Puglia

Nachdem wir in Bari so richtig in den italienischen Tagesmodus umgestiegen sind (vorallem Siesta nach dem Mittag und nach 20:00 Uhr essen) ging es nach einer Stärkung mit einem leckeren Cappuccino und zwei süssen „Nonnenbrüsten“ (dies ist der übersetzte Name eines typischen Gebäcks in Apulien) auf die Weiterreise. 

Der erste Abschnitt der Etappe führte uns mit der Küstenstrasse ziemlich direkt am Meer entlang, welche jedoch leider auch sehr überbaut war und mit viel Verkehr gekennzeichnet war. Die Mittagspause vebrachten wir aber an einem ruhigen Plätzchen abseits der Strasse direkt auf den Felsen neben dem wellenden Meer. Anschliessend führte uns die Tagesroute weg vom Meer, dafür durch viele kleine, gemütliche Überlandstrassen mit praktisch keinem Verkehr. Herrlich durch diese vielen Gemüsefelder zu fahren, welche mit ihren knalligen Farben richtig leuchteten und man am liebsten reinbeissen würde. Als eine solche Feldstrasse in einen steileren Kiesweg endete, kam uns das gleich gelegen für die Schlafplatzsuche. Etwas versteckt und erhöht hinter Olivenbäumen und Steinmauern fanden wir mit Abendsonne einen idealen Schlafplatz. Unter beginnendem Sternenhimmel kochten wir unser Znacht und schlüpften schon bald in unsere warmen Schlafsäcke. Leider hielt das Verweilen im Schlafsack nicht allzulange an, denn eine volle Blase machte sich bemerkbar. Nicht ungewöhnlich, kurz vor dem Einschlafen nochmals raus zu müssen. Doch mit dem Wissen, des dummerweise zuvor gelesenen Berichts über das Vorkommen der handflächengrossen Tarantula in dieser Region (bevorzugen Olivenhaine, trockene Steinmauern, sind nachtaktiv) machte sich vorallem bei Martina ein grosses Unwohlsein bemerkbar… So wurde der Pipigang so rasch wie möglich erledigt. ;) Ausser einem erneut nervigen Hundgebell und das Geräusch des entfernt vorbeifahrenden Zuges verlief die Nacht gut und ohne Tarantelbesuch.

Mit Sonnenschein gings los Richtung Küstenörtchen Polignano a Mare, welches uns seine eindrucksvoll in den Fels gebauten Häuser in bestem Licht und tosenden Wellen präsentierte. Wir schlenderten entzückt durch die vielen schönen Gassen und genossen die wärmenden Sonnenstrahlen. Fürs Zmittag entdeckten wir per Zufall unser Lieblingslokal der nächsten Tage, nämlich der kleine, lokale Spezialitätenladen Quatro Formaggi mit den weltbesten Paninis! Einfach unglaublich köstlich, wie der Herr hinter der Theke diese Paninis mit den frischen Zutaten genüsslich und mit viel Leidenschaft befüllt und dabei immer mal wieder einen Happen zum Probieren über die Theke streckt. Wenn man bei ihm 2 Paninis bestellt, bekommt man ganz nach seinem Gusto zwei verschiedene Brötchen mit Geschmacksexplosionsgarantie. ;) 

Nach dem Mittag gings in ein unserer gebuchten Unterkunft nahegelegenes Kaffee, um den lokalen Café Speciale zu probieren. Den heissen Espresso, angerührt mit Zucker, ein wenig Zitronenschale und einem Schuss Amaretto-Likör liesen wir uns schmecken. Danach war es an der Zeit in die Unterkunft einzuchecken und eine warme Dusche zu geniessen. 

Am nächsten Tag war mal wieder separates Programm angedacht. Einfach mal wieder alleine unterwegs sein, tut zwischendurch auch mal ganz gut. Denn dann hat man sich am Abend auch wieder vom unterschiedlich Erlebten was zu erzählen. ;) So genossen wir das separate Programm und trafen uns gegen den Nachmittag wieder um gemeinsam fürs Znacht und den nächsten Tag einzukaufen. Da wir ein Zimmer ohne Küche hatten, musste der Balkon hinhalten für das Znacht kochen mit dem Benzinkocher.

Am nächsten Morgen war rasch gepackt, denn wir wollten so rasch wie möglich wieder an die frische Luft, denn leider roch es zwischendurch ziemlich übel nach Kanalisation bei uns im Zimmer… 

Noch kurz beim Panini-Chef uns eindecken mit Mittagsproviant und dann ab auf die Route. Die Paninis lockten uns so sehr, dass wir schon bald Mittagsrast an einem Plätzchen kurz vor dem Meer machten und vorfreudig in die Brötchen bissen.

Nächster Abstecher war dann die Fahrt durch die Altstadt von Monopoli. Auch wieder ganz schöne Ecken gabs da zu entdecken. 

Kaum aus der Stadt heraus gab es wieder saftige Gemüsefelder und Olivenhaine zu bestaunen. Als wir auf dem Weg hinter uns ein Auto hörten, welches etwas verlangsamte, dachten wir gleich, vielleicht ist das die Chance jemanden um einen Zeltplatz zu fragen. Und tatsächlich viel es uns nicht schwer die aus dem heruntergelassenen Autofenster grinsende Person anzusprechen. Giovanni gab mit Händen und Füssen sein Englisch-Italiensch-Gemisch zum Besten und er verstand unsere Frage mit den Schlafplatz. Kurzerhand rief er einen Kollegen an, doch dieser verneinte jedoch das Campieren. Er überlegte noch eifrig weiter, wie er uns einen Platz mit Abendessen organisieren könnte. Erst dann realisieren wir, dass er dachte, wir brauchen noch Essen! Mit einer Handbewegung unsererseits auf unsere gefüllten Taschen und die Worte „pasta, pesto -tutti!“ machte es auch bei ihm Klick, dass wir nur einen Flecken Erde brauchen. Nun gings schnell, wir durften ihm direkt nachfahren, denn er sagte uns: „I only have a botanic garden!“ Für uns ging ein geheimer Traum in Erfüllung, denn er brachte uns genau dahin zurück, wo wir vorher durchgefahren waren und dachten, da wärs jetzt aber noch schön :). 

Wir durften uns einen Platz aussuchen und entschieden uns, das Zelt auf dem Kiesplatz aufzustellen. Den Nachmittag verbrachten wir gemütlich mit Schlendern durch den wunderschönen, gepflegten Garten und dem Bestaunen der wechselhaften Wetterlage inklusive Regenbogen. Nach gemütlichem Kochen, wo es ausserordentlich geschmacksintensive Käseravioli mit Gemüse gab, freuten wir uns auf den warmen Schlafsack.

Am nächsten Morgen wurden wir von den zwitschernden Vögeln und den ersten Sonnenstrahlen geweckt. So kann jeder Morgen gerne starten! Während dem Zusammenpacken warteten wir auf das Eintreffen von Giovanni, welcher uns noch einen Kaffee spendieren wollte. Und da kam unser Held auch schon gemütlich angeschlendert und quatschte noch ein wenig mit uns. Den Kaffee durften wir beim Ausgang vorne von seinem Büro aus geniessen. Wir verabschiedeten uns und sausten weiter durch schöne Olivenbaumplantagen bis in die nächste Stadt auf dem Hügel namens Ostuni. 

Ostuni, bekannt als die weisse Stadt, machte ihrem Namen alle Ehre. Wir stiessen unsere Velos etwas durch die hellen und charmanten Gassen, bis wir auf Peter aus dem Schwarzwald trafen. Wir kamen sofort ins Gespräch und hatten uns viel zu Erzählen, denn auch er reist gerade mit Wohnwagen durch Süditalien. Nach der Plauderrunde war der Nachmittag schon etwas fortgeschritten, sodass wir uns bald auf den Weg machten Richtung unseren nächsten Zeltspot.

Diesmal entdeckten wir einen Platz aus dem coolen App „Rolling around“, welches von Fahrradreisenden mitgestaltet wird. Wir düsten noch durch ruhige Landwege vorbei an den vielen ortstypischen Trullis. Ein Trullo ist ein für die Region Apulien bekanntes Rundhaus aus Stein, beim dem das Steindach sich oben hin kegelartig zu einem Spitz formt. Meist ist auf dem Spitz noch eine Kugel oder sonstiges Symbol als Abschluss angebracht. Speziell an der Bauweise dieser Trullis ist das Schichten der Steine, denn dies geschah damals ganz ohne die Verwendung von Mörtel. Ursprünglich von Einheimischen für landwirtschaftliche Zwecke zur Aufbewahrubg von Lebensmittel genutzt, sind sie heute oft renoviert und als luxuriöse Ferienwohnungen genutzt. Am besten gefielen und natürlich die traditionell rustikalen Trullis direkt am Strassenrand, wo wir sogar einen Blick hinein erhaschen konnten. So konnten wir uns super vorstellen wie die im Sommer schön kühlen und im Winter stattdessen durch ihre dicken Mauern die Wärme gut speichern können. Bei unserem angestrebten Platz angekommen, hatten wir bereits einen kleinen Bergpreis hinter uns und staunten aber nicht schlecht, welch schöner Platz oben in der Fläche uns erwartete. Es war niemand da und wir suchten uns das Plätzchen auf der geraden Wiesenfläche aus. Es schien so, als wäre das im Sommer ganz ein gemütlicher Ort um sich zu Treffen und zusammen zu Grillen oder sogar etwas zu Kochen (es hatte ein kleines süsses Häuschen mit einer einfachen Küche). 

Wir vebrachten eine ruhige Nacht und legten dem Besitzer ein 5 Euroschein ins Küchenhäuschen. 

Nach leckerem Frühstück (inkl. frischgepresstem Orangensaft dank unserer kleinen To-Go Saftpresse) waren wir gestärkt für den nächsten Aufstieg ins Dörfchen mit dem schönen Namen Locorotondo. Auch da entzücken uns die vielen schönen Gassen aufs Neue. 

Da wir heute einen etwas strafferen Zeitplan als sonst hatten, stand uns nach Locorotondo noch ein weiterer Stadtbesuch bevor. Und zwar führte unsere Route vorbei an der Stadt Alberobello, bei der ein Stadtteil komplett aus Trullis besteht. Wir gingen etwas durch die Gassen und genossen den Blick über die Dächer der vielen aneinandergereihten Trullis. Es war jedoch ganz klar touristisch ausgelegt und allzulange wollten wir in den Menschenmassen dann auch nicht Verweilen.

Denn wir hatten ein klares Ziel. Unser Übernachtungsplatz für die nächsten beiden Nächte wird nämlich auf dem Agrotourismushof in der Nähe von Putignagno sein. Was wir da in Putignagno genau vorhaben, könnt ihr im nächsten Blog lesen ;). 

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