Nach mehreren Tagen im Wald und auf Campings, freuten wir uns auf eine kurze Pause in der Wärme. So buchten wir ein flottes Airbnb im nächst grösseren Ort Olsztyn. Nach einem kurzen Abstecher in die härzige Innenstadt mit ihren tollen Häusern, freuten wir uns auf unser kurzzeitiges Zuhause. Die heisse Dusche genossen wir ausgiebig und freuten uns auf die warme Bettdecke. Das mit der Wärme stellte sich im Nachhinein aber etwas anders heraus als gedacht. Das Airbnb war über Nacht kühler als erwartet und wir waren natürlich nicht mehr so warm eingepackt wie im Zelt. Und schon stand am nächsten Morgen eine Erkältung bei uns beiden vor der Türe…Zum Glück fühlten wir uns aber sonst genügend fit um uns wieder auf den Sattel zu schwingen.
Denn wir hatten einen Plan. Wir wollten das erste Mal ein Angebot der Plattform 1NiteTent (da kann man seinen Garten oder sein Gästezimmer kostenlos zur Verfügung stellen, meist für 1 Nacht) ausprobieren und riefen mutig dem gefundenen Bauern Thorsten an. Dieser ging ganz zu unserem Erstaunen ans Telefon und war ebenso überrascht über unsere Anfrage. Er hatte nämlich sein Angebot erst vor ein paar Wochen hochgeladen und wir waren somit seine ersten Gäste, die sich anmelden. Er freute sich aber hörbar über den Anruf und wir waren gespannt, was uns da erwarten wird. Als wir auf seinem Hof ankamen, begrüsste er und seine beiden grossen Tatra -Hunde uns freundlich und wir kamen schnell ins Gespräch. Sein erster Satz: „Pünktlich wie die SBB“ verriet uns schon rasch, dass ihm die Schweiz nicht unbekannt ist und er ja sogar Deutsch spricht. Denn Thorsten ist im Ostfriesland aufgewachsen, hat in der Schweiz mehrere Alpsommer bewältigt und war früher selbst auf grösseren Veloreisen. Thorsten hatte uns viel zu erzählen und zeigte uns auch seine 4 Kühe, mit deren Milch er seinen Lebensunterhalt durch die hauseigene Käseproduktion stemmen kann. So wie es sich für uns Schweizer gehörte, testeten wir natürlich aus, ob Thorsten‘s Käse auch Raclette tauglich ist. Und tatsächlich schmolz der Käse in den kerzenbetriebenen Racletteöfeli aus Thorsten‘s Haushalt fröhlich vor sich hin. Mit vollen Mägen und müden Augen durften wir sogar im Gästezimmer schlafen und unser Zelt „Winkelried“ durfte Pause machen. Am nächsten Morgen sattelte auch Thorsten sein Fahrrad und wir machten gemeinsam einen Ausflug in eines der Nachbarsdörfer. Auf dem Weg zeigte uns Thorsten noch einen schönen Platz am See und auf dem Rückweg bewunderten wir die hügelige Landschaft der dortigen Region. Es hatte sogar eine steilere Passage als erwartet drin. Den Kaffee wieder zurück auf Thorstens Hof hatten wir uns dann wirklich verdient. Nach dem Käfelen hatten wir Thorsten unsere Hilfe angeboten. Mattia war zuständig für die Mithilfe beim Ausbauen eines Motores, sowie die wichtige Aufgabe den Käse im Käsekeller zu putzen und ich konnte wieder mal einen Backofen nutzen und zauberte eine Zwetschgenwähe. Fürs Znacht waren auch wir zuständig, da wir Thorsten die ihm bisher noch unbekannten Älplermageronen kochen wollten. Auch ein feines selbstgemachtes Apfelmus dazu durfte nicht fehlen. Wir genossen das schweizerische Schlemmen und der Abend endete mit einer spannenden Runde Scrabble spielen. Am nächsten Morgen genossen wir einen Kaffee an der Sonne und freuten uns bei bestem Wetter auf die vor uns liegende Etappe in Richtung Elblag.
Natürlich durfte kurz vor dem Tschüss sagen ein Eintrag in Thorstens Gästebuch nicht fehlen. Die Details der Zeit bei Thorsten würde den Rahmen dieses Blog-Eintrages sprengen, falls ihr noch mehr Wissen wollt, schreibt uns einfach kurz privat. ;)
Unsere nächste Anlaufstelle zum Übernachten war ein Camping an einem schönen See, wo aber laut Google ungewiss war, ob dieser noch offen hat. Ganz nach dem Motto „Probiere god öber Studiere“ fuhren wir den Platz an und entdeckten einen menschenleeren Platz, der aber wunderbar am See gelegen ist. Was nun, dachten wir uns. Mutig riefen wir in den nächsten bewohnten Garten freundlich „Tschin Dobre“ und hatten Glück, dass sie uns freundlich weiterhalfen. Sie kannten den Campingbesitzer und brachten uns direkt 2 Häuser weiter in seinen Garten. Für den Besitzer war es selbstverständlich, den Camping nochmals zu öffnen für uns und das auch noch umsonst! Was für ein Glück wir hatten. Bei schönstem Sonnenuntergang auf dem Steg kochten wir unser Tomatenrisotto und packten uns anschliessend warm ein für die doch sehr kalt vorhergesagte Nacht. (Bis zu 1 Grad nur noch…) Wir überstanden die Nacht aber ziemlich gut und wurden von Sonnenschein geweckt.
Nun freuten wir uns besonders auf die bevorstehende Tagesroute entlang des Oberländischen Kanals, vorbei an den 5 sogenannten „Rollbergen“. Auf diesem einzigartigen Bauwerk werden Schiffe auf Eisenbahnschienen über Land gezogen, um in kurzer Zeit einen Höhenunterschied im Kanal zu meistern. Leider war anfangs Oktober der touristische Schiffsbetrieb bereits eingestellt und wir konnten den Vorgang nicht live sehen. Jedoch hatten wir sonst einen besonderen Einblick bekommen. Ein Wasserwerk-Mitarbeiter öffnete extra für uns den Maschinenraum und wir konnten aus nächster Nähe beobachten, wie das riesige Wasserrad angetrieben wird. Eine gewaltige Kraft die da frei wird!
Unsere Route führte uns entlang des gesamten Kanals bis nach Elblag, wo wir für eine Nacht ein ausserordentlich günstiges Zimmer gebucht haben. Dies stellte sich leider als grosses Malheur heraus. Wir erhielten keinen Zutrittscode und per Telefon waren sie nicht erreichbar. So standen wir vor verschlossener Türe… Voller Hoffnung, doch noch eine Antwort zu erhalten, gingen wir zuerst Znacht essen. Doch vom Apartment immer noch keine Antwort. So blieb uns nichts anderes übrig als vor Ort anstatt online mal direkt beim nächsten Hotel anzuklopfen. Die hatten zum Glück noch ein Zimmer frei und auch sie sahen es als unverschämt, uns trotz bezahltem Zimmer nicht mal in die Unterkunft zu lassen…
Neuer Tag, neues Glück.
Wir erkundeten auf dem Velo nur noch kurz ein wenig die schöne Altstadt von Elblag, bevor wir uns weiter in Richtung Danzig aufmachten. Und wir hatten tatsächlich Glück, die Strassen meinten es gut mit uns und vorallem der Rückenwind war der Wahnsinn. So erreichten wir im Nu für ein letztes Mal die Ostsee kurz vor der Einfahrt Danzigs, um uns gebührend von ihr zu verabschieden. Tschüss Meer- Hallo Danzig!




































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