Rund um Cagliari

Nach Erholung sehnend hofften wir auf einen geeigneten Schlafplatz auf der Fähre und wir wurden fündig. Eine ruhige Ecke im Bereich des Self-Servie Restaurants mit komfortablen Sitzbänken. Wir breiteten unsere Schlafsäcke aus und versanken schon bald tief darin. Mit nur wenigen, kurzen Wachmomenten wurde es Morgen und die Sonne blinzelte uns durch die Fenster zu. Gemütlich zusammenpacken und hoch aufs Deck zum Frühstücken war unser Plan. Da trafen wir auch Georgi wieder und gemeinsam wurde gefrühstückt und über die möglichen Routen in Sardinien geplaudert. Schon bald war die schöne Stadtsilouette von Cagliari zu sehen und wie freuten uns schon auf ein gemeinsames Kaffee an der Sonne. Wir fanden ein perfektes Plätzchen neben der Promenade und schlürften den wohlverdienten Kaffee, um uns für den kommenden Tag zu stärken. Georgi hat sich bereits eine Unterkunft gebucht, wir waren noch etwas unschlüssig ob wir den empfohlenen Wildcampingspot den Hügel hoch wirklich auf uns nehmen wollten oder nicht. Zuerst mal ein bisschen die schönen Gassen von Cagliari erkunden, dachten wir uns. So schlenderten wir gemütlich und mit etwas müden Beinen von der Fährenacht etwas hoch in die Stadt, um die Aussicht über die Dächer der Stadt zu geniessen. Weit hoch kamen wir jedoch nicht, als gleich um die Ecke zwei Fahrradreisende bogen. Immer etwas besonderes, wenn man Gleichgesinnte trifft. Nach eifrigem Austausch entschieden wir uns, doch gleich zusammen Mittagessen zu gehen. Ihre Idee mit Indisch essen gehen gefiel uns, denn das haben wir bisher auf der ganzen Reise noch nicht gemacht. So düsten wir zu Viert wieder die Gassen runter zum Inder. Wir asssen leckeres Curry mit Naan und Aloo Gobi Masala und plauderten weiter. Für Max und Corinna wurde es bald Zeit, weiter zum Fährehafen zu gehen, um über nacht auf Sizilien zu überschiffen. Und für uns wurde es Zeit, eine Unterkunft zu finden. Nach einer Absage wurden wir dann aber glücklicherweise doch noch fündig und konnten unsere Velos sogar heimlich via Lift ins Zimmer schmuggeln. Vor dem einsetzen der Dämmerung lockte es uns nochmals raus um den oberen Altstadtteil zu erkunden. Uns gefiel die ruhige, gemütliche Atmosphäre nach dem überfüllten und stressigen Napoli sehr. Nach dem abendlichen Spaziergang landeten wir einmal mehr in einem kleinen Pizza to go Lokal und genossen wieder zurück in der Unterkunft die leckeren Pizzen.

Am nächsten Morgen sattelten wir unsere Velos wieder und erkundeten noch ein wenig den Rest der schönen Stadt Cagliari. Vorbei an schönen Gebäuden, Türmen und sogar einem erstaunlich gut erhaltenen Amphitheater führte uns die Route aus der Stadt hinaus. Kaum aus der Stadt raus, fuhren wir im nächsten Dorf mitten in ein weiteres Fasnachtstreiben hinein. So ein Dorfanlass konnten wir uns schlecht entgehen lassen unde schlenderten zuerst an allen bereits eingereihten Umzugswägen vorbei. Einmal mehr sehr schöne Sujets und überall unglaublich laute Musik aus den Wägen. Wir fragten die Einheimischen, wann denn der Umzug starten wird. Schon etwas schmunzelnd sagten sie, auf dem Programm stehe 15:00 Uhr, aber sie rechnen eher mit 15:30 Uhr. Na gut, so eine halbe Stunde warten können wir uns noch gönnen, denn die Sonne geht zum Glück ja nicht mehr um 16:00 Uhr unter. So langsam füllte sich der Strassenrand mit Einheimischen und wir mischten uns samt Velos auch dazwischen. Natürlich war auch um 15:45 noch kein einziger Umzugswagen um die Ecke gekommen. Hmmm, na gut, so eine Stunde Verspätung kann ja auch mal passieren hier mit dem italienischen Flair. Noch eine weitere halbe Stunde später, also um 16:30 wurden wir schon langsam etwas nervös, denn allzulange Zeit zum Warten hatten wir aufgrund der anschliessenden Zeltplatzsuche ja nicht mehr… Endlich, kurz nach halb 5 setzen sich die ersten Formationen in Bewegung. Die Dorf-Guggenmusik konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen, doch ganz zu unserem erstaunen mussten wir fast schon die Ohren spitzen, um etwas zu hören. So eine leise und schüchtern wirkende Guggenmusik sind wir uns nun gar nicht gewöhnt! ;) Danach folgten mehrere Formationen mit ursprünglich sardischen Traditionen. Das interessierte uns natürlich besonders, für das hat sich das lange Warten doch noch gelohnt. 

Nun ein kurzer Exkurs, um die Bräuche etwas besser zu verstehen. 

Es war ein wildes Treiben aus verschiedensten Kämpfen zwischen felligen Tieren mit und ohne Hörnern und deren Aufpassern, welche mit Glocken, Fell und schwarz geschminkten Gesichtern und Masken verkleidet waren. Diese Gestalten sind tief in der Geschichte Sardiniens verwurzelt, oft um den Winter zu vertreiben oder den Frühling zu begrüssen. Es dient auch als Symbol für das Miteinander von Mensch und Tier, und für den Kampf zwischen Gut und Böse.

Wir waren fasziniert von den Klängen der vielen Glocken, welche klein und gross in einem Kreis rhythmisch schüttelten und mit Stolz trugen. Nach den etwas düster wirkenden Formationen kamen die vielen, sehr farbenfrohen Wagen. Leider konnten wir aus zeitlichen Gründen nur noch einige wenige schauen, dann mussten wir wirklich los um bei etwas Tageslicht noch einen Unterschlupf zu finden. 

Wir peilten einen Platz neben einer Kapelle an, der etwas windgeschützt war und praktische Picknicktische hatte. Kurz vor stockdunkel stellten wir das Zelt auf und kochten Abendessen. Dabei huschte immer wieder einmal ein ganz scheuer Strassenhund und einige Büsis um uns herum. Nach einer mehr oder weniger erholsamen Nacht machten eir uns nach dem Frühstück noch ans Schlauch flicken, um für die nächsten Platten gerüstet zu sein. In Italien ist der Plattencounter durch die vielen Glasscherben nämlich erheblich gestiegen. Vorbei an kleinen Dörfern mit schönen Wandmalereien gings mit einem kurzen Abstecher an den Strand und weiter in einen langersehnten Waldabschnitt. Die Einfahrt in den Wald machte uns grosse Hoffnung auf einen schönen Wildzeltplatz, den es roch unglaublich gut und wir hörten schon von weitem einen kleinen Bach rauschen. 

Und da war er nun, der perfekte Zeltplatz neben Tischgarnitur, wunderschönem Bach und einer Feuerstelle. Wir freuten uns schon auf das geplante Znacht, denn es gab „Ghackets mit Hörndli.“ Juhuui endlich mal wieder genug Holz und Trockenheit um ein richtiges Feuer zu machen. Mit gemütlicher Lagerfeuerstimmung liessen wir den Abend ausklingen. Die Nacht war sehr ruhig und angenehm und wir freuten uns auf einen gelassenen Pausentag mit einem Kaffeebesuch im nicht weit entfernten Dorf um mal wieder eine grosse Runde Blogeinträge nachzuschreiben. Nach dem Kaffeebesuch und dem Tageseinkauf gings mit einer kurzen Runde an den wilden und windigen Strand wieder zurück in den windstillen Waldplatz. Es war das erste Mal, dass wir mit gutem Gefühl trauten, das Zelt alleine stehen zu lassen und mit den Velos ohne Gepäck wegzudüsen. Den Grillabend mit leckeren Wurst-Gemüsespiessli haben wir uns nach diesem Büro-Erledigungstag verdient! Wir genossen es so sehr an diesem Platz zu sein, wo es auch die vorbeigehenden Jogger und Spazierenden gar nicht störte, entschieden wir noch eine weitere Nacht zu verlängern. Die beste Entscheidung, denn so hatten wir nochmals richtig Zeit um eine Handwäsche im Bach zu machen, den Vögeln (inklusive Steinkauz) zuzuhören und die Feuerstelle nochmals richtig auszukosten. So gab es am Abend einen richtig gelungenen Hamburger auf improvisierten Grillrost. Mmmhm war der lecker! Und zum Dessert durfte natürlich eine Schoggibanane und ein Ichnusa nicht fehlen. Wir genossen noch die letzte, sehr ruhige und entspannte Nacht an diesem wunderbaren Ort. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0