Andalusien West

Am Tag der Abreise aus Sevilla stellten wir wieder einmal einen neuen Rekord auf was die Abfahrtszeit angeht, denn erst um ca. 7 Uhr Abends fuhren wir aus der Stadt raus. Trotz der späten Stunde kamen wir bei einem kleinen Anstieg aber so ziemlich ins schwitzen, denn immer noch hatten wir etwas mit den hohen Temperaturen zu kämpfen. Nach der Nacht bei einem ruhigen Picknickplatz standen wir also wieder früh auf damit wir die kühlen Morgenstunden optimal nutzen können. Unser Ziel für den Abend wird der spezielle Ort "El Rocio" sein. Ein Dorf welches keinen Asphalt kennt sondern mit seinen Sandstrassen eher einer Westernstadt gleichen soll. Jedes Jahr steht eine spektakuläre Pilgerreise zu diesem Dorf an, denn aus jeder Gemeinde in Andalusien pilgern Bruderschaften zu Fuss oder mit Pferd und Wagen nach El Rocio um die heilige Marienstatue zu würdigen. Der Zufall wollte es, dass dieser Event genau zwei Tage zuvor stattgefunden hatte. Wir erhofften uns also noch einige Pilgergruppen auf der Heimreise zu entdecken. Schon bald fanden wir die ersten Rastplätze der Pilgerer die sie wohl einige Tage zuvor genutzt hatten. Als wir vor dem Mittag ein Dorf erreichten, fanden wir heraus dass etwas später eine Pilgergruppe hier vorbeikommen sollte. So beschlossen wir den Mittag im Dorf zu verbringen. Nach etwas längerem warten kam die Gruppe mit den schönen, vom Sand verstaubten Kleidern, schliesslich im Dorf an. Sie trommelten und pfiffen, tanzten und sangen mit inzwischen heisernen Stimmen sodass es uns sofort (im positiven Sinne) die Haare aufstellte. Man merkte definitiv dass die Gruppe schon mehrere Tage unterwegs war und wir genossen es, dass für einmal nicht wir die dreckigsten Kleider trugen! ;) 

Gespannt darauf, was wir von der Pilgerfahrt noch sehen werden, fuhren wir weiter. Auf unserer Strassenseite in Richtung El Rocio war praktisch kein Verkehr. Die Fahrzeuge die uns entgegen kamen waren jedoch um so zahlreicher und manchmal gab es schon fast etwas Stau. Es kamen also nicht ganz alle zu Fuss oder zu Pferd nach El Rocio. Dies merkten wir auch als wir erneut an mehreren Rastplätzen, die noch fleissig genutzt wurden, vorbeikamen. Beim einen Rastplatz winkte uns ein älterer Herr freundlich zu und er machte uns eine kleine Führung durch die vielen Wagen die uns etwas an einen Zirkus erinnerten. Eine kleine Wasserschlacht mit den Kindern am Brunnen nahmen wir in der brennenden Nachmittagssonne natürlich noch so gerne an, bevor wir uns wieder auf den Weg machten. Als wir am späteren Nachmittag dann schliesslich in der Westernstadt ankamen, merkten wir schnell dass uns die Energie für die kraftraubenden Sandwege etwas fehlte. So beschlossen wir kurzerhand auf dem Camping zu übernachten und das Dorf erst am nächsten Morgen anzuschauen. Müde von den zahlreichen Eindrücken des Tages fanden wir - nach einer Abkühlung im Pool - in den wohlverdienten Schlaf.

Am nächsten Morgen fanden wir dann die Energie doch noch um unsere schweren Räder durch den Sand zu schleppen und wir bahnten uns den Weg durch das spezielle Dorf. Auch die bekannte Kirche und die heilige Marienstatue konnten wir besichtigen. Man spürte gut, dass dieser Ort für die Leute die ihn besuchen etwas besonderes ist. 

Zu viel Zeit wollten wir aber nicht verlieren, denn ein weiteres Highlight wartete auf uns. Heute werden wir nämlich wieder die Küste erreichen. Wir suchten uns einen netten Platz für unser Zelt, direkt am Abhang der Klippe. Wir fühlten uns so wohl, dass wir das Zelt und die Räder für einen Schwumm im Meer und einem Besuch bei der Strandbar sogar alleine gelassen hatten. Wir freuten uns auf die frische Brise des Atlantiks und genossen die Abendstimmung schliesslich mit Blick auf die wilden Furchen der Steilküste. 

Ziel für die Mittagspause war am nächsten Tag die Stadt Huelva. Von hier aus startete Christoph Kolumbus sein Austauschsemester in Amerika. Schon noch eindrücklich wenn man sich etwas in der Zeit zurück zu versetzten versucht und sich vorstellt, wie sie damals von hier aus ins ungewisse gesegelt sind. Wir glauben das für Kolumbus zumindest die Stadtausfahrt etwas weniger blöd war als für uns die Stadteinfahrt, denn diese war aufgrund endlosen Hafen- und Industriegebieten mit viel Verkehr so ziemlich mühsam. 

Die Stadt hatte aber einige schöne Gebäude und Kirchen die wir bestaunten. Auch in einem alten englischen Arbeiterviertel schauten wir uns etwas um, wo sich an den süssen Häuser ein britischer Stil mit dem arabischen vermischte. Unser eigentliches Highlight der Stadt war aber der Erwerb unseres Pilgerpasses! Wir wissen zwar noch nicht so genau wo unsere kommende Route verlaufen wird, aber wahrscheinlich gibt es immer mehr und mehr Paralellen zum Jakobsweg. Vielleicht sind wir ja mal froh um eine billige Unterkunft... ;) 

Eigentlich wollten wir an unserem vorerst letzten Abend in Spanien noch einige Kilometer zurücklegen, aber wie so oft kam es anders. Als wir in einem kleinen Dorf einfuhren, vielen uns sofort wieder ein paar traditionell gekleidete Menschen auf. Als schliesslich zwei auf dem Pferd vorbeiritten wussten wir, dass wir wohl nicht so schnell wie erwartet am Schlafplatz sein werden. Wir merkten schnell das heute der Empfang der Pilgerer im Dorf stattfinden wird. Wir schauten dem Spektakel zu und erfreuten uns ein letztes mal ob dem Anblick vieler schöner Kleider und dem Klang der Pfeiffen und Trommeln. Ein schöner Abschluss unserer Spanien Etappe und der ganzen Pilgerreise die wir seit Granada immer wieder beobachteten. Am nächsten Tag flitzten wir voller Vorfreude auf Portugal durch Wälder, Wiesen und Plantagen bis wir schliesslich die Grenze am Fluss erreichten. Das schönste am Abschied von Spanien ist: Wenn wir Portugal durchquert haben kommen wir wieder! :)

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