Nationalpark Cazorla

Um vor dem Einfahren in den Nationalpark gerüstet zu sein mit genügend Wasser und Essensvorräten, deckten wir uns in einem härzigen Dorf kurz davor ein. Da das Wetter sehr wechselhaft angesagt war und wir schon die ersten dunklen Wolken am Himmel aufziehen sahen, gaben wir uns Mühe etwas zügiger voranzukommen. Um vor dem nächsten Regenschauer zu fliehen, nahmen wir das nächste kleine Dorf ins Visier für eine Kaffeepause. Kurz vor dem Erreichen des Dorfes überholten uns zwei freundliche, ältere Herren auf den Fahrrädern. Einer mit und einer ohne Motor. Der eine davon hielt auf Höhe Mattia das Tempo und fragte ihn, wohin wir unterwegs seien. Mattia antwortete aufgrund des starken Regenschauers nur mit : Ins nächste Kaffee ins Trockene, kommt ihr auch? :)

Und so landeten wir zu Viert in der nächsten und einzig geöffneten Spunte mit allerlei an der Bar versammelten Handwerkern und Dorfbewohner. Sie luden uns auf den Kaffee ein und wir plauderten ein bisschen wie alte Freunde über Gott und die Welt. Sie waren supersüss in der Anwendung ihrer neugelernten Englischkentnissen von Duolingo. Wir verstanden uns super und waren gegenseitig fasziniert von unseren Fahrradreiseabenteuern. Die beiden flotten, frischpensionierten Rentner zog es nach dem Kaffee bald wieder auf den Sattel, wir hingegen warteten den Regenschauer lieber mit einer Runde alkoholfreiem Bier und einem Tapa dazu noch ab. (Mhhm es gab ganz unerwartet Salzkartoffeln) So verabschiedeten wir uns wieder von den herzlichen Herren und ganz zu unserer Überraschung kam der eine nochmals kurz in die Bar zurück und streckte uns einfach eine 50 Euro Note hin. Wir sollen die für unser Abenteuer brauchen. Wir waren sichtlich gerührt und bedankten uns für diesen unerwartet grosszügigen Zustupf in die Reisekasse. Da sich bei uns auch langsam ein richtiger Mittagshunger anbahnte, waren wir auf der Suche nach einem trockenen Unterstand, um nicht von einem Regenschauer überracht zu werden. Wir entdeckten auf dem Schulhausplatz die perfekte Überdachung, waren uns aber nicht ganz sicher ob es erwünscht ist da zu picknicken. Da wir nicht viel anderes zur Auswahl hatten, wagten wir es unser Picknick da auszubreiten. Es ging nicht lange und der Pausenplatz war voller neugieriger Kinder. Die Lehrpersonen waren aber auch super entspannt drauf und plauderten ein wenig. Die Kinder packten ihr bestmögliches Englisch aus und fanden uns sehr spannend. ;) Während dem Essen kam plötzlich einer der Lehrpersonen mit einer handvoll Zückerli zu uns und zeigte und gleichzeitig auch das Bad, welches wir ungeniert benutzen dürfen. Dafür streckte sie uns noch ganz selbstverständlich eine Rolle Wc-Papier in die Hand. Wir fühlten uns superwohl in dieser netten Gesellschaft und konnten so gemütlich den Regenschauer abwarten und das geschäftige Pausenplatztreiben beobachten.

Gestärkt setzten wir uns wieder auf unsere Fahrräder und machten uns auf den Weg zum nächstgelegenen Camping inmitten des Nationalparks. Der Weg dahin war bereits sehr schön, wir erblickten den grossen Stausee und die imposante Burg von Hornos auf dem Hügel. Mit einem Gemisch aus Sonne und Wolken erreichten wir den besagten Camping. Er sah super grün und härzig gemacht aus und wir suchten uns einen Platz fürs Zelt aus. Nach dem Einrichten freuten wir uns auf die warme Dusche und unser feines Znacht. Da wir eine Chance auf ein Bier witterten, gingen wir noch Richtung Hauptgebäude des Campings, wo es eine Bar geben solle. Und tatsächlich war da ein alter Mann da, um uns ein Bier rauszugeben. Neben uns waren bereits drei junge Franzosen am Abendessen und Bier nehmen, sodass wir eine gemütliche Runde bilden konnten. Es besuchte uns sogar noch der Campingfuchs. Müde fielen wir an diesem Abend ins Zelt und freuten uns auf eine ruhige Nacht.

Am nächsten Tag meinte es das Wetter super mit uns, perfekt also um den Rest der Nationalpark Etappe zu geniessen. Weiter am Stausee entlang eröffneten sich uns wunderschöne Blicke auf die Hügel und die dahinterliegenden Berge. Wir sahen mal ganz nah und mal aus der Ferne viele Dammhirsche, genossen die frische Luft und das Vogelgezwitscher. Im nächst grösseren Ort konnten wir uns wieder mit Essen eindecken und suchten uns mit Hilfe der iOverlander App einen Wildcamping Platz. Dieser war super versteckt hinter Felsen direkt am Bach. Mit dem Rauschen des Wassers und den vielen Vögeln zwitschern, verbrachten wir einen gemütlichen Abend. Ganz zu unserem erstaunen gesellte sich urplötzlich ein iberischer Steinbock dazu, als er vom Wald her runterspringend kam. Wir beide erschracken im ersten Moment ordentlich, jedoch ordnete er uns nicht als allzugrosse Gefahr ein, sodass wir ihn noch eine ganze Weile beobachten konnten, bevor er majestätisch davon stolzierte. 

Der nächste Morgen zeigte sich von seiner nassen Seite, sodass wir spontan das Frühstück ins Zelt verlegten. Ein leckerer Brunch mit Bruschetta, einem dicken Ei und etwas Käse und Wurst wartete auf uns. :) Das plitschnasse Zelt einpacken gehört weniger zu unseren Lieblingstätigkeiten, aber mit der Hoffnung das es am Abend dann schon wieder trocknen wird beim erneuten Aufstellen. Gestärkt durch das nährhafte Frühstück stellten wir uns den anstehenden Höhenmeter bis Hoch zum Gipfel des Passes „Las Palomas“ auf 1241 m. ü. M. Der Ausblick musste verdient sein, doch es lohnte sich allemal. Wir genossen das Panorama und waren stolz zu sehen, wo wir hergekommen sind. Und wie es auch so ist, wo ein Aufstieg war, wird auch eine Abfahrt auf uns warten. Und es war tatsächlich eine rasante, welche wir mit traumhaften Ausblicken auf die riesigen Olivenbaumplantagen auch genossen!

Im nächsten Dorf gab es Mittagsrast und Gesellschaft von einem kleinen Hund. Unser Tagesziel Cazorla musste aber noch verdient werden, denn der nächste kleinere Anstieg muss noch bewältigt werden. Vorbei an einer imposanten Burg gings hoch nach Cazorla. Da entdeckten wir per Zufall ein Velohaus mit unglaublich vielen Drahteseln an allen möglichen Ecken und Flächen des Hauses. Wir gingen weiter auf den Hauptplatz, um dort eine Pause zu machen. Zuerst ein alkoholfreies Bier mit Tapas und dann einen leckeren Kaffee mit Süssigkeiten. :) Bei einem anschliessenden, kurzen Spaziergang durch den alten Kern des Dorfes entdeckten wir viele süsse Gassen und den Blick auf die mächtige Burg. Wir entschieden uns an diesem Tag auf den Camping in der Nähe zu fahren, um da eine warme Dusche zu geniessen und ein wenig zu chillen. Er sah nämlich wirklich sehr vielversprechend aus. Und so war es auch, beim Camping angekommen wurden wir herzlich begrüsst und durften uns auf dem verwinkelten und mega schön gestaltetem Areal einen Platz aussuchen. Wir bekamen etwas später noch eine weitere Bikepackerin als Zeltnachbarin und quatschten ein wenig. Sie war jedoch um einiges schneller unterwegs als wir und eher in ihrem Film. Nach dem gemütlichen Znacht kochen schlüpften wir schon bald in die Schlafsäcke. 

Am nächsten Morgen blinzelte die Sonne bereits etwas ins Zelt und wir freuten uns aufs Kaffee an der Sonne. Ganz zu Martinas Freude gesellte sich auch kurz eine Katze dazu. :) Als wieder alles gepackt war folgten wir der hügeligen aber sehr schön schlängelnden Strasse zwischen den Olivenhainen durch bis ins nächste Dorf Quesada. Da war Mittagsrast angesagt und eine kurze Dorfbesichtigung. Das Highlight war die „grüne Strasse“ welche von den Bewohnern wunderbar begrünt wird mit aller Pflanzen und Blumen. Auch weitere Ecken dieses ursprünglich muslimischen Dorfes gefielen uns sehr. 

Nach Quesada wartete die Bezwingung des nächsten Passes auf uns, nämlich hoch zum Tiscarpass auf 1189 m.ü. M. Die Wetterstimmung mit den vielen schnellwandernden Wolken war ein tolles Schauspiel und wir hatten Glück den Pass noch vor dem Wolkeneinbruch zu erreichen und die Weitblicke geniessen zu können. Auf der anderen Seite wartete eine flitzige Abfahrt auf uns, welche erneut an einem Turm vorbei führte. Da die Sicht immer besser wurde, konnten wir sogar ganz in der Ferne erahnen, wo dann diese Gorafe Landschaft auf uns warten wird. Wir fanden einen tolle Platz im Wald, etwa versteckt von der Strasse und freuten uns sehr, mal wieder mitten im Wald zu zelten. 

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