Als wir in Potenza ankamen, machten wir uns gleich auf die Suche nach unserer Unterkunft. Juhuui, es war mal wieder ein Glücksgriff, denn das „Hostel“ mit nur 2 Zimmern ging ebenerdig rein und hatte sogar einen kleinen Eingangsbereich mit einer Kaffeemaschine und Leckereien. Nach dem Einpuffen lockte uns der Hunger nochmals nach draussen, um eine leckere Pizza zu essen. Unseren müden Beinen nach, durfte es nicht mehr allzuweit weg sein und wir wurden beim Lokal „ Pulcinella“ fündig. Wir wurden herzlich willkommen geheissen und kamen rasch ins Gespräch. Da wir vom Carneval in Putignano schwärmten, verschwand der Pizzaiolo kurzerhand ins Hinterräumchen und kam verkleidet mit der traditionellen Pucinella-Maske wieder hervor. Da musste natürlich ein gemeinsames Foto geschossen werden. ;) Sie offerierten uns sogar noch leckere Spezialitäten dieser Region, welche gerade noch so einen Platz im Bauch gefunden haben. Mit vollem Bauch und langem Plaudern (es wurde inzwischen richtig laut und geschäftig in diesem kleinen Lokal, da noch andere Gäste hineinkamen) verabschiedeten wir uns wieder von diesem herzlichen Pizzeriateam.
Am nächsten Morgen besuchten wir das süsse Kaffee direkt neben der gestrig besuchten Pizzeria und erhielten sehr leckeren Kaffee und gute Gesellschaft. Anschliessend gings weiter mit dem Besuch unseres ersten Waschsalons auf dieser Reise. Leider fehlte die erhoffte Kaffeemaschine, aber das Feeling mit gemütlich auf die Wäsche warten, um sie anschliessend in den Tumbler schmeissen zu können, hat schon was. Wir vertrieben uns die Zeit mit etwas Blogschreiben und Olympia schauen.
Als die frischgewaschene Wäsche zurück im Hostel war, entschieden wir uns für einen Spaziergang in die Altstadt. Es ging ordentlich hoch hinauf, aber für einen Kaffee und anschliessendes Mc Donalds Menü, machten wir das natürlich gerne. Den Abend ausklingen liessen wir in einem gemütlichen Pub bei einem Campari Soda und Spiele spielen.
Am nächsten Morgen war Aufbruchsstimmung angesagt und vor der definitiven Abfahrt durfte ein Kaffee in dem süssen Lokal vom Vortag nicht fehlen. Auch da hatten wir wieder tolle Gesellschaft, diesmal von 2 Clowns, welche Martina ganz zur Freude von Mattia ein Ballonherz schenkten. Das wurde natürlich gleich an der Front-Velotasche installiert, sodass alle meinten wir zelebrierten den Valentinstag oder seien frisch verheiratet. ;) Mit neuer Frische gings los mit unserem Plan ins doch höher gelegene Satriano di Lucania zu fahren, um dort eine weitere italienische Fasnacht zu erleben. Wir wussten aus Internetrecherchen, dass an diesem Wochenende zwei typische Carnevalbräuche stattfinden. Am Samstag werden die Geschlechterrollen getauscht und auch so verkleidet und geheiratet, am Sonntag verwandeln sich die Menschen in Bäume und stapfen durch die Gassen. Diese Traditionen wollten wir uns nicht entgehen lassen. Nach vielen Höhenmetern hoch und runter erreichten wir die Höhe mit wunderbarem Ausblick auf eine Burgruine und das finale Dorf Satriano. Nun folgte die eigentliche Aufgabe mit der Zeltplatzsuche. Bei der Abfahrt fuhren wir an einem vorher herausgesuchten Bed and Breakfast vorbei, wo der Besitzer Antonio gerade im Garten war. So konnten wir ihn gleich fragen, ob er einen geeigneten Platz weiss. Es stellte sich heraus, dass Antonio höchstpersönlich im Fasnachtskomitee dabei ist und uns kurzerhand einen Platz neben der Zivilschutzanlage im Dorfeingang sicherte. Perfekt, so stand unserem Fasnachtsbesuch nichts mehr im Weg. Wir rollten freudig bis zur besagten Zivilschutzanlage und fanden da auf der Wiese zuvor ein super Plätzli. Nach dem Abendessen kochen nutzen wir die Chance auf ein FüBi in der nahegelegenen Bar namens Crazy Horse. Etwas verrückt war tatsächlich die Einrichtung und auch etwas die Besitzer. ;) Nach dem Schlummerbier wartete bereits unsere Schlafsäcke auf uns.
Nach einer ruhigen Nacht und morgendlichem Überraschungsbesuch von einer Horde Schafen waren wir nun bereit uns unter die fasnachtsverrückte Dorfgesellschaft zu mischen. Es brauchte schon etwas Mut unsererseits, uns in den Rollentausch zu wagen uns unsere improvisierte Kleidung zu tragen. Doch für den Rundlauf durchs Dorf, bei dem an verschiedenen Halten eine Theaterszene gespielt wurde, passte es irgendwie ganz gut. Das wilde Treiben ist schwierig zu beschreiben, hier helfen die Fotos bestimmt. Auch einen kurzen Abstecher ins Festzelt wagten wir, doch da wurde es uns dann nach einiger Zeit etwas zu laut und zu bunt, so schlenderten wir den Rest des Nachmittags noch durch die Gassen und bestaunten einige der über 400 vorhandenen Wandbilder in diesem kleinen Ort. Fürs Znacht gönnten wir uns das Aufwärmen in der Pizzeria und genossen eine ausserordentlich leckere Pizza. Aufgewärmt ging es dann müde von den vielen Eindrücken zurück ins Zelt.
Am nächsten Morgen gingen wir mit gepackten Velos nochmals ins Dorf, mit der Hoffnung einer der verkleideten Baumgestalten anzutreffen. Und wir hatten auch noch ein Treffen mit einem am Vorabend angetroffenen Päärchen, welches einen Workshop für Masken basteln anbot. Dies liessen wir uns natürlich nicht 2x sagen und landeten einmal mehr in mitten der Dorfbevölkerung beim eifrigen basteln. Die Waldmasken wurden wunderschön und fanden sogar einen Platz an Helm und Fahrrad. Wir genossen die Zeit sehr und bedankten uns herzlich für die Einladung. Dann hiess es auch schon wieder Tschüss sagen, denn wir wollten für die nächsten Nächte im Zelt etwas in tiefere Lagen kommen, um der nächtlichen Kälte etwas zu entfliehen.
So fuhren wir entlang einer eindrücklichen Schlucht bis ins Dorf Vietri di Potenza. Dort wollten wir uns in einem Kaffee aufwärmen und uns etwas für die Weiterfahrt stärken. Doch es kam anders als gedacht. Wir wurden im regen Treiben (eifriges Kartenspielen, Flippern, Ping Pong spielen) der Bar herzlich aufgenommen und erhielten von einem anderen Gast die Einladung, sonst bei ihm im Haus zu übernachten. Wir sollen es uns doch überlegen und falls es passt, einfach die Strasse etwas zurück gehen und beim ersten Haus links vorbeischauen. Da er leicht betrunken wirkte, fragten wir beim Barkeeper nach, ob er ein guter Typ sei. Dieser bestätigte dies und somit entschieden wir uns aufzubrechen und seiner Einladung zu folgen. Gerade als wir aus der Bar kamen, hielt ein Auto und ein älterer Herr stieg aus und fragte uns direkt auf Englisch, woher wir kommen. Bevor wir antworten wollten, entdeckten wir auf seinem Pullover die Aufschrift „sunnyge Hof”. Natüürli us de Schwiiz ond du?, war unsere spontane Antwort. Jetzt wurde sein Grinsen im Gesicht noch grösser denn vor uns stand der Italoschweizer Vito höchstpersönlich. Spontan lud auch er uns ein, bei ihm zu übernachten. Aber zuerst musste auf diese Begegnung natürlich angestossen werden und Vito lud uns auf mehrere Campari Sodas ein. Nach viel Plaudern und einigen weiteren Biere seinerseits, meinte er, er wolle kurz einen Kollegen organisieren, welcher unser Gepäck mit dem Auto den Hügel hinauf fahren könne. Sein Haus sei nämlich etwas oberhalb des Dorfes. Na gut, das nette Angebot können wir schlecht ausschlagen. So warteten wir noch eine ganze Weile, bis das besagte Auto mit dem Kollege angefahren kam. Nun hiess es die Rücksitze beladen. Wir waren schon bereit gemütlich mit Vito zu seinem Zuhause zu fahren als er meinte, einfach uns hinterher fahren. Na gut, dann nichts wie los mit sozusagen Eskort durchs Dorf. Ganz schön ein Tempo gaben die beiden uns da vor, denn als es die erste Rampe hochging, mussten wir ordentlich in die Pedale trampen. Nach einem kurzen Zwischenstopp mit Durchatmen meinten die Beiden dann, los ihr könnt an den heruntergelassenen Fensterscheiben halten und wir ziehen euch hoch. So waren wir nun wirklich noch nie einen Hügel hochgefahren. ;) Nach einigen sehr steilen Abschnitten ging Martina langsam die Kraft im Arm aus. Kein Problem, das Velo wird in den eigentlich viel zu kleinen Kofferraum geladen und Martina vorne in die Mitte zwischen Hund und den beiden Männern platziert. Für Mattia hiess es weiterhin aussen am Rahmen festhalten und hoffen, dass alle heil oben ankommen.
Huch das ging gerade nochmal gut, auch das Velo überlebte durch die improvisierte Sicherung eines Schletzgummis.
Oben angekommen luden wir alles aus und bekamen von Vito erst mal eine kurze Haus und Gartenführung. Das Sofa im Gästezimmer wurde zum Bett und wir breiteten sicherheitshalber mal unsere Schlafsäcke aus und lehnten Vito‘s liebgemeinten, in die Jahre gekommenen Decken und Kissen ab. ;) Nach dem kurzen Einpuffen hielten wir auch schon bald unser erstes und nicht letztes Bier des Abends in der Hand und vergnügten uns draussen mit den süssen Hunden und Katzen. Doch die gemütliche Stimmung war von kurzer Dauer, denn schon bald fuhr ein Auto mit drei bereits ordentlich angetrunkenen, jungen Männern aus, die mit einer Harasse Bier und einer riesen Musikbox hineinstürmten. Vorbei mit der Ruhe, jetzt war laute Musik (leider gar nicht unser Geschmack), viel Bier und eher nervenaufreibendes Filmen und Mitsingen der Jungs angesagt. Für Vito schien dies jedoch das normalste der Welt zu sein, denn sein Haus war irgendwie ein ganz offener Ort , wo jeder gehen und kommen kann wie er will. Wir waren mehr Beobachtende des Geschehens und sehnten uns eigentlich nach etwas Erholung, Wärme und vorallem knurrten unsere Mägen immer mehr… Aber was soll man da schon machen, wir waren ja die Gäste. Irgendwann wurde es dann aber auch Vito und seinem auch dort wohnenden Neffe zu viel und die Stimmung kippte langsam ein bisschen. Als es dann die langersehnten, hauseigenen Würste und Brot gab, beruhigte sich die Situation ein wenig und kurz darauf verabschiedeten sich die Jungs dann auch. Einer mehr betrunken als der Andere, da stellten wir uns ernsthaft die Frage wer nun da noch das Auto fahren wird?! Doch irgendwie waren sie dann plötzlich weg samt Auto und wir waren einfach nur froh, bald schlafen gehen zu können. Zuerst lud uns Vito aber noch dazu ein, doch noch eine Nacht länger zu bleiben, denn er würde gerne mit uns am nächsten Tag seinen Bruder besuchen und am Abend im Restaurant seiner Schwester lecker essen gehen. Dieses erneut sehr nette Angebot konnten wir schlecht ablehnen und entschieden uns noch eine Nacht länger zu bleiben, mit der Hoffnung, dass es Morgen etwas entspannter wird.
Wir haben zuerst einmal versucht auszuschlafen und haben aus unseren Snacks ein Notfallzmorge zusammengestellt. Wir haben schon prophezeit, dass es wohl kein Frühstück geben wird, denn Vito hat doch fast bis am Mittag geschlafen. Als wir dann zu Dritt am Küchentisch sassen, lockerten wir die Katerstimmung ein bisschen auf mit Olympia schauen. Mit der innerlichen Sorge um unseren Hunger fragten wir nochmals nach bei Vito, wie es denn heute ablaufen wird mit dem Restaurantbesuch bei seiner Schwester. Leider teilte uns Vito etwas zerknirscht mit, dass er vergessen hatte, dass am Montag Ruhetag sei… Ojeee dachten wir uns innerlich nur. Den ganzen Nachmittag hindurch kam mal wieder jemand vorbei, sei es der Maler oder sonst ein Kollege. Wir nutzten die Zeit auch produktiv um unsere Fahrräder auf Vordermann zu bringen und kuschelten etwas mit der süssen Katze und den Hunden. Gegen 3 Uhr Nachmittags getraute sich Martina mal schüchtern zu fragen, ob Vito denn nicht auch mal ein wenig Zmittagshunger habe?
Er verneinte, aber rettete unser Hungerloch halbwegs mit dem Vorschlag, die Resten von gestern aufzuwärmen. Erleichtert über ein Menü im Kühlschrank prutzelten wir die leckeren Tomatenspaghetti und das Schnitzel. Leider reichte die Portion knapp für 1 Person mit Fahrradfahrhunger, doch mit teilen waren wir trotzdem vorerst etwas beruhigt. Vito war sichtlich stolz und erfreut über unser Dasein, denn wir wurden in den Videoanrufen mit 3 Freunden aus der Schweiz (ins Glarnerland und nach Zürich) freudig miteinbezogen. Das Glück kam auf unsere Seite, als gegen 17:30 der Neffe von der Arbeit nach Hause kam und den Kochlöffel begann zu schwingen. Es gab viel Gemüse und frisches Brot. So kamen wir in den Genuss von wilden Spargeln, broccoliähnlichem Gemüse, ortstypische, gefüllte Oberginen und leckeren Aufschnitt.
Nach einer gemütlichen Abendplauderrunde fielen wir dann erleichtert ins Bett und kündigten Vito an, dass wir gegen 07:30 Uhr bereits aufbrechen werden. Tatsächlich war Vito dann auch schon wach und bot uns noch grosszügig ein Frühstück an, was aus einzeln eingepackten Croissants und dersgleichen immer frischbleibenden Küchlein bestand. Wir waren über jeden Leckerbissen froh und wussten jetzt schon, dass wir im nächsten Dorfladen ordentlich einkaufen werden. Wir verabschiedeten uns vom warmherzigen Vito und seiner quirligen Hündin Trilli, der einäuigigen Katze und den weiteren Tieren. Diesen Besuch werden wir noch lange in Erinnerung behalten, denn trotz Hungerloch, übermässigem Alkoholkonsum und chaotischem Haus schätzten wir die unglaubliche Gastfreundschaft und Offenheit sehr.
Erleichtert sausten wir die 350 Höhenmeter wieder zurück ins Dorf und gingen erst mal unseren Reiseproviant auffüllen. Das Etappenziel für den heutigen Tag war klar. Soweit wie möglich aus den Hügeln Richtung Flachland kommen, damit wir den nächtlichen Nullgradtemperaturen entfliehen können.
Auf den kaum befahrenen Strassen kamen wir gut voran und konnten uns sogar noch einen Kaffeebesuch mit einigen Süssigkeiten gönnen. Diese Energie konnten wir sichtlich brauchen, denn kaum waren wir im beginnenden Flachland angekommen, wurde alles wieder viel zivilisierter, privat gekennzeichnet oder Industriegebiet. Eine grosse Herausforderung, da einen geeigneten Zeltplatz zu finden. Wir gaben die Suche nicht auf und wurden fündig auf Google Maps. Eine Kapelle ausserhalb des Dorfes, umgeben von einem kleinen Wald. Das klingt vielversprechend! Auf den letzten 5 Kilometer kurz vor dem Sonnenuntergang erwischte Martinas Velo eine Platte auf einer starkbefahrenen Strasse… Ojeee das auch noch. Schnell in die nächste Einfahrt und dort im Eiltempo flicken. So schnell waren wir noch nie! Mit der letzten Energie fuhren wir in der Dämmerung zur besagten Kapelle. Perfekter Spot. Es war ruhig, hatte Tische und Bänke, sogar einen Wasserhahnen und wir fühlten uns sofort wohl. Erleichtert fielen wir ins Land der Träume.







































































































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