Typisch für die Region Valencia durchquerten wir erstmals eine grosse Orangenbaumplantage. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie intensiv dies duftete, einfach wunderbar! Der Weg führte uns bis ans Meer, wo wir zuerst unser Znacht kochten. Gerade als wir die ersten Bissen aus dem Teller schnausen wollten, konnte Martina ihr Glück kaum fassen. Tatsächlich entdeckte sie zwei springende Delfine in Küstennähe. Ganz aus dem Häuschen ging die Delfinbeobachtung los. Gespannt schauten wir zu, wie einer nach dem anderen elegant davonzog, bis wir sie nicht mehr sehen konnten. Mit diesem tollen Tagesabschluss fielen wir etwas versteckt in den Büschen in einen tiefen Schlaf.
Am Morgen wurden wir von vielen zwitschernden Vögeln geweckt und machten uns schon bald auf zu unserem geplanten Zmorgenplatz. Dieser war nämlich in allen Belangen ein Traumort für Veloreisende. So gab es neben einem Picknicktisch sogar eine funktionierende Aussendusche. Diese Chance nutzten wir als erfrischenden Start in den Tag natürlich sehr gerne. Nach ausgiebigem Zmörgelen, Velokettenölen und Zelt ausbreiten zum Trocknen, gingen wir erst gegen Mittag weiter.
Doch das Weiterfahren war nicht von langer Dauer, denn plötzlich aus dem Nichts erklang bei Blinker ein „Pling“, welches ganz klar nach gebrochener Speiche klang. Und es bewahrheitete sich, eine Speiche hats erwischt. Mit einem sehr stark ausgeprägtem 8i im Reifen, erreichten wir gerade noch so die nächste Stadt, wo wir zum Glück noch ein geöffnetes Fahrradgeschäft aufsuchen konnten. Wir betraten den Laden und schilderten dem Mech unseren kleinen Notfall. Mit einem prüfend kritischen Blick auf die Uhr (45 Min. noch bevor die Siesta startet) gab er uns auf spanisch zu verstehen, dass er es gerade noch vor Ladenschluss hinbekommen sollte. Erleichtert durften wir ihm nach hinten in die Werkstatt folgen. Da wir eigentlich unglaublich interessiert und gerne zuschauen, nahmen wir auf den Wartestühlen platz. Jedoch schauten wir lieber einmal mehr weg, denn sein gar nicht zimperlicher Umgang mit jeglichen Werkzeugen und mit Blinker selbst, schmerzte schon fast ein wenig… So „häpp-chläpp“ war die Acht im Rad weg und die neue Speiche drin. Puuuh, mal schauen wie lange das gutgeht, dachten wir uns. Und tatsächlich bestätigte sich unser Verdacht mit Pfusch am Velo. Schon bald machte sich ein quitschendes Geräusch und ein auffällig ausgeprägtes Auf und Ab Holpern immer stärker bemerkbar. Beim genauen Hinschauen entdeckten wir, dass der Reifen an einer Stelle noch über die Felge hinausragte… Wir konnten es glücklicherweise beheben und nahmen die nächsten Kilometer bis in die angestrebte Stadt Peniscola in Angriff.
Ein wunderbarer Blick auf die Mauern der auf einer Halbinsel stehenden Altstadt offenbarte sich uns.
So nahmen wir die Zusatzhöhenmeter gerne auf uns, um das Verborgene hinter den dicken Mauern zu erkunden. Viele sehr süsse Gassen, Pflanzen und Blumen und schon erstaunlich viele Besuchende waren anzutreffen. Leider wirkte fast alles nur touristisch genutzt und ohne viel einheimisches Leben. Naja, schön war der Besuch trotzdem.
Der Abschnitt nach der touristischen Hochburg gefiel uns dafür umso mehr. Eine wunderbare Küstenstrasse führte uns hügelig entlang des Meeres inmitten von viel Grün. Wir fanden einen optimalen Zeltplatz inmitten des Waldes, wo wir unser Nachtlager aufschlugen.
Am nächsten Morgen wurden wir früh von dem wunderbaren Vogelgezwitscher wach und machten uns nach gemütlichem Frühstücken auf den Weg Richtung unserem Tagesziel irgendwo auf dem Via Verdes (einer stillgelegten Bahntrasse). Dabei führte uns der Weg durch ausgestorbene Feriensiedlungen, welche uns nachdenklich stimmten. Wie kann man bloss eine komplette Stadt (inkl. Aquapark, Casino, Kino, unzähligen Restaurants und Bars, sowie Campings) ausschliesslich für den Tourismus aus dem Boden stampfen und erst danach merken, dass teils die Nachfrage und die Finanzierung gar nicht gewährleistet ist?
Wir waren ziemlich schockiert über diese „Geisterstädte“ mehr oder weniger in der Nebensaison. Um das zu Verdauen brauchten wir erstmals einen Rastplatz um unseren Lunch zu essen und waren froh, möglichst rasch wieder im Grünen zu sein. Auf einem coolen Abschnitt im Grünen erblickten wir am Strassenrand in einem verlassenen Gebäude plötzlich eine Art Velowerkstatt und Treffpunkt für Fahrradreisende. Es stellte sich heraus, dass da Emanuel plant aus dem leerstehenden Haus (noch nicht in seinem Besitz) zukünftig eine richtige Velowerkstatt mit Möglichkeit zum Unterkommen für Fahrradreisene zu eröffnen. Doch zuerst muss seine „Hausbesetzung“ wohl noch Früchte tragen, sodass er hoffentlich bald dieses Haus kaufen und sein Projekt verwirklichen kann. Wir waren fasziniert von ihm als Person und seinem Mut, seinen interessanten Zukunftsideen nachzugehen. Er gab uns auch gute Tipps für mögliche Übernachtungsmöglichkeiten, welche sich mit unserem Tagesziel gut vereinbaren liessen. So fanden wir direkt neben der ehemaligen Bahntrasse gelegen unter Pinien einen sehr angenehmen und ruhigen Platz. Wir genossen die gemütliche Abendstimmung und fielen bald in einen unerwartet entspannten und tiefen Schlaf.
Am nächsten Morgen gingen wir zeitig weiter und freuten uns auf einen Zwischenhalt im empfohlenen Dorf Burriana von Emanuel. Vorbei an schönen Kirchen und Gassen gings nach einem Sandwich-Lunch auch schon weiter Richtung angestrebten Zeltplatz auf einem Gelände, welches wir auf Parkfor1Night gefunden haben. Es hatte tatsächlich schon einige Camper auf der Wiese direkt am Strand, aber wir fanden ein gemütliches Plätzchen, um uns dazu zu gesellen. Nach einem leckeren, improvisierten Milchreis mit regionalen Erdbeeren gings nach einem Mücken und beginnenden Schneckenbefall auch schon bald ins schützende Zelt.
Am nächsten Morgen war unser Zelt mit lauter Schnecken übersäht und wir mussten erstmals „Schneckenpflücken“. ;)
Wir nahmens gemütlich, genossen das Zmorge am Strand und Mattia ging seiner Leidenschaft nach, mal wieder kreative Steinmanndli zu bauen. Als alles zusammengepackt war, gings los auf die letzte Etappe vor Valencia. Vorbei an ganz vielen Orangenplantagen, süssen Tierbegegnungen mit Hund und Pony und einer imposanten Burganlage in Sagunto ging der Weg weiter auf der tollen Via Verdes. Wir verquatschten uns zufällig noch mit dem netten Roberto, welche selbst in Valencia lebt und eine Lausannerin als Frau hat. Durch ihn erfuhren wir noch viel interessantes zu Region und der Geschichte. Die letzten Kilometer vor Valencia waren zwar mit tollen Fahrradwegen ausgestattet, jedoch aufgrund von Vorstadtsindustrie nicht das Highlight der Etappe. Doch wir schafften es zügig in die ersten Quartiere von Valencia und erfreuten uns sehr über die Fahrt in den Jardin del Turia, dem trockengelegten Flussbett, welches sich über 9km Parkgelände durch Valencia zieht.
Ein guter Start in den vorfreudigen Valencia-Aufenthalt.

























































































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