Nordkroatien

An einem wunderschönen aber etwas kalten Sonntag überquerten wir bei strahlendem Sonnenschein den Fluss Mur und somit auch die kroatische Grenze. Das Erste was uns im neuen Land erwartete war eine etwas heruntergekommene Raststätte in der wir uns erstmal etwas stärken wollten. Heruntergekommen war nicht nur das Gebäude, sonder auch deren Inhalt, bzw. etwa 15 Trucker die uns, kaum ging die Türe auf, anstarrten als ob wir Ausserirdische wären. All zu viel von uns hatten sie aber durch den dicken Zigarettenrauch und die vielen Bierflaschen auf dem Tisch  nicht gesehen und wir machten uns etwas schneller als gedacht wieder auf den Weg in Richtung Sonne. 

Die bevorstehende Ettappe war sehr flach, sodass uns genügend Zeit blieb um in einigen Kaffeehäusern auf dem Weg Halt zu machen. Dies kam besonders Mattia zugute, der seit etwa drei Tagen mal grössere, mal kleinere Probleme mit seiner Verdauung hatte. Als die Sonne schon am untergehen war und wir die schöne Stimmung an einem See genossen, hielten plözlich zwei Radfahrende (Vater und Sohn) neben uns. Sie waren sehr interessiert an unserer Reise und luden uns spontan ein, um für eine Nacht in deren Zuhause zu nächtigen. Schweren Herzens mussten wir dieses Angebot jedoch ausschlagen, denn wir hatten für diese Nacht bereits eine Übernachtung über WarmShowers abgemacht. Es zeigte uns aber schon am ersten Abend wie gastfreundlich die Leute hier sind. Nicht weniger gastfreundlich war nämlich auch unser WarmShowers Host Anto, der uns in seiner Wohnung beherbergte. Weil Anto unter einem ausgiebigen Kater litt und den ganzen Tag unterwegs war, kochten wir ihm ein feines Risotto zum Abendessen, um ihm das leben etwas zu erleichtern. Weil Anto seine ersten Jahre in Österreich verbrachte, konnten wir sogar auf Deutsch sprechen und wir hatten einige interessante Gespräche bevor wir den Schlaf im bequemen Bett genossen. 

Am nächsten Morgen gingen wir aufgrund Antos Arbeitszeit früh aus den Federn und wir machten uns am See entlang auf den Weg in die nahgelegene Stadt Varazdin. Nach einer nebligen Fahrt entlang des Sees (Sichtweite ca. 3m) blieb uns also genug Zeit um die Stadt anzuschauen und Kaffee zu trinken. Die Erkenntnis des Tages ist: Es gibt hier einen Unterschied zwischen Kakao und heisser Schokolade. So tranken wir zu einem Stück Torte ausversehen ein Schoggifondue ähnliches „Getränk“ anstatt einer milchigen „Heisse Schoggi“ wie wir es in der Schweiz kennen. Kann man machen… ;)

Der heutige Weg führt uns in wieder etwas hügeliges Gelände, vorbei an härzigen Bauernhöfen und Dörfern. In einem dieser urigen Dörfern beschlossen wir uns nach einem Schlafplatz umzusehen. Die Leute hier wirken auf uns sehr lebendig und es ist nicht ein grosses Problem jemanden zu finden, den man ansprechen kann. Nach einer ersten Absage und etwas fragwürdigen Blicken trafen wir ein paar Häuser weiter auf die wunderbare Anna. Die herzliche Rentnerin hantierte gerade etwas mit ihrer Schubkarre herum, als wir sie mit Händen und Füssen zu fragen versuchten, ob wir wohl bei ihr im Garten unser Zelt aufschlagen dürften. Nicht lange ging es bis Martina von ihr einen dicken Knuddel bekam und wir wussten; das war eine Zusage. Nicht viel länger dauerte es bis die fleissige Anna einige Strohballen aus dem Schopf von nebenan hiefte. Liebevoll legte sie uns einen warmen Strohboden zurecht auf dem wir unser Zelt aufschlagen konnten. Kaum hatten wir unser Schlafgemach eingerichtet, winkte sie uns auch schon zu sich in die warme Stube wo wir auch ihren Mann Stefan kennenlernten. Gemeinsam mit unserem Freund, dem Google-Übersetzter, hatten wir ein feines Znacht und genossen die wohlwollende Gesellschaft für einige Stunden. Ihr könnt es euch denken… Anna wäre nicht Anna wenn sie uns nicht auch zum Morgenessen in die warme Stube einladen würde. Dass wir aber Morgens um 07:30 Uhr den wohl besten Panierten-Schnitzel unseres Lebens zu uns nehmen würden hätten wir selbst von Anna nicht erwartet. Gestärkt vom Schnitzel und dieser herzerwärmenden Begegnung (inkl. Strohboden), machten wir uns somit auf die letzte Etappe in Richtung Zagreb. Die letzten Stunden vor dem Eintreffen im warmen AirBnB waren sehr kräftezehrend. Dies lag vorallem auch an den kühlen Temperaturen und dem hartnäckigen Nebel der uns den ganzen Tag umgab. So freuen wir uns umso mehr auf einige warme Nächte in Zagreb. :)

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