Wilder Westen

Wir freuten uns sehr über die heisse Dusche und das bequeme Bett, wo ausschlafen ganz gut ging. Die lockenden Sonnenstrahlen waren klar ein Zeichen, unsere Erledigungen wie erneute Löcher des Mättelis identifizieren, Handwäsche und Velopflege draussen zu machen. So ging der Nachmittag schnell vorbei und wir wurden hungrig auf die leckere Pizza von gestern in dem kleinen Schuppen unweit des Hostels. Doch aus uns unerklärlichen Gründen, standen wir vor verschlossenen Türen. Na gut, dann gehts auf weitere Pizzeriasuche. Wir wurden glücklicherweise fündig, bevor das Hungerloch allzugross wurde. Zurück im Hostel gings schon bald unter die warme Bettdecke, um nochmals genug Energie zu tanken, um den bevorstehenden Hügeln gewappnet zu sein. Nach einem reichhaltigen Zmorge draussen vor dem Hostel, waren wir bereit für die hügelige, aber wunderschöne Küstenstrasse. 

Sie schlängelte sich zuerst mit angemessener Steigung die Hügel hoch, bis uns der eine Abschnitt alles abverlangte. Die steile Strasse wollte und wollte nicht enden… Ziemlich ausgepowert erreichten wir aber dann mit einer rasanten Abfahrt unser Tasgesziel, die wunderschöne Bucht Cala Domestica. In Empfang genommen wurden wir von über 10 doch eher scheuen Strassenbüsis und einigen bereits stehenden Campern. Flink wie wir sind mit unseren Fahrrrädern, schlängelten wir uns jedoch etwas abseits des Parkplatzes auf eine super geeignete Wiese. Windgeschützt von einem Busch, dem Hang und einer Ruine, direkt neben einer wunderbaren Blumenwiese. Wir warteten noch mit dem Aufstellen unseres Schlafgemachs und erkundeten zuerst die Umgebung. Durch einen kleinen Tunnel konnten wir die kleine Nebenbucht erreichen und genossen da den Blick auf die hereinrauschenden Wellen. 

Als das Zelt an diesem hübschen Ort dann aufgestellt war, mussten wir nur noch kochen und anschliessend ab in den Schlafsack. 

Die Nacht war angenehm und da die Wettervorhersage für den Tag gleich mit Regen startete, genossen wir noch eine Weile im trockenen Zelt mit Skirennen schauen. Als der Regenschauer vorbei war, packten wir zusammen und starteten unsere Tagesetappe. Die Route führte uns schlängelnd oberhalb der Küste entlang mit wunderbarem Ausblick aufs Meer und die Hügel im Landesinnern. Auch führte der Weg an vielen Überbleibsel der Zeit des Minenbaus vorbei. Die Ruinen der Fabriken, stillgelegte Bahntrassen und Stollen erinnern an das einst geschäftige Treiben dieses Industriezweiges. 

Wir hatten für diese Nacht eine Picknickstelle in einem Waldabschnitt im Kopf zum übernachten. Als wir jedoch da ankamen, zeigte ein Verbotsschild deutlich, dass hier Campieren eigentlich verboten wäre… Wir überlegten hin und her, als uns zwei junge Wanderinnen des dort bekannten Cammino Minerario di Santa Barbara Weitwanderweges entgegen kamen. Wir plauderten kurz und erfragten auch noch ihre Meinung was sie denken. Die eine hatte in der Hochsaison schon einmal hier übernachtet, da sie sich aber nicht wirklich im hinteren Teil des Waldes versteckte, wurde sie am Morgen von der Polizei aufgefordert, den Platz zu verlassen. Uns kam einmal mehr die Nebensaison zu Gute und so getrauten wir uns, etwas versteckt inmitten des Waldes das Zelt aufzuschlagen. Obwohl die Nacht sehr ruhig war, war es nicht das gleich wohlige Gefühl, an einem Platz zu sein, wo man eigentlich nicht erwünscht ist. Als wir jedoch am Morgen bei Zeiten wieder aufbrachen, entdeckten wir ein weiteres Zelt im vorderen Teil des Waldes mit einem freundlich winkenden Outdoorer. So waren wir also gar nicht die einzigen, die es wagten da zu übernachten. :) 

Fürs Zmorge planten wir ein wenig zurück zu fahren an den schönen Strand. Nach dem Frühstücken wagte sich Mattia doch kurzerhand schon in die Badehosen, da das wunderbar klare Wasser schon sehr lockte. Doch die Temperaturen des Meerwassers und der Luft um 09:00 Uhr morgens war dann doch etwas zu kühl! Aber für die Füsse reichte es schon mal ;). 

Für den Einkauf fuhren wir ins nahegelegene Fluminimaggiore und deckten uns ordentlich mit Wasser, Snacks und Grundnahrungsmitteln ein. Denn uns stand der Passo Bidderdi bevor, bei dem wir von Meereshöhe auf 492 m.ü. M. krackseln müssen. Zum Glück meinten es die Serpentinen mit machbaren Steigungen gut mit uns und wir wurden mit einem tollen Weitblick bis zurück aufs Meer belohnt. 

Danach folgte die wohlverdiente Abfahrt. Diese führte uns an Schafherden vorbei, durch Waldabschnitte mit den speziellen Korkeichen und schliesslich durch das einst pulsierende Bergbauzentrum Ingurtosu. Schon faszinierend dieses leerstehende Geisterdorf, doch so ganz einladend um daneben zu Zelten wars dann auch nicht. So fuhren wir noch weiter auf der Suche nach einem geeigneten Platz.

Da wir gar nicht so viele Optionen hatten aufgrund des angesagten Windes, entschieden wir uns für ein Plätzchen neben der Strasse, etwas verdeckt hinter einer Hecke. Da auch mässiger Regen für die ganze Nacht gemeldet war, begutachteten wir besonders den Boden und empfanden ihn als geeignet für die bevorstehende, regenreiche Nacht. Da der Regen ungefähr ab 18:00 Uhr gemeldet war, kochten wir bereits früher um im Trocknen essen zu können. Soweit alles nach Plan geklappt, es fängt leicht an zu Regnen als wir bereits in den Schlafsack geschlüpft sind. Doch dann kam es anders als erhofft.. Aus dem angesagten mässigen Regen wurde plötzlich eine Front von Starkregen mit Hagel. Innert einigen Minuten kam wohl so viel Wasser vom Himmel, wie der Boden nicht aufnehmen konnte. Bei einem kurzen Kontrollblick ins Vorzelt dann die böse Überraschung! Wir wurden geflutet! Die Sachen im Vorzelt standen bereits fast 3 cm im Wasser und die Mätteli verwandelten sich an einigen Stellen zu schwimmenden Luftmatratzen. Ojee, schnell retten was unbedingt trocken bleiben sollte. Schlafsack und Kleider rasch in die wasserdichten Velotaschen und Lagebesprechung. Wir entschieden uns einen Anruf in den nahegelegenen Camping zu machen, um dort für eine Notunterkunft zu fragen. Wir schilderten der Dame am anderen Ende unsere unerwartete, missliche Lage und wurden von ihr aber leider total im Stich gelassen und abgewiesen. Hätten wir uns am Nachmittag vorangemeldet, wäre es gegangen, aber so kann sie uns aus Sicherheitsgründen nicht auf den Platz lassen. Was für eine dumme Nuss, dachten wir uns nur und so musste eine andere Lösung gefunden werden. Aus unseren Pfadilager-Erfahrungen kam die spontane Idee von Gräben graben. Mit Kackschüfeli, Unterhosen und Regenjacke ausgerüstet, wagte sich Mattia in den Starkregen und buddelte was das Zeug hält. Sein ausgeklügeltes Grabenbausystem hat uns gerettet! Der Rest der Nacht überstanden wir ohne weitere nasse Füsse zu kriegen. Nicht ganz so erholt wie sonst, standen wir am Morgen auf und freuten uns über die wärmenden Sonnenstrahlen zum Trocknen aller nassgewordenen Sachen. Die Sonne meinte es gut mit uns und nach knapp einer Stunde Auslegeornung aller Materialien war alles wieder trocken.

Mit den bepackten Drahteseln brachen wir in Richtung Meer auf, wo die Besichtigung der grossen Dünen, den Piscinas, angesagt war. Der Abstecher hat sich sehr gelohnt! Uns bat sich ein wunderbarer Blick auf die Dünen und die wilden Wellen davor. Und wir wurden auch noch zu Helfenden bei einer älteren Dame, welche sich mit ihrem Auto in den Sand festgefahren hatte. Doch mit unserem kräftigen Anstossen schaffte sie es wieder hinaus. 

Nach dem Besuch der Dünen wussten wir von der Routenplanung über Komoot, dass uns noch eine kleine Bachüberquerung bevorstand. Doch aus dem normalerweise unscheinbarem Bächlein wurde durch die Regenmassen der letzten Nacht ein doch etwas grösserer Bach. Mit dem bepackten Fahrrad unmöglich rüber zu kommen. So hiess es nun, alle Taschen einzeln und die unbeladenen Fahrräder hinüber tragen. Wir schafften es ohne einen ungewollten Ausrutscher trocken ans andere Ufer. Als kurz darauf ein Jeep mit voller Kraft durch die Wassermassen fuhr und auch nur gerade so knapp durchkam, waren wir umso mehr froh schon drüben zu sein. Der Fahrer des Jeeps kam kurz zu uns rüber und erzählte noch, das ein weiterer, aber kleinerer Bach auf unsere Überquerung wartet. Na gut, dann halt später nochmals, dachten wir uns. Beim besagten, zweiten Bach angekommen, war der aber leider nicht viel kleiner als der vorherige, wenn man dies aus der Sicht eines Fahrradfahrenden betrachtet. Diesmal war der Fluss etwas weniger tief, aber ungewöhnlich rot-braun gefärbt. Die unscheinbare Tafel mit dem Vermerk „Be careful of your Health because of the Mud“ haben wir zwar gesehen, wussten aber aufgrund eines Funklochs nicht, was es genau auf sich hat. Wir gaben uns Mühe so rasch wie möglich und ohne Schlamm aufzuwirbeln auf die anderen Seite zu kommen. Wie sich im nachhinein bei unseren Recherchen herausstellte, ist dieser Fluss mit Altlasten des vor über 40 Jahren eingestellten Minenbaus kontaminiert… Anscheinend werden verschiedene Schwermetalle vorallem im Schlamm gespeichert und bei starken Regenfällen besonders intensiv mit dem Wasser weggespült. Mit diesem weniger guten Gefühl wuschen wir uns später am Meer die Füsse besonders gut mit Seife und hoffen auf keine gesundheitlichen Folgen. Aber bis jetzt Entwarnung, wir haben keine Symptome wahrgenommen. 

Ziemlich erschöpft von all den Ereignissen der letzten Tage, fanden wir direkt am Meer einen entspannten Platz um unser Zelt aufzuschlagen. Es tat gut, einfach mal etwas früher an einem Platz anzukommen, noch gemütlich den Wellen zuschauen und noch im Hellen zu kochen. So endete dieser Abend schon bald mit einem schönen Sonnenuntergang. Am nächsten Morgen genossen wir den Bialettikaffee mit Meerblick, währendessen unbemerkt unser trocknendes Zelt über die Büsche davonflog. Wir merkten das Missgeschick erst, als wir einen Blick weg vom Kaffee am Meer machten und im Blickwinkel etwas rot-weisses entdeckten. So schnell sah man Martina noch nie durch die Büsche rennen. Doch alles gut, wir bekamen es unversehrt zurück. Mit neuer Energie starteten wir am nächsten Tag in den hügeligen Abschnitt bis nach Oristano, wo wir für 3 Nächte eine Unterkunft gebucht haben. Wir freuten uns schon jetzt auf die heisse Dusche, die Waschmaschine und ein Bett. 

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