Nach der gemütlichen Zeit in Riga stürzten wir uns in ein neues Abenteuer namens Hydra-Trail. Der Hydra Trail führte uns durch das Inland von Lettland, meist auf Feld oder Waldwegen. Diese Wege waren manchmal schon sehr abenteuerlich, wie sich herausstellte. So führte uns beispielsweise der Weg durch Dickicht und vermutlich mitten durch einen grossen Schrebergarten. Andere große Hürden waren schlammige Passagen, querstehende Baumstämme und unglaublich viele Moskitos. Die machten uns wirklich das Leben schwer, denn aus einer gemütlichen Pause am Wegrand wurde meist ein wildes Herumgefuchtel und ein rasches Weiterfahren war unvermeidlich. Zum Glück gab es ab und zu am Wegrand ein Büsi zum streicheln, was vorallem Martinas Laune wieder etwas hob ;). Der Trail führte uns gegen Abend an einen ganz speziellen Ort, nämlich ins angeblich grösste Skigebiet Lettlands. Mit ganzen 85 m. ü. M. und einer schwarzen Piste inklusive! So stellten wir also unser Zelt für diese Nacht direkt ans Ende einer tiptop gemähten und gepflegten Piste. Am Morgen genossen wir das Zmorge in luftiger Höhe des Aussichtturmes oben am Start der Pisten.
Gestärkt ging es auf den nächsten Abschnitt des abenteuerlichen Trails durch viel Wald, mit überqueren von Bächen und riesigen landwirtschaftlich genutzten Flächen. Auf Letzteren getrauten wir uns dann auch in einem kleinen gemähten Zipfel unser Nachtlager aufzuschlagen. Und sogar ein abendliches Bad im nahegelegenen Bächli kam nicht zu kurz. Was hingegen etwas zu kurz kam, war der erholsame Schlaf. Die Kühe aus der Nachbarschaft (waren alle noch nicht zu sehen, als wir das Zelt bei Tageslicht aufstellten) störten unsere Nachtruhe. Und es kam leider noch schlimmer. Bei jedem sich nähernden Auto spitzten wir die Ohren und hofften, dass es vorbeifahren wird. Dies war immer der Fall, bis auf einmal. Ein heranfahrendes Auto verlangsamte unmittelbar in unserer Nähe, bis es gefühlt direkt neben dem Zelt zum Stillstand kam. Wir machten keinen Mucks und waren schon gefasst darauf, herauskriechen und alles zusammemräumen zu müssen. Doch so sehr wir auch lauschten und versuchten Schritte wahrzunehmen, da war nichts. Einige viel zu lange dauernde Minuten in Panikbereitschaft, dann plötzlich 2 schletzende Autotüren und das Starten des Motors. Und weg war es wieder! Merkwürdig, diese nächtlichen Aktionen der Letten. Etwas müde aber erfreut über den sonnigen Morgen führte uns die Route am nächten Tag wieder durch viel Wald und Felder. Sogar einer Schlange sind wir über den Weg gefahren. (Fast überfahren ehrlich gesagt.) Mit Hilfe der Bilderkennung von Google stellte sich heraus, dass es sogar eine Kreuzotter war, der wir lieber schnell wieder aus dem Weg gehen wollten. (Ist giftig, aber meist sehr scheu…) Wem wir auch ganz aus dem Weg gehen wollten, waren die vielen, doch sehr plötzlich um den Hausecken rasenden Hunde. Die Fahrt über die eigentlich schönen Feldwege mit lieblichen Bauernhöfen wurde durch die stetige Angst vom Aufeinandertreffen mit einem nächsten Hund sehr nervenzerrend. Wir waren ziemlich am Ende unserer Nerven und Kräfte vom ewigen Davonrasen, dass wir schon sehr bald froh um einen nächsten, sicher wirkenden Schlafplatz waren. Doch dieser liess auf sich warten, da alle gefragten Personen weder Englisch noch grosse Hilfsbereitschaft zeigten.
Bei einem nächsten Schild mit der Aufschrift „Vecmemeles muiza“ bogen wir ab, mit der Hoffnung bei diesem Museum jemanden anzutreffen, der uns mit einer Schlafplatzidee helfen könnte. Ganz zu unserem Erstaunen war dort ein Paar auf der Veranda eines imposanten Herrenhauses, welches freundlich auf uns zu kam. Es stellte sich heraus, dass dort gar kein Museum ist, sondern dass das alte, prächtige Herrenhaus von diesem Paar tatkräftig restauriert wird. Als wir ihnen von unserer Zeltplatzsuche erzählten, war für sie gleich klar, dass wir bei ihnen im Garten übernachten dürfen. Was für ein Glück, dass wir Inga und Sandris getroffen haben. Sie waren wundervolle Gastgeber, obwohl sie eigentlich gerade inmitten von Vorbereitungen für den anstehenden Restaurationsworkshop am nächsten Tag waren. Wir wollten ihnen nämlich auf keinen Fall eine Last oder Ähnliches sein. Doch die Beiden gaben alles. So durften wir am Abend nach einem Schwumm im Fluss gleich neben dem Zelt ein gemeinsames Glas Wein geniessen und am Feuer noch den Abend ausklingen lassen. Am Morgen wurden wir mit einem Kaffee und einem selbstgemachten Apfelkuchen begrüsst. Als Gegenleistung konnten wir ihnen bei einigen kleinen Aufgaben helfen und unsere Sticker mal wieder freudig verschenken. Und so hiess es dann bald auch wieder Tschüss sagen und uns auf den Weg zu machen für die Bewältigung der letzten Kilometer in Lettland bis zur Grenze von Litauen. Endlich geschafft, der kleine, unscheinbare Bachübergang ist die Grenze zu unserem dritten Land. Willkommen in Litauen.






















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Flavia (Sonntag, 14 September 2025 03:50)
(F)latvia esch mer aso sehr sympathisch �
Gniesseds! �