Insel Saaremaa

Nach der Überfahrt planten wir mit einem kleinen Ostseenickerchen im Nacken auf dem nahe gelegenen RMK Platz zu übernachten. Anders als sonst waren wir an diesem Tag ziemlich früh dran und hatten also Zeit um den kleinen aber feinen Hafen zu erkunden. Ein netter Hafenmitarbeiter zeigte uns die Hotelzimmer, die wir jedoch freundlich ablehnten. Seinen Tipp im Foodtruck nebenan das gute Fleisch zu probieren, schlugen wir aber nur ungerne aus. Nachdem wir uns ein kleines Bierchen genehmigt hatten, fragten wir uns wo die Inselbewohnenden hier wohl in den Ausgang gehen. Schliesslich war es ja Samstagabend und unsere Mäuler waren langsam schon etwas durstig… Nicht lange ging es und wir standen beim Hafenmitarbeiter von davor im Kämmerchen und er versuchte uns, eifrig auf der Tastatur herumirrend, eine Location zum Ausgehen zu finden. Wie sich herausstellte war dies wohl ein schwieriges Unterfangen hier auf der Insel. Er meinte, dass er sich höchstens in der Sauna ab und zu ein Bierchen genehmige. Trotzig und doch etwas durstig, machten wir uns also doch noch auf um zum nächsten Schlafplatz zu gelangen.

Den ganzen Tag schon war es ziemlich windig hier auf den Inseln. Weil wir aber Glück hatten und eine vom Wind geschützte Bucht fanden, schlugen wir unser Zelt diesmal ziemlich nahe am Wasser auf. Wir lieben es, wenn wir mit dem Rauschen der ankommenden Wellen einschlafen können. Leider hat uns diese Vorstellung des gemütlichen Einschlafens schnell verlassen, denn ein Gewitter zog auf und noch vor dem Znacht mussten wir uns in unser geliebtes Zelt verkriechen. Etwa 4 Minuten hat das Aussenzelt sicher den enormen Windböen standgehalten bis es plötzlich wie eine Flagge nur noch an einem Hering flatterte. Barfuss in den strömenden Regen hinausrennend um das Zelt wieder einigermassen wetterfest zu machen, kamen uns gleich wieder Pfadilagererinnerungen hoch. In der Nacht quälten wir uns mit der ständigen Angst, dass es uns noch einmal im strömenden Regen den Deckel lüpfen könnte. Obwohl wir kaum geschlafen hatten und bei jeder dritten Windböe wieder erschreckt aufwachten, fanden wir es im nachhinein auch ziemlich aufregend. Wie im Pfadilager halt… Weil unser Zelt die ganze Nacht tapfer den Böen standgehalten hatte, tauften wir es schliesslich auf den Namen Winkelried!

Nachdem sich das Wetter am Morgen beruhigt hatte, war erst einmal ausschlafen angesagt. Am Nachmittag machten wir dann einen Ausflug zu einem Windmühlen „Hügel“. Wir waren erstaunt, wie wenig es tatsächlich braucht um in Estland von einem Hügel zu sprechen. Auf jeden Fall hatte es auf dieser kleinen Erhebung genügend Platz und Wind um einige prächtige Mühlen zu bauen. Es war sehr interessant in diese produktiven Häuschen hineinzugehen und herauszufinden wie das früher so funktioniert hatte. Wir lernten viel über die Landwirtschaft und das Handwerk von damals im dazugehörigen Museum. Ausserdem probierten wir hier zum ersten Mal das legendäre Nationalgetränk Estlands namens „Kama“. Ein säuerliches Yogurtgetränk mit verschiedensten Getreiden und Nüssen. Wir begegneten diesem Produkt noch einige Male und wir liebten es jedes mal aufs Neue! Ursprünglich als säuerliches Getränk, ein andermal als Dessertcréme oder auch als Torte.

Nachdem wir am nächsten Morgen einen imposanten Meteoriten-Krater (110m Durchmesser) besucht hatten, radelten wir voller Vorfreude einmal quer durch die Insel. Warum unsere Freude derart gross war? Martina (die übrigens einen Bachelor im Fach AirBnb hat) buchte uns ein sehr härziges Häuschen am Waldrand mit Sauna. Wir wurden nicht enttäuscht, denn die Unterkunft entsprach total unseren Vorlieben. So sehr, dass wir direkt noch eine Nacht verlängert hatten und am nächsten Tag ein nahe gelegenes Wikingerdorf besuchten. Interessantes Volk diese Nordmännerinnen. Auch die traditionelle Wikingerküche (und leckeres Kama-Dessert) durfte nicht fehlen. Gegen Abend machten wir dann noch diverse Sticker-Upgrades an unseren Drahteseln. Die haben inzwischen übrigens auch sehr schöne Namen bekommen. Martinas Tretferrari heisst nun „Knirps“, Mattias Alugurke tauften wir „Blenker“. So genossen wir diese wunderbare Zeit in vollen Zügen und hatten nicht weniger als neun Mal die Sauna eingeheizt. Sehr entschweiss ..ääh.. entschleunigend!

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