Auf dem Weg von Vilnius nach Alytus hatten wir bei bestem Wetter einige tolle Wildcampingplätze mit wunderbaren Sonnenuntergängen und ein härziges, kleines Dorf Trakai gesehen. Trakai hatte mit seinen schönen, farbigen Holzhäusern und der inmitten des Sees gelegenen Burg einiges für Touristen zu bieten. Kurz vor Alytus schlug dann das Wetter um und wir durften mit Vollregenmontur erfahren, wie es ist bei Regen zu radeln. Eigentlich ganz okay, ausser man erkältet sich…
Denn aus ursprünglich einer angedachten Nacht in Alytus wurden dann doch gezwungenermassen 4 Nächte, da Martina leider mit Fieber, Halsweh und sonstigen Stirnhöhlenentzündungsleiden zu kämpfen hatte. Da die Stadt gar nicht so viel zu bieten hatte, gab es für Mattia viel Rad-WM zu schauen und für Martina viel Schlaf, inhalieren und etwas gemeinsames Spazieren im schönen, nahegelegenen Park mit einem kleinen See. Wir waren nicht alllzu unglücklich über das quasi aufgezwungene gammeln aber freuten uns denoch sehr, als wir Blinker und Knirps wieder für den weiteren Aufbuch satteln konnten.
Von Alytus folgte ein wenig spektakulärer Weg entlang einer Hauptstrasse, bis uns doch tatsächlich eine sehr spannende Bekanntschaft am Nachmittag beglückte. Gerade als wir vor einem kleinen Bauernhof ein härziges Fohlen mit seiner Mama bestaunten, hielt ein Auto mit zwei älteren Herren an. Diese plauderten gleich freundlich auf uns ein, wir verstanden jedoch kein Wort, ausser den Wink, dass wir doch gerne mitkommen sollen. Der eine ältere Herr lud uns somit spontan zu sich nach Hause ein. Er zeigte uns mit ganzem Stolz seine Trophäen bei einem historischen Pferderennen durchs Baltikum und seine militärischen Triumphe. Nach kurzer Führung durch seine Stube machte er uns deutlich, dass es jetzt weiter geht mit Kaffee. Ganz unerwartet hatte er den Kühlschrank gefüllt mit einem leckeren Sandwich-Plättli. Er lud uns in sein Jägerstübli ein, wo wir ohne nur ein Wort zu verstehen, zusammen die kleinen Sandwich, inlusive frischen Tomaten und Gurken aus seinem Garten verdrückten. Auch die prominent plazierte Wodka-Flasche auf dem Tisch blieb nicht lange unberührt und wir kamen in den „Genuss“ von 5 puren Wodka-Schnäpsen. Mit jedem Gläschen mehr versuchten wir seine Witze zu verstehen und lachten einfach mit. Ganz schön unerwartet so am Nachmittag um halb vier. Er liess uns fast nicht gehen ohne nicht noch ein paar seiner Tomaten aus dem Gewächshaus zu pflücken und 10 frische Eier von seinen Hühnern auf den Gepäckträger zu klemmen. Etwas beschwipst riefen wir dankend Tschüss und fuhren zum unserem angestrebten Zeltplatz.
Das Täfeli „Privati Valda“ brachte uns jedoch schon fast zum umdrehen, als wir Menschen unten am Ufer entdeckten. Nix wie los das ältere Paar gleich fragen, ob es hier an diesem schönen Plätzchen am See erläubt wäre zu Zelten für 1 Nacht. Ein wenig als hätten sie auf uns gewartet, nickte die Frau freundlich und zeigte uns kurz die Toilette. So fühlten wir uns gerade willkommen und machten als erstes ein Feuer in der tollen Feuerschale und verarbeiteten die lustigen und doch etwas zweideutigen Gespräche mit dem älteren Herrn im Jagdstübli. Am nächsten Tag planten wir unsere Route durch das nächsgelegene Dorf, um einkaufen zu gehen. Wie es der Zufall wollte, kam uns doch tatsächlich wieder der Mann von gestern im Auto entgegengefahren und rief uns voller Freude „Sveiki, Sveiki!“ zu und grinste übers ganze Gesicht.
Die nächsten Kilometer führten uns über Wald und Wiesen an die polnische Grenze. Wir waren gespannt, wie wohl der Grenzübergang Litauen-Polen gestaltet war, da wir vom Baltikum her nur unbewachte Übergänge kannten. Schon von weitem entdeckten wir auf unserem Feldweg in der Ferne ein Grenzpolizeiwagen und zwei sich rasch bereitmachende Grenzwachen. So wurden wir von einer winkenden Grenzkontrolleurin mit einem roten Stopsignal angehalten und vom daneben stehenden Mann in militärischer Uniform und Waffe begutachtet. Wir kramten unsere ID hervor und diese wurden von der Dame ausgiebig unter die Lupe genommen. Doch alles gut, mit einem kleinen Lächeln gab sie uns das OK und so ging unsere Fahrt auf polnischen Boden weiter. Nach 1359 Kilometern auf dem Radl ist somit das Baltikum Geschichte und wir freuen uns auf ein neues Kapitel in Polen.

















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