Gorafe

An unserem letzten Schlafplatz im Nationalpark fühlten wir uns so gut, dass wir den Morgen schon fast etwas verschlafen hatten. Kaum hatten wir unsere Köpfe aus dem Zelt gestreckt wurden wir von dem Anblick eines Fuchses überrascht der um unser Zelt herumschlich. Seelenruhig stampfte er davon und wir konnten ihn noch eine Weile beobachten. Nach dem morgendlichen Avocadobrot wagten wir uns an den restlichen Aufstieg und kamen schon bald am höchsten Punkt der Strasse an. Der Ausblick der sich uns hier ergab war einfach nur wunderschön. Man konnte sehen wie sich die Landschaft zu verändern schien und alles langsam etwas trockener und weniger bewaldet wurde. In der Ferne die Sierra Nevada mit Gipfeln über 3000 Meter und dazwischen sahen wir schon unser nächstes grosses Ziel, die Gorafe Wüste. Bevor wir diese erreichen stand uns aber noch eine flitzige Abfahrt bevor. Wobei, so flitzig sind wir dann doch nicht weil wir nach jeder zweiten Kurve wieder die unglaubliche Aussicht geniessen und die oft roten Farbtöne der Erde bestaunen. Trotzdem kommen wir am Nachmittag gerade noch vor Siesta in einem Ort vorbei um uns für den kommenden Tag einzudecken. Alkoholfreies Bier mit Tapas und anschliessendem Cortado durfte natürlich auch heute Nachmittag nicht fehlen! Der kommende Weg ging vorbei an einem imposanten Aquädukt und führte uns an den Punkt, an dem die Gorafe Wüste langsam aber sicher zu beginnen scheint. Wir hatten von hier einen super Überblick und beschlossen gleich in dieser Region noch eine Nacht einzulegen. Zu schade fänden wir es hier einfach vorbeizuflitzen. Wir wurden im Wald fündig und genossen den Abend mit einen spektakulären Ausblick auf die über abertausende Jahre von Erosion geformte Landschaft.

Bis oben voll mit Motivation diese spezielle Landschaft zu erkunden, standen wir diesmal etwas früher auf als sonst und sausten noch in kühlen Temperaturen die Schlucht hinunter. Schon hier begann sich die Landschaft langsam zu verformen und je weiter wir der Schlucht entlang fuhren, desto wilder wurde es. Ganz unerwartet fuhren wir plötzlich an einem kleinen, fast ausgestorbenen Dorf vorbei und wir bestaunten die typischen Häuser für diese Gegend zum ersten Mal. Die Höhlenwohnungen sind in den Stein hineingehauen und nur die Front ist von aussen ersichtlich. Die Häuser erkennt man auch oft an den aus den Hügel ragenden Kaminen die wir ausserordentlich süss finden. Auch im Sommer bei extremer Hitze soll es in diesen Häuser noch angenehm kühl sein. 

Spätestens nach der Überquerung eines Baches waren wir so richtig drin in der "Wüste". Während wir in einem ausgetrockneten Flussbett etwas bergauf fuhren und die verschiedenen Felsformationen bestaunten, merkten wir schnell, dass unsere Route wohl nicht so ganz durchdacht ist. Weil es hier aber keinerlei Empfang gab mussten wir einfach unserem Instinkt folgen. Was danach folgte war extrem anstrengend, aber auch einfach extrem schön. Wir fuhren (oder schoben) unsere Räder immer höher und kamen so zu unglaublichen Ausblicken über die trockene Landschaft. Erst ging es serpentinenartig steil nach oben und danach am Grat entlang (immer noch steil). Die Landschaft zeigte uns viele Facetten und wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Nach einem letzten happigen Anstieg kamen wir, ziemlich ausgedurstet und am Ende der Kräfte, auf einer Hochebene an. Um ins nächste Dorf (auch das einzige weit und breit) zu gelangen mussten wir ein paar Kilometer später eine steile Strasse in einen neuen Canyon hinunter fahren. Wie eine Fatamorgana erschien ein paar Kurven weiter unten eine gemütliche Terrasse mit offensichtlichen Bikepacking Symphatien. Diese erinnerte uns etwas an eine Skihütte, einfach für Fahrradfahrende. Wir mussten uns nicht zweimal anschauen und wir steuerten mit durstigen Mäulern direkt auf die Terrasse zu. Nach etwas Beine hochlagern entschieden wir uns dazu für eine Nacht hier zu bleiben um uns gut zu Erholen. Die nette Gastgeberin hatte nämlich noch ein Zimmer frei in der gemütlichen Höhlenwohnung. Wir genossen den Abend mit anderen Fahrradreisenden aus Neuseeland und freuten uns auf eine erholsame Nacht. 

Am nächsten Tag waren wir mit Abstand die letzten Verrbleibenden in der Unterkunft und wir nutzten wiedereinmal jede Minute um uns zu erholen. Heute fuhren wir raus aus der Wüste, und dabei ging es wieder viel bergauf. Die Landschaft veränderte sich, auch wenn nur langsam, wieder zum normalen. Nachdem Mattia in einem Örtchen, unter tosendem Applaus der Dorfbevölkerung, ein kleines Kätzchen aus dem hohen Baum rettete, machten wir uns auf um einen Schlafplatz zu finden. Ein wunderschönes Plätzchen mit einem letzten Blick auf die Wüste ergatterten wir uns. 

Nach einer eher harten Nacht (Mattias Mätteli bekam einen riiesigen Schranz kurz vor einschlafen) schauten wir an diesem wundervollen Ort den Sonnenaufgang bevor die letzte Ettappe vor Granada anstand. Auf dem Weg machten wir noch eine nette Dorfladenbekanntschaft mit zwei Bikepackern aus Österreich, welche wir in Granada wieder treffen werden. Jetzt ging es noch ein letztes Mal über einen Pass bevor wir nach Granada hinuntersausen konnten. Auf diesem Pass trainierten übrigens einige Profiteams für die Tour de France. Beim Versuch ein kurzes Stück mit dem Tempo der Profis mitzugehen, landete Mattia fast im Strassengraben. Lassen wir wohl in Zukunft also lieber sein... ;)

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Kommentare: 1
  • #1

    Pia (Donnerstag, 21 Mai 2026 13:36)

    So was von atemberaubend, diese Gorafe-Wüste!!! Ich habe die Bilder grad alle nochmal ansehen müssen!
    Und meine Gedanken gingen sofort zum Gran Canyon in der USA, den ich auf meiner Reise 1984 gesehen habe. Unglaublich diese unsere Welt mit soo viel Naturerreignissen zum Staunen und Danken! Und dazu diese Gastfreundschaft der Menschen und vielfältige Kontakte!
    Hends guet, liebe Martina und Mattia und frohe Grüsse!!! Pia