Castilla - La Mancha

Nach einer ruhigen Nacht und leichtem Regen gegen den Morgen, packten wir unsere Sachen zusammen und waren gespannt auf den bevorstehenden Anstieg. Wir erklommen den Hügel angenehm wie immer im Inland von Spanien mit wenig Verkehr und betraten fast unbemerkt (ausser die Ortstafel verriet es uns) die nächste Region, nämlich Castilla - La Mancha. Auf der Hochebene angekommen war es eher frisch und bewölkt, die wunderbaren Farben des blühenden Mohns sorgten aber für echte Farbtupfer. Mit Hunger im Gepäck machten wir an einem Rastplatz Halt und assen unseren Lunch. Eine ältere Dame mit ihren beiden Enkelkinder kam bei uns vorbei und plauderte ein wenig mit uns. Mit unseren wenigen Spanischkentnissen verstanden wir nur einige Bruchstücke, wie zum Beispiel heute gäbe es Paella im Dorf. Wir dachten uns nichts grosses dabei und sie verabschiedete sich wieder von uns. 

Als wir dann eine kurze Zeit später direkt auf die Schlange anstehender Menschen vor einer riesigen Pfanne Paella zufuhren,  wussten wir, ja da ist heute wohl doch richtig was los in diesem kleinen, sonst fast ausgestorbenen Dörfchen. Schon als die Dorfbevölkerung uns vom Hügel her erblickte, ging ein freudiges Winken und Zurufen durch die Schlange, wir sollen unbedingt anhalten, Velos parkieren und anstehen für die leckere Paella. Ein Mann kam sogar extra aus der Schlange auf uns zu, es sei gratis und wir sollen einfach dazustossen. Diese überraschende Einladung liessen wir uns natürlich nicht entgehen (obwohl wir schon ziemlich volle Mägen von unserem Lunch vorher hatten) und stellten unsere Drahtesel an die Hausmauer. Wir gesellten uns in die Warteschlange, doch bereits nach wenigen Minuten hatte das Warten ein Ende, denn ein Herr aus dem Dorfe streckte uns nach der Frage „Bicicletta?“, erwartungsvoll 2 beladene Teller Paella entgegen und fischte und so charmant aus der Warteschlange. ;) Wir folgten ihm in die Halle, welche bereits voll gefüllt mit der auf der Festgarnituren sitzenden Dorfbevölkerung war und er führte uns direkt an die Bar. Dort wurde uns eine 1 Liter Bierflasche in die Hand gedrückt und mit der Aufforderung, wir sollen uns einfach irgendwo unter die Menschen mischen. Wir fanden zwischen der älteren Generation ein Plätzchen und wurden fleissig schmunzelnd beäugt. Die Paella schmeckte uns, auch wenn wir die vielen Schnecken diskret unter der Serviette verschwinden liessen. Mattia war mutig und probierte sogar eine Schnecke, was für ein Gaumenschmaus. ;) Als wir fertig mit essen waren (und fast aus allen Nähten platzten ;)) kamen noch diverse Menschen auf uns zu und gaben uns Tipps für die Umgebung, erzählten Geschichten von Bekannten oder Familienangehörigen in der Schweiz und freuten sich einfach an unserer Anwesenheit. So tolle Gastfreundschaft, Offenheit und nette Menschen auf einmal war schon etwas verrückt! :) Wir genossen die tolle Atmosphäre noch etwas und schlugen aber vor dem Abfahren das nette Angebot aus, doch noch bis 18:00 Uhr hier zu bleiben und die Tanzfläche mit ihnen zu rocken. ;) 

Knapp einem vorbeiziehenden Gewitter entkommend gings für uns weiter Richtung einen angestrebten Picknickplatz am Waldrand. Der Weg führte uns entlang von vielen landwirtschaftlich genutzen Flächen mit interessanten Rund-Bewässerungssystemen. Als wir am besagten Plätzchen ankamen dann doch die nächste Überraschung. Der 1. Mai ist wohl auch in Spanien ein heissbegehrter Tag für Feste. So stand da plötzlich eine Art Festival vor uns, dem wir jedoch für diesen Abend eher ausweichen wollten, da wir uns nach etwas Erholung sehnten. So fuhren wir den angrenzenden, kleinen Hügel hoch mit der Hoffnung, da ein anderes ruhigeres Plätzchen zu finden. Und wir hatten Glück, etwas versteckt am Rande einer Mandelbaumkultur bauten wir unser Nachtlager auf und freuten uns auf den Schlafsack. 

Am nächsten Morgen nach erstaunlich erholsamen Schlaf trotz leichter Hintergrundgeräusche des Festivals machten wir uns auf den Weg Richtung dem uns empfohlenen Ortes Alcalá del Júcar. Und wir wurden nicht enttäuscht. Es eröffnete sich uns ein wunderbarer Blick auf das im Fels gebaute kleine Dorf mit einer imposanten Burg on top, welches sich inmitten eines Canyons befindet. Wir schlenderten ein wenig durch die Gassen und freuten uns auf eine kurze Pause mit Patatas bravas in einem Restaurant. Gestärkt lag dann die grosse Durchquerung des Canyons vor uns. 

Einfach beeindruckend wie wir da auf super Strassen ohne gross Verkehr durch oder entlang dieser imposanten Felswände fahren konnten. Spannend zu sehen waren die direkt in den Fels gebauten Häuser und Hütten. Da muss man auch viel Vertrauen haben, dass diese Steinwände gut halten…Wir kamen aus dem Staunen nicht heraus und in den letzten Ausläufern des Canyons fanden wir dann auch am Ende des Tages ein verstecktes Plätzchen zum Zelten. Da es etwas erhöht war, konnten wir den Sonnenuntergang super geniessen. 

Am nächsten Tag nahmen wir die verbleibenden Kilometer bis nach Albacete in Angriff. Über eine riese Fläche erreichten wir direkt auf den Start der Check-In Zeit unser Hotel, um möglichst viel im Bett chillen zu können und die Dusche zu geniessen. Da wir für wenig Geld ein Frühstück dazubuchen konnten, gönnten wir uns das wieder mal in einem Hotel. :) Erst um 12:00 Uhr Check-out kam uns sehr gelegen und wir kosteten es bis auf die letzten Minuten aus. 

Nach einer kurzen Stadtbesichtigung war der nächste Programmpunkt der Decathlon, um für Martina nun doch noch eine neue Matratze kaufen zu können, da die andere leider immer noch in den Händen von der spanischen Post Correos in einem Paket auf uns wartet… Während Martina auf der Suche nach der neuen Matte war, gab es draussen Velopflege und anschliessendes Reifenwechseln bei Knirps. Super so ein schattiges Plätzchen mit Tisch direkt vor dem Decathlon! Zur Feier des Tages mit neuer Matratze und neuen Reifen gab es für uns noch einen Besuch im Mac Donald ;). (Für nur 1 Cent Zuschlag konnten wir uns im Menü 1 Bier dazubestellen). Erst um ca. 17:30 Uhr losfahren war also unsere späteste Abfahrtszeit, aber mit der langen Abendsonne kann man sich das schon mal erlauben. 

Dem Via Verdes (einem stillgelegten Bahntrassen Weg) folgend suchten wir direkt neben der Route einen Schlafplatz und wurden fündig. 

Wie toll es nun war auf einer richtigen Matratze mit Luft wieder zu schlafen!

Am nächsten Morgen peilten wir das nächste Dorf namens Balazote an. Mit den tollen Wegen des Via Verdes kommt man super voran und so konnten wir uns im Dorf einen Cortado gönnen. Doch das Ruhen war nicht von langer Dauer, denn das Dorf hatte anderes im Sinne. Aufgrund der ersten Maiwoche gerieten wir erneut in ein Dorffest, wo die Dorfmusik mit vielen schrägen Tönen ihr bestes gab. Bei einem Umzug wurde eine heilige Figur auf den Schultern getragen bis zu einer Kapelle. Wir schauten der Feier interessiert aus der Ferne zu und assen unseren zuvor eingekauften Lunch. Weiter auf der schönen Via Verdes fanden wir gegen Abend ein gäbiges Örtchen neben einem Rastplatz auf den Ruinen eines alten Bahnhofgebäudes. Bei Sonnenuntergang genossen wir unser leckeres Risotto. 

Mit neuer Energie und Schwung nahmen wir die weiteren Kilometer auf dem Bahntrassenweg in Angriff. Dabei durchfuhren wir viele teils beleuchtete, teils unbeleuchtete Tunnels, ein grosses Viadukt und schönen Weitblicken auf die Ebene. Im  am Ende des Via Verde liegendem Dorf Alcaraz wollten wir eine Pause machen, um das schmuckhafte Dorf mit seiner schönen Piazza und der Burgruinen etwas genauer anzuschauen. Ganz zu unserer Freude gesellte sich nach einer Runde alkoholfreiem Bier (leckere Tapas)  und einem Cortado noch ein weiterer Bikepacker zu uns. Wir lernten Jerome aus Grenoble kennen, welcher für den weiteren Abschnitt dieselbe Route wie wir auf dem Plan hat. Nämlich eine weitere Runde Via Verde fahren. So entschieden wir uns spontan, diesen Abschnitt gemeinsam zu fahren. Wir genossen spannende Gespräche, die wunderbaren Ausblicke und die vielen Mohnblumen am Wegrand. Für die Nacht fanden wir ein gemütliches Plätzchen neben einem Rastplatz, wo wir unsere Zelte aufschlugen. Cool mal so zu Dritt zu Abend essen und zu Zelten.

Da wir an diesem Tag ganz in unsere Gespräche vertieft waren und auch ordentlich ein Tempo auf dem Tacho hatten, ging das Eintauchen in die südlichste Region Spaniens, nämlich Andalusien fast unter. Da sind wir nun, im Süden angekommen und freuen uns auf alles was noch kommt. Wir verabschiedeten uns am nächsten Morgen wieder von Jerome und waren bereit für den Abstecher in den Nationalpark Sierras de Cazorla - Segura y Las Villas. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0