Am schon sehr fortgeschrittenen Nachmittag machten wir uns auf den Weg Richtung Grenzübergang und übernachteten kurz danach auf einem doch eher schmuddeligen Glamping-Platz. Den Tag darauf machten wir uns auf um an der Küste Richtung Riga zu fahren. Ziemlich schnell mussten wir feststellen, dass der Euroveloweg hier ziemlich schlecht ausgebaut ist, sodass wir immer wieder alternative Routen finden mussten. Diese führten uns manchmal über wunderschöne (aber oft sau mühsame) Strandabschnitte oder an durchwachsenen Wanderwegen entlang. Auf dem Weg besuchten wir die Veczemju-Klippen. Wir bestaunten die wunderschönen, über Jahrtausende ausgewaschenen Klippen und machten währenddessen erste Bekanntschaften mit den lettischen Moskito-Attacken.
Als wir etwas später wieder ein paar Treppen überwinden mussten und dabei wieder zehn neue Mückenstiche aufsammelten, durchquerten wir einmal mehr eines der unzähligen Privatgrundstücke an der Küste. Manchmal hatten wir bei diesen abenteuerlichen Wegen einfach wirkliche keine bessere Wahl. Dabei machten wir unsere erste, richtig unangenehme Begegnung mit einem Hund. Wie gefesselt (oder äbe ned) sprintete er uns hinterher. Nur mit sehr lautem Anschreien und entschlossenen Trittbewegungen von Mattia in die Nähe seiner geifernden Schnauze liess er endlich locker.
Auch die Schlafplatzsuche gestaltete sich nicht unbedingt einfach, weil hier alle zugänglichen Plätze irgendwie privat sind. Auch die Begegnungen, die wir bisher mit Einheimischen hatten, waren irgendwie alle nicht so wirklich symphatisch. Viele zum Teil stark alkoholisierte Männer, die vor den jeweiligen Dorfläden herumtorkelten und wirres Zeug lallten, mussten wir beobachten. Dies gab einem nicht wirklich ein gutes Gefühl um unser Zelt einfach irgendwo aufzubauen, wo wir uns nicht ganz sicher fühlten. Ganz zu unserer Überraschung fanden wir dann doch noch einen wunderschönen Campingplatz der ganz symphatisch war. In Gesellschaft von einem anderen Radreisenden aus Frankreich fühlten wir uns gleich wieder viel wohler und genossen unsere wohlverdiente Schlafpause.
Als wir am nächsten Tag unsere Reise fortsetzten, fuhren wir schon bald an einem Dorffest vorbei, wobei die Letten das Ende der Sommerferien feierten. Wir erkundeten die Verkaufsstände und hörten uns die eher schlecht als rechten Vorträge der einheimischen Musikgruppen an, die uns so ziemlich zum schmunzeln brachten.
Bei der Routenwahl in Richtung Süden standen wir wie schon so oft zwischen der Qual der Wahl, viel Verkehr oder mühsame Strassen. Im Baltikum sind oft nur die Verkehrshauptachsen asphaltiert. Die anderen Strassen sind meist einfache Kieswege, die sehr anstrengend zum fahren sind. Weil der Verkehr aber auf den Haupachsen mit vielen Lastwagen derart unangenehm ist, wichen wir meistens auf die Kiesstrassen aus. Auf dem Weg passierte meistens nicht sehr viel. Die Landschaft ist meist ziemlich eintönig und man ist froh, wenn man ein etwas „grösser“ Ort mit einem Dorflädeli findet. Dort beobachteten wir leider, dass viele Leute, zum Teil schon Mittags mit einer Flasche Schnaps aus dem Geschäft kamen. Immerhin war es zum Glück in allen Fällen die wir beobachteten immer der Beifahrer. Trotzdem irgendwie wiedermal etwas einschüchternd. Nach ein bisschen Recherche fanden wir heraus, dass Lettland tatsächlich ein grosses Alkoholproblem hat. Seit August gibt es übrigens ein neues Gesetz… ab 1.5 Promille muss man das Auto für immer dem Staat abgeben ;)
Als der Abend anbricht machten wir einen netten Besuch in einem kleinen aber härzigen Fahrradmuseum, bevor wir im nahe gelegenen Wald einen sehr schönen Schlafplatz direkt am Strand fanden. Aber auch hier.. so zu 100% sicher fühlten wir uns irgendwie schon nicht. Wir freuten uns deshalb schon auf das wartende AirBnb und besseres Wetter in Riga am nächsten Tag.






























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