Napoli

Lange haben wir überlegt ob wir mit dem Zug nach Napoli hinein fahren sollen oder ob wir uns dem berüchtigten Verkehr der Stadt stellen sollen. Mattia meinte das geht schon und überhaupt lernt man eine Stadt so viel besser kennen. Das stimmt, wir wissen jetzt wie es sich anfühlt von den Autos fast zerquetscht zu werden und von all den flitzigen Roller so knapp und schnell wie es geht überholt zu werden. Spass hat es aber trotzdem nicht gemacht... ;)

Die Vorstadt zieht sich extrem in die Länge und man sieht viele heruntergekommene Gebäude mit Balkonen die fast auseinanderfallen. Auch in der einen oder anderen Strasse in der wir uns nicht all zu wohl fühlten und etwas schneller fuhren kamen wir vorbei. Da kamen uns jeweils wieder all die verrückten Geschichten der Mafia in den Sinn die man über Napoli hört. Das wir die letzten Tage schon einige Male von Einheimischen gewarnt worden sind, dass wir in der Region um Napoli gut aufpassen sollten, half dem Gefühl dann auch nicht wirklich. 

Irgendwann war es dann aber soweit und wir haben es tatsächlich ohne einen Platten ins Zentrum geschafft. Gar nicht so einfach bei all den Scherben die am Strassenrand nur so auf den nächsten Biss in den Fahrradschlauch warten. 

Wir erhofften uns einige gemütliche Tage in unserer gebuchten Unterkunft, bevor wir mit der Fähre nach Sardinien übersetzten. Leider wurden wir schon bald mit der Tatsache konfrontiert, dass unser kleines Apartment nicht nur süss aussieht, sondern auch leicht süsslich, modrig nach Schimmel riecht. Die Vermieterin bot uns nach hartnäckigem Nachfragen zwar ein anderes Apartment an, welches wir aber nach dem lesen der Google Bewertungen dankend ablehnten. Nichtsdestotrotz versuchten wir den Abend bei Fajitas und fleissigem Lüften noch zu geniessen. 

Ein Vorteil hatte der Gestank im Apartment sehr wohl, denn auf keinen Fall wollten wir hier am Morgen lange Ausschlafen. So kam es, dass wir uns schon früh auf den Weg machten, um die Stadt zu erkunden. Nach einem Zmorge mit Blick auf den Hafen, schlenderten wir so gemütlich wie es in dieser Stadt nun mal geht durch das Spanische Viertel. Es herrscht extrem viel Verkehr und sogar in den Gassen, wo man keinen Verkehr vermutet, wird man von den unzähligen Rollerfahrenden fast umgehauen. Fast jedes Fahrzeug sieht demoliert aus, was den Anschein macht,  dass eine kleine Kollision noch nie jemandem geschadet hat. Überall Touristenmassen, Schulklassen und überhaupt, extremes Chaos egal wo man hingeht. Irgendwie sehr interessant, aber auch ausserordentlich streng, vorallem wenn man sich eigentlich eher nach Ruhe und Erholung sehnt. 

Trotzdem nutzten wir den Tag um einige Highlights wie die Diego Maradona Strasse oder den historischen Kern von Napoli zu erkunden. Am Abend wussten wir nicht genau ob wir uns auf unser stinkiges Zimmer freuen sollten oder nicht. Was wir aber wussten: Wir brauchen Ruhe, denn wir sind fix und fertig. 

Auch am nächsten Morgen gingen wir früh los um uns auf den Weg in Richtung Vesuv zu machen. Gestern haben wir sicherlich 2 Stunden damit verbracht um uns die ÖV-Verbindung rauszusuchen. Natürlich gäbe es auch unzählige andere Möglichkeiten um mit Privatanbietern auf den Vesuv zu gelangen. Wir hatten aber keine Lust um in eine Tourifalle zu geraten und das dreifache zu bezahlen. So ganz sicher ob das mit der Verbindung klappen würde waren wir uns bis zum Schluss nicht. Aber mit zwei mal Umsteigen und zwischendurch 30 Minuten laufen kamen wir sogar früher als erwartet auf dem Krater an. 

Schon beeindruckend wenn man in das riesige Loch hineinschauen kann und sich Vorstellt wie dieser Vulkan einst das zuvor besuchte Pompeii begraben hat. Wer weiss, solch ein Szenario könnte sich ja eigentlich jederzeit wiederholen und enormen Schaden anrichten. 

Überall qualmt es aus den Felsen und man hat auf allen Seiten eine super Aussicht über Neapel, das Meer und die Umgebung. Als uns das touristische Treiben auf dem Krater langsam zu bunt wurde, machten wir uns also wieder auf den Weg nach unten und flitzten mit dem nächsten Bus wieder in Richtung Meer, vorbei am alten Lavastrom vom letzten Ausbruch im Jahre 1944. 

Obwohl wir eigentlich die letzten Wochen fast ein bisschen zu viel Pizza gegessen hatten, zwangen wir uns um den Tag abzuschliessen noch in eine Pizzeria. In Neapel zu sein ohne eine Pizza zu essen wäre ja eine Schande, oder? ;) 

Obwohl die Unterkunft ein Graus war, war die Vermieterin eigentlich ganz nett. So durften wir am nächsten Tag bei ihr im Büro unsere Fahrräder abstellen gratis die Waschmaschine und den Trockner benutzen. Ein perfekter Zeitvertreib um auf die Fähre zu warten die um 7 Uhr Abend losfährt. Irgendwie hatten wir genug von Napoli und dem stressigen Gewusel der Stadt und waren froh alls es endlich Zeit war zu gehen. Die Leute in Süditalien fanden wir alle sehr herzlich und irgendwie gelassen. Aber hier in Napoli ist das irgendwie anders. Da wirkten die Leute auf uns eher gestresst und manchmal fast etwas elitär/eingebildet. Als wir auf der Fähre einen anderen Radreisenden aus Norditalien trafen, waren wir fast ein bisschen froh, dass er dies ähnlich sieht. Georgi erzählte uns aber auch einige interessante geschichtliche Hintergründe welche etwas Erklärung dafür geben könnten. Er erzählte uns auch, dass in den letzten 15 Jahren sehr viel passiert sei und es früher alles noch viel extremer gewesen sei. Bei einem Bier an Deck, philosophierten wir gemeinsam mit Georgi noch etwas über Napoli und die Mafia, währenddem die Lichter der Stadt immer kleiner wurden. Interessant war es sehr wohl in dieser Stadt. Aber erholsam ist anders ;)

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