Nach den erholsamen Tagen im Wald hatten wir nun wieder richtig Lust um weiter zu kommen und die Küste Sardiniens zu erkunden. Schon bald fuhren wir an einer schönen Küstenstrasse entlang und fühlten uns trotz eher tristem Wetter sehr gut. Die verkehrsarme Strasse ging immer rauf und runter und bescherte uns einige wunderbare Blicke über die herrliche Küste und die vielen Wachtürme aus früheren Zeiten.
Weil für heute Nacht extrem viel Wind angesagt war und es morgen den ganzen Tag regnen sollte, entschieden wir uns dazu für zwei Nächte auf einen Camping zu flüchten. Da gäbe es bestimmt einen windgeschützten Platz dachten wir uns. Der Besitzer des Platzes war aber eher kompliziert und verweiste uns trotz mehrmaliger Nachfrage an einen Platz, den wir ehrlichgesagt nicht so wirklich als windgeschützt empfanden. Als wir dann nach einer lauten Nacht mit eher nicht so erholsamen Schlaf aufwachten, wussten wir immerhin was unser Zelt "Winkelried" so aushalten kann. 70 km/h Wind scheint kein Problem für ihn zu sein, was uns aufgrund der Windprognosen der nächsten Wochen schon etwas beruhigte.
Denn doch nicht so regnerischen Pausentag verbrachten wir mit Flamingos beobachten und Strandbesuch, bevor wir eine weitere Nacht auf dem Campingplatz verbrachten und uns insgeheim schon wieder auf einen einsamen Platz in der Natur freuten.
Endlich meinte es das Wetter auch auf Sardinien gut mit uns und nach einigen Tagen dicken Wolken kam die Sonne hervor. Plan für heute war es auf die kleine Insel Sant'Antioco zu fahren, die über einen Damm mit Sardinien verbunden ist. In der ersten Hälfte des Tages genossen wir herrlichen Rückenwind, waren uns aber bewusst, dass wir in der zweiten Hälfte des Tages weniger Glück haben werden.
Am Strassenrand sahen wir immer wieder wilde Spargeln aus dem Boden spriessen. Als wir dann auf dem Damm und somit auf einem herrlichen Fahrradweg ankamen, hinderte uns nichts mehr daran, die köstlichen Pflanzen zu pflücken und wir freuten uns schon jetzt auf ein feines Spargelrisotto am Abend.
Nach einer ausgiebigen Mittagspause, fuhren wir den schmalen Strassen der Insel entlang und genossen die ruhige Atmosphäre und die angenehmen Temperaturen, bis wir am späteren Nachmittag schliesslich an der Ostküste der Insel, mit ihren wunderschönen Buchten und Klippen, ankamen. Obwohl es hier eigentlich unzählige Plätze gäbe um unser Zelt aufzuschlagen, beanspruchte die Zeltplatzsuche aufgrund des Windes diesmal etwas mehr Zeit. Daran müssen wir uns wohl gewöhnen... ;) Wir fanden aber einen super geschützten Platz mit wunderbarem Blick auf die raue Küste. Perfekter Ort also, um unser lecker Safran-Spargel Risotto zu rühren! :)
Auch am nächsten Morgen verzauberte uns der schöne Ausblick auf die Küste. Dies nutzten wir gleich um zur Feier des Tages wieder einmal Porridge zu machen. Zum Anfang unserer Reise war das eigentlich noch unsere morgendliche Hauptspeise. Wahrscheinlich aus Faulheit wurde dieses Menu aber gekonnt ignoriert. Heute war es aber an der Zeit, die Haferflocken die wir seit Polen mit uns rumtragen definitiv aufzubrauchen ;)
Gestärkt fuhren wir der Küste nach bis in den Norden der Insel. Hier befindet sich das Örtchen "Calasetta" von wo uns die Fähre zur nächsten Insel "Isola di San Pietro" bringen wird. Der Ort erscheint ganz in weiss und ist in einem strengen Raster angelegt. Irgendwie ganz anders als die bisherigen Orte der Insel. Es erinnerte uns etwas an einige Orte in Apulien im Süden Italiens die wir einige Wochen zuvor besucht hatten.
Nach einer kurzen Überfahrt kamen wir im süssen Städtchen "Carloforte" an. Der Ort der auch für seinen Thunfisch bekannt ist, sparten wir uns für den nächsten Tag auf, und fuhren erstmal etwas in den Süden der Insel um einen Schlafplatz ausfindig zu machen. Auch heute war der Wind eine Challenge, aber wir fanden einen geeigneten Platz hinter einer schützenden Hecke mit direktem Blick in die wilde Bucht. Wunderschöne Felder direkt neben dem Meer und den wilden Felsen. Herrlich! Und das beste daran: viiiele wilde Spargeln zum pflücken. Weil wir uns zuvor beim Einkauf für den inseltypischen Rotwein und gegen den Thunfisch entschieden hatten, gab dies einen super Apero, welchen wir in der Abendsonne genossen. Um den luxuriösen Clamping-Abend noch etwas abzurunden, kochten wir superfeine Spaghetti Carbonara welche in der Dunkelheit rasch vernascht wurden.
Auch das Morgenessen am nächsten Morgen war fast schon ein kulinarisches Highlight. In der wärmenden Morgensonne genossen wir also frisch gepressten Orangensaft, Rührei und weitere Leckereien bevor wir uns der Küste entlang auf den Weg in Richtung Carloforte machten. Einige Flamingos waren auch hier wieder anzutreffen und wir bewunderten einmal mehr die interessanten Vögel. Als wir auf der Piazza in Carloforte ankamen fühlten wir uns direkt wohl. Der Platz war voller leben und Einheimischen die mit ihren Familien das schöne Wetter genossen. Trotz Tourismus scheinen hier immer noch viele Menschen zu leben. Einen Anblick den wir in solch schönen Städchen auf unserer Reise sonst viel vermisst haben! Der Ort und die Insel haben historisch einen starken tunesischen Einfluss, was man heute vorallem an der Sprache merkt. Der Dialekt ist sehr ausgeprägt und hat angeblich wenig mit dem sardischen Dialekt gemeinsam. Auch an den schönen Strassenschildern kann man immer wieder Zeichen erkennen, die es im Italienischen eigentlich gar nicht gibt wie z.B. ein "Ë".
Wir schlenderten einige Stunden durch die hübschen Gassen und tranken Kaffees, bevor wir mit der Fähre wieder nach Sardinien tuckerten.
Für den Abend fuhren wir einige Kilometer an das "Capo Altano", welches quasi der südwestliche Zipfel Sardiniens ist. Der Blick in Richtung Norden mit der wilden Küste ist beeindruckend. Auch hier waren wir aufgrund des Windes wieder einmal ziemlich wählerisch was den Schlafspot angeht. Eigentlich aber ein Luxusproblem, denn wir hatten wahrscheindlich noch nie so viele Möglichkeiten unser Zelt aufzustellen wie in Sardinien. Die Nächte sind in der Regel extrem ruhig (Vorausgesetzt man ist vom Wind geschützt) und man wird von herrlichem Vogelgezwitscher geweckt. Was will man mehr... Vor dem Schlafengehen konnten wir ausserdem sogar wieder zwei Steinkauze hören und für einen kurzen Zeitraum sogar sehen. Ein seltener Anblick!
So schön es auch ist draussen in der Natur zu sein, es braucht auch viel Energie jeden Tag wieder nach einem Schlafplatz zu suchen und dem Wetter ausgesetzt zu sein. Nach dem morgendlichen Bialetti Kaffee mit einem herrlichen Ausblick auf die Küste, machten wir uns also auf den Weg um in der nächsten Ortschaft in einem Hostel einzuchecken und den Tank wieder aufzufüllen :)




























































































































Kommentar schreiben