Winterwonderland

Der nächste Morgen im Nationalpark war mit einer grossen Überraschung verbunden. Wir wussten, dass der Wetterbericht zwar Schneefall vorausgesagt hat, aber wie viel es dann über Nacht wirklich geben wird, waren wir selber sehr gespannt. Und tatsächlich, als wir die Rollladen hochzogen, erwartete uns ein Blick ins Winterwonderland. Zwischen 5-10 cm Schnee hat es in der Nacht hingelegt, jedoch hat der Schneefall passend zur Abreise aufgehört. Wir waren etwas aufgeregt auf die bevorstehnde Abfahrt, denn wir wollten zuerst sicher gehen, wie gut die Kroaten ihre Strassen räumen. Doch wir hatten Glück. Es schien so, als wären die Einheimischen und vorallem mitunter das Personal des Nationalparks top vorbereitet gewesen auf den kommenden Schnee. Die Schneepfluge haben ihre Aufgabe bereits frühmorgens top erledigt und so trauten wir uns warm eingepackt dieses Schneeabenteuer zu. Etwas komisch fühlte es sich schon an, als wir die ersten Meter durch die weissgepuderte Landschaft in Angriff nahmen. Die Bremsen griffen gut, unsere Lichter und Leuchtwesten waren montiert und auch der Verkehr war absolut angenehm. Nicht viele trauten sich an diesem Morgen auf die Strasse, das kam uns natürlich gelegen. Die Fahrt durch die verschneite Landschaft war märchenhaft und sehr kurzweilig. Ab und zu blinzelte sogar die Sonne durch die Wolken hervor. Aufgrund des liegenden Schnees und den kalten Nächten, haben wir bereits eine nächste Ortschaft mit Airbnb anvisiert und auch direkt gebucht.

Dies war in der Stadt Gospić. Als wir bei der Unterkunft ankamen, wurden wir von der liebevollen Gastgeberin Maria in Empfang genommen. Sie glaubte ihren Augen kaum, dass wir es bei diesen Wetterverhältnissen wagen mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Umso mehr genossen wir das vorgewärmte Airbnb und eine warme Dusche. Da die Wettervorhersage für den nächsten Tag nochmals einen ganzen Tag Schneefall anzeigte und auch Maria meinte, dass es sehr kalt und viel Schnee geben wird, entschieden wir uns direkt nochmals eine Nacht zu verlängern und so den Schnee abzuwarten. So stand uns ein velofreier Tag bevor, den wir ganz dem winterlichen Wetter entsprechend nutzten mit einem Schneespaziergang, Film schauen, Spiele spielen und Chillen. Das Spiele spielen ging besonders gut in unserem Lieblingscafé von einem ganz netten Kroaten geführt. Dieser konnte super deutsch sprechen und wir liebten es mit ihm ein bisschen zu plaudern. Am Nachmittag stand ein weiteres Highlight auf dem Plan. Wir durften von der lieben Gastgeberin Ausstechförmchen, ein Wallholz, Pinsel und Blechrein ausleihen, sodass dem Guetzlen nichts mehr im Weg stand. Mit Weihnachtslieder im Hintergrund backten wir fleissig Mailänderli. Mhhhm so fein!

Ganz erstaunt waren wir, als es am Abend plötzlich an unserer Haustür klopfte und das nette Schwiegermami von nebenan uns selbstgemachten Strudel vorbeibrachte. Als Gegenzug legten wir ihr natürlich ein paar frischgebackene Mailänderli auf den Teller, was sie mit leuchtenden Augen und einem Lachen gerne annahm. So liebevoll und persönlich war also bisher noch kein Airbnb-Aufenthalt. 

Am nächsten Morgen nach ausgiebigem Wettercheck und Überlegen, entschieden wir uns dazu, die Weiterreise anzutreten. Denn wir wussten, das noch eine Passüberquerung vor uns lag und die wollten wir vor dem nächsten Schneefall hinter uns bringen. Die Strassen waren wieder tiptop geräumt und wir dankten einmal mehr unseren eingepackten warmen Kleidern. Maria liess uns mit einem etwas mulmigen Gefühl gehen, denn sie war noch etwas besorgt über unseren Plan jetzt schon weiterzufahren. Sie machte noch ein Erinnerungsfoto von uns und wir liessen ihr noch einige Mailänderli da und versprachen ihr mitzuteilen, wenn wir gut in Obrovac, dem ersten grösseren Dorf nach dem Pass, angekommen sind. Da haben wir bereits im Voraus die Chance genutzt mit einem Black Friday Rabatt ein Hotelzimmer zu buchen. 

Wir waren sehr gespannt, was da alles auf uns wartet bei der Passüberquerung. Wir bekamen den besten Support den wir uns wünschen konnten, denn mitten im Anstieg hupten uns die vorbeifahrenden Autos freudig zu oder streckten anfeuernd die Daumen in die Höhe. Nur vereinzelten Autofahrern schien unser Vorhaben etwas ungewohnt und sie zeigten dies mit langen, überraschten Blicken oder einem Vogel zeigen. Direkt mit Erreichen der Passhöhe zeigten sich auch einige wärmende Sonnenstrahlen und ein überwältigender Ausblick. Wir kamen aus dem Staunen nicht heraus, denn das Panorama mit seinen unzähligen leicht gezuckerten Bergen und Hügeln war einfach wunderschön. Allzulange konnten wir jedoch nicht verweilen, denn der eisige Wind der Bora fegte uns um die Ohren. Für einige kurze Fotosessions bissen wir jedoch durch. ;) 

Je mehr wir auf der anderen Seite des Passes nach unten kamen, desto mehr veränderte sich die Landschaft. Es wurde auf einen Schlag mediterran mit Kakteen, Pinien-, und Olivenbäumen. Auch ein wunderbarer Ausblick auf das oft gehörte Velebitgebirge erhaschten wir. Ein weiteres Highlight war das Bewundern der Canyon-Landschaft. Zuerst erblickten wir entfernt vom Pass aus das Naturspektakel, anschliessend ganz aus der Nähe. Das türkisblau des Wassers mit den kargen Felswänden und dem beschneiten Velebitgebirge im Hintergrund gaben einen wunderbaren Kontrast. Ziemlich bis auf die Knochen durchgefroren waren wir besonders froh um die heisse und ausgedehnte Dusche im Hotelzimmer. 

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