Direkt nach der Überfahrt von Muhu zurück aufs Festland, peilten wir den Besuch des nahegelegenen Moores an. Dies war absolut einen Abstecher wert. Die sorgfältig gestalteten Holzpfadwege schlängelten sich durch die eindrückliche Moorlandschaft. Diese Stille faszinierte uns so sehr, dass wir uns einige Minuten hinlegten und einfach lauschten. Auch der anschliessende Weitblick von einem Turm aus war beeindruckend. Natürlich konnten wir es nicht lassen, auf den schmalen Holzpfaden auch mal unsere Drahtesel zu satteln. Dies endete jedoch für Mattia mit einem nassen, jetzt etwas müffelnden Trekkingschuh und für Martina mit einem Hopser direkt ins Moor (zum Glück einen trockenen Abschnitt erwischt). An unserem nächsten RMK Platz erwartete uns eine schöne Abendstimmung mit viel Meeresrauschen.
Am nächsten Morgen hatte das Wetter bereits wieder umgeschlagen und wir rüsteten uns fürs wechselhafte estnische Wetter. Die Regenhosen und Schuhüberzüge zahlten sich fürs 1. Mal richtig aus. Sozusagen Warentest mit Bravour bestanden! Das Znacht gab es wetterbedingt im Schutz eines bedachten Picknickplatzes, bevor wir in einer ganz kurz trockenen Phase weiter aufbrachen zum vorgängig empfohlen bekommenen Campingplatz direkt in der nächstgelegenen grösseren Stadt Pärnu. Tatsächlich schlugen wir für diese Nacht unser Zelt neben 3 weiteren Bikepackern in einem Vorgarten einer Dame (von uns „Gschäftlimacherin“ genannt) auf. Da wir wussten, dass Sandra und Markus (unsere neugewonnenen Freunde vom letzten RMK-Platz) bereits auch schon in Pärnu waren, verabredeten wir uns auf einen Café. Doch nicht nur das, ganz zu unserer grössten Überraschung und Freude luden uns die Beiden, (sozusagen von Pfadfindern zu Pfadfindern) auf eine Hotelübernachtung im selben Hotel wie sie waren, ein. Dieses tolle Angebot konnten wir natürlich nicht ausschlagen und freuten uns riesig auf eine Dusche und ein richtiges Bett. Auch um ein plitschnasses Zelt zu trocknen eignet sich so ein Badezimmer übrigens auch super ;). So verwandelte sich unser gemütliches Hotelzimmer in nullkomma plötzlich in ein Chaos von auslüftenden und trocknenden Sachen. Nach dem Einpuffen im Zimmer und einem kurzen Hopser in den Hotelpool (ja es war schon eher frisch) machten wir uns zu Viert auf eine kleine Stadtrundfahrt per Velo. Markus als Reiseleiter voraus, wir hintendrein. ;) Die Ausfahrt brachte uns vorbei an die bekannte und stets belebte Strandpromenande von Pärnu. Aufgrund des Nieselregens und des inzwischen eingetroffenen Spätsommers (für die Esten eher schon Saisonende) waren wir jedoch fast die einzigen unterwegs. Um uns wieder Aufzuwärmen und etwas leckeres in unsere inzwischen sehr hungrig gewordenen Mägen zu bekommen, gingen wir fein auswärts Essen. Unsere bestellten Menüs waren sehr lecker gewesen. Als die Stadtrundfahrt wieder bei unserem Hotel endete, freuten wir uns auf eine heisse Dusche (natürlich zuerst das Zeltgehänge beseitigen, das inzwischen ganz zu unserer Freude wieder tiptop trocken war). Znacht assen wir alle zusammen unsere vorher eingekauftes „Café complet“ wie wir Schweizer sagen würden, ganz unkompliziert auf einem Tisch im Hotelgang. Am nächsten Morgen lockte uns die Sonne und das feinriechende Frühstücksbuffet aus den Federn. Mit vollgeschlagenen Bäuchen beseitigten wir unser Chaos im Hotelzimmer und packten alles wieder an seinen Platz in die Velotaschen. Unser letzter gemeinsamer Treffpunkt mit den beiden coolen Österreichern war das für Pärnu bekannte Café Supelsaksad in der Flaniermeile. In diesem liebevoll und farbig eingerichteten Cafe hiess es dann auch schon wieder Sandra und Markus Tschüss und Danke zu sagen und ihnen eine gute Heimreise zu wünschen. Wir fühlten uns so wohl in diesem Café auf dem gemütlichen Sofa, sodass wir weitere 5 Stunden mit Blog schreiben und heisser Schoggi trinken verbrachten.
Aufgrund des fortgeschrittenen Nachmittags entschieden wir uns in einem nahegelegenen Waldabschnitt zu Zelten. Kurz vor Aufbruch am nächsten Morgen kam eine ältere Dame auf uns zu, die gerade eifrig am Beeren und Pilze sammeln war. Sie war so nett, dass sie uns gleich ihre zwei prächtigsten Pilze und ein paar Preiselbeeren mit auf den Weg gab. Das Abendessen schmeckte uns mit diesen frischen Produkten dann natürlich so richtig gut! Kurz vor der lettischen Grenze verbrachten wir noch einmal einen letzten Abend auf estnischem Boden. Bei einem wunderschönen Sonnenuntergang an einem mindestens genau so schönen Strand, freuten wir uns sehr auf ein neues Land und all seine Abenteuer. Lettland, wir kommen! :)
































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Suzanne Schorro (Samstag, 30 August 2025 13:20)
Meine Lieben, ich habe schon länger nicht mehr geschrieben aber immer an euch gedacht. Besonders wenn ich den Wetterbericht studiere! Ich freue mich dass es euch gut geht und ich habe mich gefreut über alle Blogs. Ich habe Tränen gelacht ob der Beschreibung der polnischen Reisegruppe auf dem Leuchtturm. Ausserdem lerne ich dank eurer Velotour die verschiedenen Insel kennen und es freut mich, dass ihr immer wieder nette Begegnungen habt. Das kleine Häuschen mitten im Nirgendwo hat mir sehr gefallen und ein Detail ist mir auch aufgefallen: die Waschmaschine. Ich hoffe, das Velo-Wetter hält sich einigermassen, hier ist es auch merklich kühler geworden. Morgens auf dem Balkon Z'Mörgele ist auch vorbei. Euer italienische Kaffeekocher kommt euch sicher gelegen, mit einem guten Kaffee startet man den Tag viel dynamischer. Ich freue mich auf neue Berichte aus Lettland. Ich wünsche euch einen schönen und sonnigen Sonntag. Liebe Grüsse Susy