Tatragebirge

Quasi zeitgleich mit dem Grenzübertritt in die Slowakei begann auch ein langer Anstieg, um unsere nächste Unterkunft im Dorf „Zdiar“ zu erreichen. Obwohl es das Wetter nicht all zu gut meinte, waren wir überwältigt von der schönen Berglandschaft mit ihren farbenfrohen Wäldern. Abgesehen von ein paar wildgewordenen Lastwagen, die man schon 2 Minuten im voraus hörte, gab es kaum Verkehr auf der Passfahrt. Optimal also, um das erste Mal so richtig in die Berge zu fahren. Im langgezogenen Bergdorf angekommen, gönnten wir uns eine preisgünstige (sehr) warme Unterkunft und gingen im Bergrestaurant von nebenan so richtig fein, urchig slowakisch essen. Es fühlte sich ein bisschen an wie in den Schweizer Bergen, sodass wir uns sehr wohl fühlten. Am nächsten Morgen stand uns zuerst eine rasante Abfahrt bevor, die wir sehr genossen. Doch nach jeder Abfahrt naht dann auch wieder ein Anstieg. Auf einer Passstrasse gings wieder Kurve für Kurve in die Höhe. Weit und breit keine anderen Velofahrenden, aber dafür eifrige Pilzverkäufer, welche am Strassenrand ihre prallgefüllten Kübel mit Pilzen den Autofahrenden vor die Nase strecken. Wir stellten diese Verkaufsstrategie etwas in Frage, denn kein einziges Auto hielt an… Auch wir konnten unseren Drahteseln nicht noch mehr Last aufbinden und huschten auch weiter. 

An unserem Etappenziel Nova Lesna nahm uns die freundliche Besitzerin des Airbnbs herzlich in Empfang und zeigte uns das Zuhause für die nächsten 3 Nächte. Wir buchten bewusst gleich mehrere Nächte, denn wir hatten vor 1x Wellnessen zu gehen und einmal eine Wanderung ins Tatragebirge zu machen. Um auf den Tag mit der besten Wettervorhersage zu warten, beschlossen wir, am nächsten Tag zuerst einmal einen richtigen Pausentag mit Entspannung im Wellness zu machen. Mit dem Regiozug gings von unserem kleinen Dorf Nova Lesna eine kurze Fahrt hoch zum Hauptort der Tatragegend Vysoke Tatry, wo sich das SPA in einem noblen Hotelkomplex befand. Dort hätten wir eigentlich aussteigen sollen, doch die Zugfahrt mit diesem schönen Zügli und der wunderschönen Herbstlandschaft draussen, liess uns noch eine Extrarunde drehen. Wir fuhren bis zur Endhaltestelle und wieder zurück und erwischten dabei neben toller Aussicht auf die Herbstwälder auch noch einige Sonnenstrahlen. So genossen wir etwas später als gedacht in den Abendstunden die Saunen und vorallem auch das superwarme Whirpool umso mehr. Dies tat unseren beanspruchten Beinen richtig gut. Tiefenentspannt machten wir uns in der Dunkelheit mit dem Zügli wieder zurück ins Dorf und mit einem kleinen Spaziergang erreichten wir wieder unser gemütliches Airbnb. Dort gönnten wir uns für unsere hungrigen Mägen einfach mal wieder Fischstäbli und Brathärdöpfeli. Mhhhm war das lecker! Am nächsten Morgen lockte uns die Sonne früh aus den Federn und wir freuten uns auf unseren Wandertag. Etwas ungewohnt ohne Velos unterwegs zu sein, doch wir genossen die Wege hoch zu einem Aussichtspunkt sehr. Der Wanderweg war teilweise noch leicht mit Reif belegt, denn die Tiefsttemperaturen in der Nacht erreichten bis zu -5 Grad und auch als wir losgingen war noch nicht mehr als 2 Grad. Doch uns wurde mit der Sonne im Rücken rasch warm beim hochlaufen und die Anstrengung hat sich auch gelohnt. Noch kurz bevor die ersten Wolken aufzogen erhaschten wir vom Aussichtspunkt aus einen Blick in ein Tal des Tatragebirges und auf die nahegelegenen hohen Gipfel. Wieder zurück im Airbnb genossen wir einen gemütlichen Abend in der Wärme und packten schon ein wenig unsere 7 Sachen für die anstehende Weiterreise. 

Bei stahlblauem Himmel und eisigen Temperaturen machten wir uns los mit unseren Fährradern auf das Zügli. Dies mal hatten auch gaaanz viele andere Menschen die gleiche Idee und es wurde eine Enge und doch eher mühsame Angelegenheit im Zug. Wir waren umso mehr froh als wir unsere Zielhaltestelle erreichten und wir wieder ohne genervte Blicke der anderen Mitreisenden uns auf unsere Sättel schwingen konnten. Uns stand nämlich die bisher längste Abfahrt bevor. Das heisst warm einpacken und los gehts! Wir genossen die rasante Fahrt und blickten immer wieder gerne zurück auf das tolle Bergpanorama in unseren Rücken. Auf einem gemütlichen Rastplatz in einer Waldlichtung gabs ein (Glücks-)Kaffee aus der Bialetti und ein stärkendes Zmittag. Am allerliebsten hätten wir auch gerade da unser Zelt aufgeschlagen, doch aufgrund der eisigen Temperaturen in der Nacht, des Bärengebietes und des Standorts im Nationalpark konnten wir nicht bleiben. Mit der bevorstehenden Golden Hour gings weiter auf die letzten Kilometer bis zu unserer gebuchten Pension anfangs des nächsten Passes. Wir genossen eine warme Dusche und schnausten im Restaurant der Pension das Abendessen. Denn am nächsten Tag steht Grosses bevor.

Die Bezwingung des höchsten Passes der Slowakei namens Certovica (Teufelspass). Mit vereinten Kräften erreichten wir die Passhöhe, jedoch wurden wir mit der Aussicht leider nicht belohnt. Wie schon beim Hochfahren begleitete uns der Nieselregen und immer dichter werdender Nebel. Anstatt ein sonniges Plätzli auf der Passhöhe gönnten wir uns eine warme Suppe im Restaurant. Aufgewärmt und wieder warm und trocken angezogen gings diesmal auf eine nasskalte Abfahrt mit dem Zielort Brezno. Wir nächtigten in einem einfachen Hotel, welches aber durch sein tolles, inbegriffenes Frühstück punktete. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Pia (Samstag, 01 November 2025 11:58)

    Hoi zäme!
    Welch wunderbare Bilder - einfach herrlich! Danke und weiterhin alles Gueti � ���