Zugegeben, als wir noch vor dem Mitttag über die litauische Grenzen fuhren, war unsere Stimmung ziemlich am Tiefpunkt… Seit zwei Tagen fuhren wir nun fast ausgeschlossen durch die lettischen Wälder. Menschen sahen wir praktisch keine, die einzigen Lebewesen die uns begegneten waren unzählige Mücken und velogierige Hunde, die uns immer wieder aufs Neue in Panik versetzten. So hatten wir also sehr viel Hoffnung auf Besserung in dem uns noch unbekannten Land Litauen. Weil wir seit 2.5 Tagen wiedermal eine Einkaufsmöglichkeit hatten, gönnten wir uns erstmal eine Pause auf dem Bänkli vor dem Dorflädeli. Gerade in dem Moment als Martina in die schöne Schweiz telefonierte, setzte sich ein älterer Herr mit Bier neben uns. Wir hatten uns noch gewundert wie lange es wohl gehen wird, bis sich der erste Alki zu uns dazugesellen wird. Jetzt ist es also geschehen und Mattia lies sich aufs Gespräch mit Händen und Füssen ein. Zum Glück kann man sagen, denn aus dem Mund roch es definitiv nicht so knusprig… Was wir für Gesprächsthemen hatten? Alkohol, Zigaretten und „fuck Putin“, mehr ging da nicht. Je länger das Gespräch dauerte, desto unangenehmer wurde es. Spätestens als ein ca. 20-jähriger, stark torkelnder Mann sich dazugesellte (es war ja auch schon bald Mittag), machten wir uns schnellstens aus dem Staub. Spätestens da haben wir auch entschieden, dass wir einen Tag Pause brauchen, am besten in einem Zimmer. So machten wir uns also auf den noch langen Weg zur nächstgrösseren Ortschaft.
Von aussen sah unsere Unterkunft für diese Nacht ziemlich hässlich aus. Abgesehen davon, dass es im Zimmer übel nach Rauch roch, war sie aber ganz ok. Unsere Ansprüche sind inzwischen schon etwas gesunken und wir waren ehrlich gesagt einfach froh um einen sicheren Ort. Alles war hier irgendwie sehr unkompliziert und die Leute waren sehr freundlich. Auch als wir am Abend in dem wohl einzigen Restaurant des Ortes Nachtessen gingen, fühlten wir uns gleich etwas wohler. Jetzt war aber erstmal ausschlafen und Gedanken ordnen angesagt!
Viel gab es dann am nächsten Tag nicht zu machen in diesem kleinen Ort. Gut für uns, denn dann konnten wir einfach mal ein bisschen abschalten und ein paar Blogs nachschreiben. Nach einer nächsten Nacht in einem schönen Apartement machten wir uns also auf den Weg weiter Richtung Westen. Dies machten wir aber nicht ohne einen Halt bei der städtischen Dönerbude einzulegen. Kaum hatten wir den Dürüm fertig, kam eine ältere Dame in Begleitung eines Hundes auf uns zu. Sie lächelte uns an, redete etwas unverständliches auf Lettisch und streckte Mattia eine Tasse Kaffee entgegen. Kaum Danke gesagt, ging sie nochmals in die Tür hinein und braute auch eine Tasse für Martina. So tranken wir in netter Gesellschaft einen etwas zu süss geratenen Aufguss und tauschten uns über unzählige Dinge aus. Sie auf Lettisch, wir auf Schweizerdeutsch. Beide Parteien hatten zwar kein Wort verstanden, aber die gegenseitige Wertschätzung war deutlich zu spüren. Nach einer dicken Umarmung machten wir uns also mit einem guten Gefühl af den Weg und waren optimistisch gestimmt gegenüber Litauen und seinen Menschen.
Unser gutes Gefühl täuschte uns nicht, denn die folgenden vier Tage gingen vorbei wie im Flug. Die Route führte uns durch verschiedene kleinere Regionalparks und die Landschaft wurde zunehmend interessanter und deutlich hügeliger. Wir genossen dieses kleine Paradies mit interessanten aber strengen Wegen, wenig Verkehr und schönen Campspots, direkt am See oder Fluss. Jeden Abend ein bisschen füürle, das gefällt uns sehr. Auch die Leute denen wir hier in Litauen begegneten waren alle sehr nett und fröhlich. Irgendwie ein ganz anderes Lebengefühl wie in Lettland. Die Bauernhöfe waren sehr gepflegt und härzig eingerichtet und die unzähligen Kirchen sind alle schön erhalten.
Die Route führte uns zum Teil sehr Nahe (bis 25 km) an die belarusische Grenze heran. Weil sich gerade jetzt die Lage zwischen Europa und Russland etwas zuspitzt, wurden wir schon etwas nachdenklich. Schliesslich ist auch unser nächstes Ziel Vilnius nur unweit von der Grenze entfernt. Aufgrund einer grossangelegten Militärübung begegneten wir auch immer wieder miitärischen Fahrzeugen, zum Teil sogar Panzer. Über einen ganzen Tag hörten wir auch immer wieder dumpfe Panzerschüsse vom nahe gelegenen Trainingsplatz. Das hat uns schon ziemlich eingeschüchtert, wenn man so sieht wie man sich hier auf einen möglichen Angriff vorbereitet.
Am Tag an dem wir nach Vilnius fuhren hat uns das schlechte Wetter dann doch noch eingeholt. Das erste mal fuhren wir also einen ganzen Tag durch den Regen und versuchten dem Feierabendverkehr der Hauptstadt so gut wie möglich auszuweichen. Auch den ersten Speichenbruch musste Mattias „Blinker“ einstecken. Ein besseres Timing dafür kann es aber wohl fast nicht geben… :) Sveiki Vilnius!
































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Pia Reith (Dienstag, 23 September 2025 13:14)
Hoi zäme, ihr zwei lieben Velofahrer!
Wow, das Leben birgt viele Überraschungen ...da seid ihr jetzt mitten drin und ich freue mich mit euch.
Von Anna und Msma Beatrice vernommen, dass du Martina krank warst/ bist??? Hoffe du hast dich schon erholt und ja ich weiss aus eigener Erfahrung wie unangenehm das Kranksein ist wenn man so unterwegs ist.... Alles Gueti und der Segen des Himmels für euch zwei ! LgPia
Werni (Mittwoch, 24 September 2025 09:59)
Sehr spannend, aber nicht ganz ungefährlich!
Liebi Grüss us Wistler Werni+Marlis