Familienauszeit in Montenegro

Nach dieser wirklich nicht erholsamen Nacht im Industrieviertel, freuten wir uns umso mehr auf die kommenden Tage mit dem Besuch aus der Schweiz. Gemeinsam mit Mattias Eltern werden wir 1 Woche in einer tollen Wohnung hausen und zusammen Ausflüge unternehmen. Und das sogar für einmal mit dem Auto! Eine Woche Pause für Knirps und Blinker ist auch mal eine willkommene Abwechslung. 

Die Ankunft bei dem Haus (welches einem Märchenschloss ähnelt), war ganz herzlich durch die Begrüssung des Hauseigentümers Bernd aus dem Schwarzwald. Wir konnten die Velos tiptop auf dem Balkon parkieren und uns in der Wohnung schon mal Zeit nehmen fürs Einpuffen, denn bis Esthi und Roli eintrafen dauerte es noch ein wenig. Unterdessen genossen wir schon mal ausgiebig die warme Dusche und auch das Sofa lockte um die Beine hochzulegen. 

Die Ankunft des Mietautos mit dem freudig erwarteten Besuch konnten wir gleich vom Balkon aus beobachten und sie anschliessend am Eingang herzlich in Empfang nehmen. Um gebührend auf die bevorstehende Ferienwoche anzustossen, machten wir uns auf zur hauseigenen Dachterasse mit einem Glas Wein und Apero. Und dies mit perfektem Timing zum Sonnenuntergang!

Anschliessend wurde lecker gekocht und der erste Spieleabend mit dem doch etwas ersehnten Brändi-Dog durfte natürlich nicht fehlen.

Am nächsten Morgen gings früh aus den Federn, denn die grosse Autofahrt mit unserem Driver Mattia (ganz zu seiner Freude) auf der Passstrasse entlang des Shkodra-Sees stand an. Schon ein ungewohntes Gefühl wieder Mal mit einem Auto unterwegs zu sein, sei es als Fahrer oder als Mitfahrerin. Auf jeden Fall hat so ein albanischer Mittelklassewagen ordentlich Pfupf und kann elegant allen tiefen Schlaglöchern und hohen Temposchwellen ausweichen. So genossen wir bei windigen Aussichtspunkten die tolle Sicht auf den grossen Shkodra-See und die dahinterliegenden Gebirgsketten. Einen Mittagshalt gabs im Dorf Virpazar, bei dem die Herren einen Fischteller genossen und die Damen froh über Alternativmenüs waren. ;) Die Abendsonne genossen wir an einem weiteren Aussichtspunkt mit wundervollem Blick aufs Meer und weniger wundervollem Blick auf die Abfallberge am Hang unter uns…. Diese ständigen Müllhalden machten uns immer wieder sprachlos und nachdenklich zugleich. 

Die allerletzten Sonnenstrahlen dieses erlebnisreichen ersten Tages genossen wir unten am Strand mit dem Lauschen der Wellen. Den Abend zurück in der Wohnung liessen wir gemütlich bei Spielen und dem Znacht ausklingen. 

Am nächsten Tag stand der Besuch des grossen Strandes von Ulcinj an, bei dem wir eine kleine, aber freundliche Hundegang mit einem einzigen Büsi antrafen. Der wohl im Sommer gut gefüllte über 17km lange Strand war zu dieser Saison menschenleer und schön ruhig. Anschliessend durften wir ganz in den Genuss eines von Rolis zusammengestellten „Tüürli“ kommen, welches eine Besichtigung der Salinen mit seinen Flamingos und Pelikanen beinhaltete. Leider war das Gelände unglaublich gross um dies zu Fuss zu erkunden und bis zu den farbenfrohen Federvögeln zu gelangen. Doch ein Erlebnis war der Salinenbesuch auch ohne Sichtung dieser Tiere allemal. Denn das verrottete Fabrikgelände alleine mit einem grossen übrig gebliebenen Salzhügel und schiefstehenden Fabrikgebäuden war schon eindrücklich zu sehen. Zurück beim Ausgang gab uns der „übermotivierte“ Geländewärter mit einem bösen Blick über den Handyrand und liegender Position in seinem Sofa auf die Frage, ob wir mit dem Auto noch die weitere Strecke befahren könnten, klar zu verstehen, dass dies nicht gewünscht ist. Die Flamingo und Pelikansuche noch nicht ganz aufgegeben, versuchten wir noch aus einer anderen Richtung zu den Salinen zu gelangen. Doch auch dieser Versuch stellte sich als schwierig heraus, da das Salinengelände durch einen Kanal getrennt war. Mit viel Fantasie konnten wir aber die Flamingos tatsächlich schnattern hören. ;)

Ein weiterer Tourenstop war die Alstadt von Ulcinj, welche etwas erhoben am Meer mit vielen schönen Gassen auf uns wartete. Wir schlenderten etwas entlang von den Festungsmauern, vorbei an einem auf frischer Tat ertappten Bauschutt-Entsorger über die Festungsmauer hinaus…Ein Pipihalt machte sich bemerkbar und auch langsam ein Snack war nötig, sodass wir in einem Tourischuppen Halt machten und eine leckeres Plättli bestellten. Gesellschaft leistete uns dabei Fritz die Heuschrecke, welche plötzlich hinter unserem Tisch auftauchte und es sich auf der Weihnachtsdekoration des Tannenbaumes gemütlich gemacht hatte. 

Am nächsten Morgen machten wir uns nach einem stärkenden Frühstücksbrunch auf den Weg zu den alten Olivenbäumen, welche entlang einer Panoramastrasse standen. Das anscheinend mit über 2200 Jahren älteste Exemplar konnte man für 2 Euro besichtigen und da wir alle 3x um diesen Stammältesten spaziert sind, soll es uns nun für immer Gesundheit, Glück und Liebe bringen. :)

Weiter ging es mit einer kurzen Besichtigung in der Moschee kurz vor der Altstadt von Bar. So ein erster Besuch fühlte sich schon besonders an. Unweit der Moschee war unser nächster Stop, nämlich der Besuch der Altstadt, Stari Bar. Sie besteht aus lauter Ruinen, Museen mit Fundstücken und Infotafeln. Da uns der Wind jedoch fast davonfegen wollte, waren wir froh als wir nach dem Besuch wieder im warmen Auto sassen um uns aufzuwärmen. 

Mit hungrigen Mägen suchten wir uns rund um den Green Market ein Mittagsrastplätzchen. Bei der einladenden Geste eines sympathisch wirkenden Imbissverkäufers wurden wir schwach und so landeten wir in einer wirklich authentischen Imbissbude. Die vegetarischen Varianten waren wie sehr oft nicht vorhanden auf der Karte, aber es konnte eine Bohnensuppe und ein Kabissalat hervor gezaubert werden. Und für die Fleischessenden unter uns gab es die legänderen Cevapcici und Sucuk (schärfere Würstchen). Anschliessend gab es zum Aufwärmen noch eine Kaffeerunde in einem gemütlichen Café mit leckeren Moka und Kakao und dazu noch eine Runde Mini-Uno, welches wir nun stolz in unsere Unterwegs-Spielesammlung aufgenommen haben. (Danke an die Family Klaus) 

Als nächstes stand ein kurzer Besuch der imposanten und perfekt in der Abendsonne schimmernden orthodoxen Kirche an. Es war eindrücklich zu sehen, wie der Glaube hier für viele noch eine sehr grosse Rolle zu spielen scheint, egal in welchem Alter. Durch die vielen Küsschen der Kirchenbesuchenden an jeglichen Bildern und Statuen wurde dies auch optisch deutlich. Uns imponierten die wunderschönen, detaillierten Malereien und Mosaike an den Wänden. Da wir anschliessend noch gwundrig waren, wie hier in Montenegro auf Silvester eingestimmt wird, mischten wir uns kurz unters Volk an der Strandpromenade. Bei lauter Musik wurden fleissig die Hüften geschwungen, mitgejohlt und angestossen. Uns blaste jedoch der kalte Wind zu sehr um die Ohren, um noch länger draussen zu bleiben und das Geschehen zu beobachten. So entschieden wir uns für eine Aufwärmrunde nach Hause zu fahren und erst fürs Abendessen nochmals aus dem Haus zu gehen. Mit frischer Energie und verschiedenen Restaurantideen im Kopf machten wir uns wieder auf den Weg. Doch leider blieb der Wunsch nach Auswärts essen am Silvesterabend unerfüllt. Jedes einzelne Restaurant, welches wir abklapperten, war tatsächlich geschlossen, obwohl die auf Google angezeigten Öffnungszeiten natürlich etwas anderes prophezeiten. So endete unsere Abendausfahrt wieder zu Hause in der warmen Stube und wir hatten zum Glück über die Festtage genug eingekauft und konnten uns trotzdem ein leckeres Abendessen zaubern. Nach dem mitternächtlichen Anstossen rutschen wir schon bald gemütlich unter die Bettdecken. 

Zum Jahresbeginn gabs zuerst mal ein leckeres Frühstück und anschliessend stand der Besuch der Umgebung rund um die kleine Insel Sveti Stefan an. Wie sich herausstellte ist leider der Zugang auf die Insel sehr begrenzt möglich, anscheinend nur für Gäste des Hotelresorts, mit einer geführten Tour oder Ähnlichem.  

Den tollen Blick vom Strand aus lohnte sich aber auf jeden Fall auch schon. Als sich der Mittagshunger langsam bemerkbar machte, fuhren wir Richtung Przno Beach, wo wir auf ein Restaurant hofften. Doch auch das ursprünglich aus Roli’s Reiseführer empfohlene Restaurant hat in der Nebensaison geschlossen. Doch wir hatten Glück. Ein anderes doch eher nobel aussehendes Restaurant hatte geöffnet und so liesen wir uns mit dem 3-Gang Neujahrsmenü richtig verwöhnen. Man konnte zwischen Fisch-, oder Fleischmenü auswählen (zum Glück gabs auch da wieder eine improvisierte Vegivariante) und wir kamen also zu mehr als genug Fleisch bei unserem gewählten Menü. So einen grossen „Mocke“ Fleisch hatten wir schon lange nicht mehr gegessen, aber er war sehr lecker zubereitet.

Mit voll geschlagenen Mägen spazierten wir noch zurück zum Auto und nahmen den nächsten Programmpunkt in Angriff. Wir wollten die Altstadt von Budva erkunden gehen. Doch es blieb tatsächlich nur beim Wollen… Es hatte so viele Autos auf den Strassen wir noch nie! Jede mögliche Parklücke wurde genutzt, sei das auf den Trottoirs, vor dem Feuerwehrmagazin, in zweifach Reihen auf Parkplätzen vor Supermärkten oder sogar irgendwo eingequetscht vor einem Hauseingang… Da war wohl richtig etwas los in dieser Stadt am Neujahrstag! Traurig aber wahr, mussten wir unser Vorhaben abbrechen und machten uns bereits schon auf den Weg hoch zu einem herausgesuchten Sonnenuntergangs-Geheimtipp. Kurvig und steil gings hoch zu einer Aussichtsplattform mit einer kleinen Kapelle. Der Ausblick war umwerfend. Während wir die Abenstimmung genossen, wurde neben uns alles für den einen grossen Moment vorbereitet. Wem wird hier wohl ein Heiratsantrag gemacht? Die Spannung stieg und als das Paar dann auftauchte und der Antrag stattfand, wirkte es trotz wunderbarer Kulisse in unseren Augen wenig herzlich und natürlich. Aber auf den professionell gemachten Fotos und Videoaufnahmen bestimmt perfekt kitschig. ;)  Zurück in der Wohnung gabs nochmals ein Spieleabend und ein Znacht ohne Fleisch. ;) 

Für den nächsten Tag war getrenntes Programm angesagt, denn wir waren ordentlich geschlaucht von den letzten eindrucksvollen Tagen und waren froh um etwas Erholungs-, und Erledigungszeit. So stand Velos auf Vordermann bringen, Kroatienkarte zeichnen, Blog schreiben und Chillen auf dem Programm. Esthi und Roli nutzten die Gelegenheit um zu Zweit noch etwas auf Entdeckungstour zu gehen. 

Die Zeit verging sehr schnell und schon stand der letzte gemeinsame Ferientag an. Wir nutzten nochmals den ganzen Tag um unterwegs zu sein und nun doch noch die Altstadt von Budva unsicher zu machen. Obwohl es aus Kübeln schüttete und ein bissiger Wind wehte, war Budva’s Altstadt mit seinen schönen Gassen wirklich einen Besuch wert und wir fanden sogar (fast) auf Anhieb noch offene Cafés und ein Restaurant. Auf dem Rückweg als es schon dunkel war, startete noch die Mission neues Isomätteli für Martina suchen an. Als Tipp von den Gastgebern erhielten wir den China Laden in Bar zu besuchen. Passend zum Namen war es ein verrückter Chaosladen mit lauter Temu-Günstigprodukten im Übermass! Aber tatsächlich, im Mini-Outdoor-Ecken war auch eine Isomatte zu finden. Da sie doch rund 25 Euro gekostet hat (alles andere im Vergleich war eher zwischen 1-5 Euro) gehen wir von Höchstqualität aus ;) Naja, lieber eine als keine ist hier die Devise. :) 

Sind wir ja dann mal gespannt wie sie sich im Bikepacking Alltag beweist als Übergangsmatte, bis eine bessere gefunden wird. Den letzten gemeinsamen Abend genossen wir nochmals mit ausgiebigen und doch sehr ambitionierten Brändi-Dog Runden. Da es für Esthi und Roli am nächsten Tag bereits schon um 04:30 losging, legten wir uns nicht allzuspät schlafen, um doch noch einige Stunden Schlaf zu kriegen. 

Und dann war es auch so weit, die beiden hatten alles zusammengepackt und so hiess es auch schon wieder Adieu sagen und die beiden zurück in die Schweiz fliegen lassen. Auf jeden Fall eine ganz tolle, abwechslungsreiche und lustige Woche durften wir da erleben! 

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