Nach einigen windigen Kilometern fuhren wir voller Vorfreude in die Innenstadt von Danzig ein. Viel wussten wir nicht über die uns bevorstehende Stadt, doch schon von mehreren Leuten haben wir gehört, dass sie sehr schön sei. Kaum angekommen waren wir tief beeindruckt von der wunderbaren Altstadt. Hinter jedem Ecken, um den man fuhr, erwartete uns ein neues Highlight. Wunderschöne Gassen, beeindruckende Kirchen und lebensfrohe Menschenmengen. Die Altstadt wurde im zweiten Weltkrieg zwar komplett zerstört, jedoch wurde sie danach wieder sehr schön aufgebaut.
Im AirBnb angekommen wurde unser Grinsen dann noch etwas grösser als es onehin schon war. Wir mussten beim Buchen wohl ein sehr feines Händchen gehabt haben, denn wir verliebten uns sofort in die härzige Unterkunft im Stadtzentrum. Zum ersten mal seit dem Antritt unserer Reise haben wir ganze drei Zimmer zu unserer Verfügung. Schlafzimmer, Wohnzimmmer und Küche... wir fühlten uns sehr gut, das könnt ihr glauben. Nach kurzem Einrichten machten wir uns auf, um in der Innenstadt etwas zu Essen und natürlich zünftig auf unser AirBnb Erfolg anzustossen. Die passende Bar dafür zu finden war bei dieser Auswahl gar nicht so einfach, denn es war ziemlich was los hier an einem Samstagabend. Wir fanden dann eine ziemlich hippe Location und fanden schnell ins Gespräch mit Mikael, der wegen dem Studium in Danzig war. Wir plauderten den ganzen Abend über Gott und die Welt und erfuhren viel über das Leben und das Denken junger Leute hier in Polen. Einigen Bierchen später schenkte er uns sogar seine coole Camel Mütze!
Am nächsten Morgen hatten wir so richtig Lust die gut ausgerüstete Küche zu benutzten und eine Rösti zu bruzeln. Durch eine leichte Fehleinschätzung Mattias wurde aus einer kleinen Rösti dann zwei Grosse… So haben wir immerhin die nächsten drei Tage in Danzig auch noch was davon. Irgendwie genossen wir es danach einfach wiedermal eine gemütliche Wohnung zu haben und verbrachten den ganzen Tag darin. Ein bisschen kochen, lesen und einfach wiedermal zünftig Faulenzen, das mögen wir halt schon auch ;) So ging der Tag schnell vorbei und wir hatten am nächsten Tag dafür umso mehr Energie um die Stadt zu besichtigen.
Neben einem Museumsbesuch schlenderten wir durch die farbigen Gassen und testeten die unzähligen Kaffees ausgiebig bevor wir nach ein paar organisatorischen Erledigungen einmal mehr wieder im AirBnb landeten. Irgendwie lernt man eine richtige Küche und ein gemütliches Sofa sehr zu schätzten auf solch einer Reise. :)
Nach einer weiteren Nacht machten wir uns mit dem Zug auf in Richtung Malbork. Diese Stadt ist zwar bekannt für ihre riesige Backsteinburg (Grösste von Europa) die auch wirklich sehr imposant ist, aber der Grund für unsere Anreise war eine andere. In einem Dorf, ein paar Kilomter von Malbork entfernt, hat Chläusis Familie nämlich Vorfahren. Was wir darüber wissen ist, dass die Ururgrossmutter von Mattia die ersten drei Jahre Ihres Lebens dort verbrachte bevor sie mit ihrem Vater in die Schweiz zog. Ihre Mutter, also Mattias Urururgrossmutter, starb in diesem Dorf so dass wir auf ein Grab oder ähnliche Zeichen im Dorf hofften. Also machten wir uns auf, den Bus nach „Pogorzala Wieś“ zu suchen was sich als eher schwierig herausstellte. Niemand am Bahnhof in Malbork sprach Englisch und wir wurden von den Einheimischen von Bushaltestelle zu Bushaltestelle geschickt. Nach etwas Suchen wurden wir aber fündig und wir stiegen in den kleinen Bus ein der wohl noch nie Touristen transportieren durfte. Darüber ob es an der halsbrecherischen Fahrweise oder dem stickigen Geruch lag, konnten wir nur rätseln. Im Dorf angekommen suchten wir alles ab. Jedes Grab hatten wir angeschaut und auch einige Einheimische haben wir nach Infos gefragt. Leider wusste niemand über die Familie und wir haben nichts gefunden. Trotzdem war es interessant zu sehen wo ein Teil der Wurzeln Mattias eigentlich so herkommen auch wenn dies schon über hundert Jahre her ist. Nach einem gemütlichen Abend im hippen Hafenviertel freuten wir uns am nächsten Tag in Richtung Warschau aufzubrechen.
Damit wir etwas schneller in Richtung Süden kommen haben wir uns entschieden die Strecke zwischen den grossen polnischen Städten Danzig, Warschau und Krakau mit dem Zug zurückzulegen. Die Landschaft ist hier ziemlich flach und eintönig, so dass wir das Gefühl haben nicht all zu viel zu verpassen.
Die Entstehungsgeschichte der kommenden Unterkunft in Warschau ist ziemlich lustig. Als wir in Estland mit einem polnischen Paar auf Reisen ins Gespräch kamen gab uns der nette Waldek seine Nummer. Er sagte, dass er in Warschau lebt und wir uns melden sollen, falls wir in Polen einmal Probleme bekommen. Bevor wir in Warschau eine Unterkunft buchten, schrieben wir also Waldek und fragten ihn ob er eine gute Bleibe für zwei Nächte empfehlen könne. Kurz darauf leitete er uns eine Nummer weiter und sagte, dass wir uns bei seinem Freund Leszek melden sollen, er selbst sei leider zur Zeit nicht in der Stadt. So kam es, dass wir also netterweise für zwei Nächte in einem Zimmer in der Wohnung eines Freundes von unserer Reisebekanntschaft übernachten durften. Das ist Gastfreundschaft, die wir sehr zu schätzen wissen!
Als wir am Abend nach einer abenteuerlichen Metro fahrt (etwas umständlich mit dem Fahrrad) ankamen war das Gefühl schon etwas komisch, einfach so bei einem unbekannten Menschen in die Wohnung zu spazieren. Leszek war aber sehr nett und hatte uns sogar etwas zum Abendessen zubereitet. Bei einem Kaffee hatten wir sehr interessante Gespräche und er erzählte uns sehr viele spannende Geschichten über Polen und Warschau. Nach der spannenden Geschichtslektion freuten wir uns darauf am folgendem Tag die Stadt zu erkunden.
Warschau ist riesig, denn knapp 1.9 Millionen Menschen leben in der Grossstadt im Zentrum Polens. Auch diese Stadt wurde im Krieg leider fast vollständig zerstört. Die wiederaufgebaute Altstadt ist auch hier sehr sehenswert, jedoch ist dies halt nur ein kleiner Teil dieser riesigen Stadt. Der Rest der Stadt ist eher modern und hatte auf uns einen eher tristen Eindruck mit weniger Lebensfreude wie an anderen Orten. Dazu muss man aber auch sagen, dass wir zu wenig lange dort waren um einen richtigen Eindruck zu bekommen und das Wetter auch nicht all zu gut war.
Nachdem wir am Vortag Leszek mit Rösti und Birchermüesli das Schweizer Zmorge etwas näher brachten, verwöhnte er uns diesen Morgen mit einem vollen Zmorgentisch. Bevor wir uns wieder in Richtung Bahnhof aufmachten, realisierten wir einen sehr lustigen Zusammenhang. Leszek erzählte uns plötzlich von einem Käsehersteller in der Nähe von Olsztyn, der er einmal getroffen habe. Waldek, unser Vermittler dieser Wohnung, sei der Vorbesitzter des Hofes dieses Käsemachers. Lustigerweise handelt es sich bei diesem Käsemacher um Thorsten, bei dem wir letzte Woche auf genau diesem Hof übernachten durften. Was ist denn das bitte für ein Zufall… Die Welt scheint klein zu sein ;)















































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Thorsten (Sonntag, 12 Oktober 2025 16:23)
Hoj zsäme!
Schoen, den ausfuehrlichen Bericht ueber den weiteren Verlauf Eurer Reise zu lesen und an dieser so etwas teilhaben zu koennen. Besonders interessant fuer mich natuerlich auch diese Begegnung mit dem Leszek, der behauptete, Waldek sei der Vorbesitzer meines Hofes gewesen. Da muesste es sich tatsaechlich um einen anderen Thorsten handeln, der ebenfalls Kaeser sein muesste - doch es gibt davon nur einen - in Polen zumindest ;-). Mein Hof war nie in Vorbesitz eines Waldeks gewesen. Tomek hiess der Vorbesitzer, und der hatte es dem polnischen Staat abgekauft, nachdem die vormaligen deutschen Besitzer ihre Heimat (diesen Hof) Anfang der 70er Jahre aufgegeben hatten, um gegen eine Abfindung in den Westen rueberzumachen, wo ein besseres Leben lockte.
Wie auch immer, ich wuensche Euch weiterhin von Herzen eine gute weitere Reise, vor allem viele schoene Begegnungen mit netten Menschen und viel Sonne fuer's Gemuet!
Häbt's guet!
Thorsten