Zentralalbanien

Die Fahrt aus der Hauptstadt raus war ein Schauspiel der Gegensätze. Die einfachen Lebensverhältnisse die wir zum Teil in der Stadt zu sehen bekommen stehen direkt neben modernen Hochhäusern und am Stadtrand stehen unmittelbar neben den prunkvollen Botschaftsgebäuden der Golfstaaten einige einfache Bauernhöfe.

Dies war dann auch der Moment an dem für uns der Anstieg des "Krrabe" Passes begann. Elegant schlängelte sich die kaum befahrene Strasse in einer meist angenehmen Steigung den Berg hoch und mit jeder Kurve, die wir hinter uns brachten wurde der Blick auf die umliegenden verschneiten Berge spektakulärer. Oben angekommen bietete sich uns eine spektakuläre Panoramastrasse, die wir in vollen Zügen genossen, denn Radfahren macht halt schon einfach mehr Spass, wenn das Wetter mitmacht. Nach diesen nassen letzten Wochen grinsten wir über beide Ohren ab dem Anblick dieses schönen Panoramas und wir wussten wieder zu schätzen was wir hier erleben dürfen! Die Welt hier oben scheint irgendwie eine andere zu sein als im Albanien wie wir es bis jetzt kennengelernt hatten. 

Nach einer kurzen Kaffee und Baklava Pause packten wir uns mit jeder Kleidungsschicht ein die wir nur finden konnten, denn trotz strahlender Sonne waren die Temperaturen um den Gefrierpunkt herum. Die Abfahrt war mit schönen Ausblicken, langgezogenen Serpentinen und vielen Tieren spektakulär. Schon bald aber fanden wir uns im Tal wieder und alles schien wieder so zu sein wie wir es kannten. Überall war ein unangenehmer Plastikduft in der Luft, Abfall zeichnet den Strassenrand und bei jedem Abfalleimer tümmeln sich die Strassenhunde. So waren wir nicht böse als wir pünktlich zum Sonnenuntergang im kuschelwarmen Apartment ankamen. 

Nachdem wir am nächsten Morgen vor dem Supermarket eine streunende Katze und einen Hund gefüttert hatten (neues Hobby von uns), war die Mission für den anstehenden Tag klar. Wir wollten heute raus aus den Bergen, wieder in Richtung Meer fahren. Abgesehen davon dass wir zwei andere Radreisende kreuzten und eine Weile zusammen plauderten, passierte nicht viel an diesem Tag. Aufgrund der immernoch kalten Temperaturen nahmen wir einmal mehr ein Apartment und nächtigten in der Nähe der Karavasta Lagune die wir am nächsten Tag besichtigen wollen. 

So machten wir uns am nächsten Morgen erstmal auf zum Besucherzentrum des Naturparks. Vor dem Gebäude begrüssten uns erst mal zwei süsse Hunde und sogar zwei seltene Krauskopfpelikane (die wohl zum Besucherzentrum gehören) liefen auf dem Gelände herum. Einer der Pelikane fand unsere Fahrräder wohl nicht so toll und fauchte sie an, bis er schliesslich sogar die eine Lenkerstange mit seinem Schnabel angriff. Pelikan und Stange blieben aber unverseht und wir konnten unsere Reise durch den Park fortsetzen. Wir freuten uns sehr, denn es soll hier eine grosse Flamingopopulation geben. Die übermotivierten Leute im Besucherzentrum sagten uns nach ca. 5 mal Nachfragen sogar wo man sie denn am besten beobachten könne. Dies waren jedoch auch die selben Mitarbeiter die uns sagten, dass es kein Problem sei auf dem Weg zu fahren. Es könnte lediglich ab und zu etwas Wasser auf der Strasse haben meinten sie. Wir genossen erst die Fahrt durch die wilde Küstenlandschaft, bevor wir in Richtung Lagune abbogen. Schon von weitem sahen wir die schönen Vögel und wir wollten den Weg unbedingt fahren, obwohl er etwas wild aussah. Die Leute vom Park haben uns ja versichert, dass es kein Problem sei... Die wassergeflutete Strasse wird also sicher bald besser werden, dachten wir uns. Wir beobachteten die schönen Vögel einige Zeit aus der Nähe und genossen es, dass es endlich doch noch geklappt hat mit der Sichtung von den beeindruckenden Federtieren. Bis jetzt ging der Weg gerade noch so in Ordnung. Man konnte den grossen Pfützen die alle 10 Meter im Weg waren gut ausweichen und unsere Füsse blieben trocken. Dies sollte aber nicht lange so bleiben, denn die Ausweichmöglichkeiten wurden immer geringer. Bevor man in die Wassermassen fuhr, sah man eigentlich nie wie tief es tatsächlich war und so kam es wie es kommen musste. Martina und auch Mattia hatten schon bald klitschnasse Füsse und zum Teil kam das Wasser fast schon bis zu unseren Fahrradtaschen hoch. Weil das Wetter aber sehr gut war und wir keinen Zeitdruck hatten, machte uns der abenteuerliche Weg schon fast ein bisschen Spass. 

Pünktlich zum Sonnenuntergang kamen wir dann in der eher nicht so schönen Stadt Fier an, in der wir ein Apartment gebucht hatten.

Der nächste Tag war dann eher wieder eine Übergangsetappe in der nicht all zu viel passierte. Wir fuhren bis zur Küstenstadt "Vlora", in der wir am Tag darauf einen Pausentag einlegten um unsere Beine für die bevorstehenden Höhenmeter zu schonen. Wir machten einen Ausflug an den Strand, tranken Kaffee und schauten uns die gar nicht so schöne Stadt an. Man merkt wie der Tourismus gepusht wird und wie viel ohne Rücksicht auf Verluste gebaut wird. Unser Apartment war aber ganz süss und der Vermieter deckte uns mit hauseigenen Orangen für die nächsten Tage ein.

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