Affogato, um uns ein wenig abzukühlen. Nach einer kurzen Erkundungstour durch die Gassen brauchten wir aufgrund der Hitze schon eine nächste Pause, welche wir in einem kleinen Park im Schatten einlegten. Gegen 17:00 Uhr brachen wir erneut auf und freuten uns auf den kommenden Abschnitt durch den noch immer andauernden Naturpark Ria Formosa. Vorbei an wunderschönen Dünen und Stränden, das genossen wir sehr. Was wir leider weniger als Genuss empfanden, war das plötzliche Auftauchen ganzer aus dem Boden gestampften Luxusresorts inmitten der Pinienwälder mit ihrer Riesenfläche an Golfplätzen. Wir durchquerten diese Resorts meist mit einem Kopfschütteln und dem Unverständnis dieser riesigen, stets bewässerten Golfanlagen. Wir konnten uns auch irgendwie nicht vorstellen, dass uns diese Menschen da sympathisch sein könnten. Doch wir hatten tatsächlich eine ganz unerwartet nette Begegnung mit einigen Jungs dieser Region, welche wir auf den ersten Blick eher als junge Erwachsene der oberen Schicht einstuften. So fragte uns einer der Jungs inmitten eines steilen Anstiegs, ob wir eine Anschiebhilfe benötigen könnten und so wurden wir ganz unerwartet mit Schwung die eine Strasse hochgestossen. Wir unterhielten uns noch kurz und erfuhren, dass einer ihrer Freunde auch gerade auf Fahrradreise ist und sie so den vollsten Respekt vor uns hatten. Einmal den Resorthügel runter flitzen wir zum Strand, den wir als Möglichkeit zum Wildzelten heraussuchten. Eine Erfrischung im Meer kam da gerade gelegen. Mattia war etwas zu euphorisch und stürzte sich in eine etwas zu grosse Welle, welche ihn direkt in die Waschmaschine mitnahm. Zum Glück kam er mit einem kleinen Schreck seitens Martina und einem etwas angestossenen Zehen davon. Nach dem Badespass mussten wir uns für einen Zeltplatz entscheiden und da wir das eigentlich verbotene Wildzelten nicht herausfordern wollten, entschieden wir uns anstatt vorne am Strand lieber etwas abseits des Strandes unser Nachtlager aufzuschlagen.
Am nächsten Morgen wurden wir von den ersten Sonnenstrahlen geweckt und packten gleich alles zusammen, um am Strand vorne zu Frühstücken. Gestärkt für den bevorstehenden Tag gings ab in den Sattel in Richtung Albufeira. Nicht ganz immer war auf den Eurovelo verlass, denn einmal endete der Veloweg einfach mit dem Abgang über eine kleine Felsformation, welche wir ohne die Hilfe eines vorbeigehenden Joggers nicht geschafft hätten. Immer gut für eine Überraschung dieser Eurovelo 1 hier in Portugal ;).
Es war spannend zu sehen, wie die wirklich touristischen Orte nun mehr und mehr mit Feriengängern gefüllt wurden und in den Luxusorten wie z.B. Vilamoura die Jachten auf Vordermann gebracht werden. Nicht unsere Welt dachten wir uns dann jeweils und waren froh einfach nur durchfahren zu können. In Albufeira angekommen mussten wir uns mit der nächsten ungewohnten Welt abgeben, denn die eigentlich hübschen Strassen des Ortes wurden in Partygassen mit einer unglaublich hochen Dichte an Irish Pubs, Fussballleinwänden und lauter Musik verwandelt. Perfekt ausgelegt für den britischen und partyangefressenen Tourismus. Wir flüchteten mehr oder weniger schnell aufgrund der grossen Hitze in einen nahegelegenen Park und erfreuten uns da an einem gemütlichen Picknick-, und Chill-Nachmittag. Das kleine Beizli neben an war da perfekt gelegen für einen erfrischenden Eiskaffee und einem netten Schwatz mit der dortigen Besitzerin.
Allzulange Chillen durften wir dann aber doch nicht mehr, denn wir hatten noch einige Kilometer vor uns um eine Region mit Wildzeltmöglichkeiten zu erreichen. Doch es kam sowieso alles anders als gedacht. Auf der Weiterfahrt erwischte Mattia plötzlich einen Ast auf der Strasse, welcher sich hartnäckig ins Getriebe des Hinterrades verhäderte. Ojeee, das sieht gar nicht gut aus! Eine Speiche ist total aus dem Gewinde gerissen und eine weitere ordentlich verbogen…So mussten wir kurzerhand entscheiden, wie weit der angeknackste Blinker nun noch fahren kann. Wir entschieden uns trotzdem noch weiterzufahren, um im nächstgrösseren Ort einen Camping aufzusuchen. Schon bald das Ziel vor Augen meinte es das Schicksal heute nicht gut mit Mattia und er fuhr sich noch einen Platten… Ojee was für unglückliche Zufälle an einem Tag! Mit dem Platten vom Vormittag zusammen war das nun folgende Bilanz:
1 verbogenes Schaltwerk, 2 demolierte Speichen, 2 Platten und ein 1 leicht frustrierter Mattia…
Die wohlverdiente Dusche auf dem Camping tat gut und es war schon bald Nachtruhe bei uns. Für den nächsten Tag war nun das Ziel sicherlich einen Velomech aufzusuchen.
Wir starteten mit neuer Hoffnung in den Tag und wollten uns die schönen Klippen auf der Route nicht entgehen lassen, solange Blinker gut mitmacht. Wunderschön diese Steilküsten mit diversen Steinformationen und Steinbögen. In einem Ort namens Ferragudo wurden wir mit einem tollen Velomech namens Sérgio fündig. Seine Werkstatt war tatsächlich einfach in der Garage seines Wohnhauses und er war sowas von cool und unkompliziert. Zuerst mal lange Plaudern, erst dann die Arbeit. ;) Die Speichen ersetzte er im Nu und die Acht aus dem Rad war rasch Geschichte. Nur leider die Sache mit dem verbogenen Schaltwerk konnte auch er nicht ganz vollständig beheben. Aber für die Weiterfahrt reicht es allemahl aus. Wir waren Sérgio sehr dankbar für seine Arbeit und machten uns weiter auf den Weg. Als wir dorfeinwärts des nächsten Ortes einen Mc Donalds sahen, konnten wir nicht anders als da kurz etwas schnausen zu gehen. Nun hatten wir bereits Znacht gegessen und mussten uns nur noch um einen Schlafplatz kümmern. Den fanden wir glücklicherweise rasch etwas versteckt neben dem Eurovelo hinter etwas verwilderten Olivenbäumen.
Für den nächsten Tag war eins der Tagesziele Lagos, welches wir rasch erreichten. Gerade bei Stadteinfahrt riss bei Knirps das Schaltkabel… Sosoo, die Velomechanikerbesuche häufen sich aber auffallend in letzter Zeit, dachten wir uns da nur. Wir hatten aber Glück im Unglück und fanden einen etwas kurligen Opa in seiner etwas in die Jahre gekommenen Fahrradwerkstatt. Doch er meisterte diese Reparatur super und wir waren glücklich, Knirps so rasch wieder funktionstüchtig zu sehen. So konnten wir uns doch noch dem Entdecken von der Stadt Lagos widmen. Es gab süsse Gassen, ein leckeres Kaffe to go für uns und einige tolle Ausblicke aufs Meer. Im nächsten Supermarkt deckten wir uns grosszügig ein und schnausten eine Lasagne des Bistros. Nicht weit entfernt wartete schon der nächste Touristenhotspot auf uns, welchen wir uns aber nicht entgehen lassen wollten. Wir fuhren bis ans Ende des Zipfels einer imposanten Felsformation namens „Ponta da Piedade“. Nach kurzem Ausblick geniessen bemerkte Martina voller Schreck, dass sie ihre Bauchtasche wohl beim Bistro auf der Toilette vergessen hatte. Zum Glück lag es mehr oder weniger sowieso am Rückweg und sie hatte Glück. Die Bistrobesitzer hatten sie bereits gefunden und auf die Seite gelegt. Huch nochmals Glück gehabt! Nach diesem Schreck war es an der Zeit für etwas Ruhe und Erholung. Da kamen die bereits im voraus angefragten Nächte bei einer Warmshower Unterkunft in einem kleinen Ort namens Luz gerade sehr gelegen! Was wir da alles erlebt haben, erfahrt ihr im nächsten Blog.





















































































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