Eigentlich ist es sehr selten, dass wir auf unserer Reise an einem bestimmten Tag an einem bestimmten Ort sein wollen. Heute aber ist dies anders, denn im härzigen Dorf Putignano findet ein Karnevalumzug statt, welchen wir natürlich auf keinen Fall verpassen dürfen. Um etwas Geld zu sparen haben wir uns dazu entschieden auf einem etwas entferntem Agritourismus Platz im Zelt zu übernachten und von da aus in den Ort zu spazieren. Nachdem wir reichlich gefrühstückt hatten, warfen wir uns in unsere Fasnachtsoutfits. Man muss halt mit dem Arbeiten was man dabei hat… ;)
So machten wir uns zur Mittagszeit auf den ca. 5 km langen Fussmarsch in Richtung Putignano und hofften, dass in dieser eher verlassenen Gegend auch mal ein Auto vorbeifährt, welches uns vielleicht mitnehem könnte. Siehe da, nach etwa zehn Minuten kam das erste Auto und hielt direkt für uns an. Giovanni und Giovanna (kein Witz ;) nahmen uns herzlich in ihre Klapperkiste auf und fuhren uns bis ins Zentrum des Geschehens. Sie sprachen zwar kein Wort Englisch, aber trotzdem war die Fahrt sehr lustig. Beim Eingang trennten sich dann unsere Wege und wir machten uns erstmal zu zweit auf Entdeckungsreise. Da wir eher etwas zu früh da waren , war auch noch nicht all zu viel los. Die neun verschiedenen Wagen die am Umzug teilnehmen werden standen jedoch bereits auf der Strasse und man konnte sie schon ein erstes Mal bestaunen. Wir waren fasziniert ab den unglaublich hohen und detaillierten Wagen die sich vor unseren Augen auftürmten und fragten uns, wie sie sich wohl in Aktion bewegen werden. Die Umzugswagen die wir aus Luzern kennen, können da ehrlich gesagt nicht so wirklich mithalten… dafür haben die hier aber keine Guggemusig ;)
Nachdem wir die ganze Umzugsstrecke einmal abgelaufen waren, entschieden wir uns dazu mit einem Bier im Gepäck im inneren des Städtchens auf Entdeckungstour zu gehen. Wir erhofften uns dabei etwas weniger Wind, denn draussen war es heute echt kalt. Nachdem wir dann aber fast alle härzig dekorierten Gassen gesehen hatten, entschieden wir uns dazu in einer Bar etwas Wärme zu suchen, was sich als eine ausgezeichnete Idee herausstellte. Kaum in die Bar eingetreten wurden wir vom netten Barkeeper Donato angesprochen und gefragt woher wir kommen und was wir hier machen. Er vermittelte uns direkt mit einem portugisischem Typen am anderen Ende der Bar, welcher anscheinend auch gerade mit dem Fahrrad auf Reisen ist, was für ein Zufall. Wir hatten eine wunderbare Zeit in der Bar mit Donato und Sebastião und in uns Schweizern machte sich so langsam aber sicher eine leichte Nervosität bereit, denn der Umzug beginnt schon in zehn Minuten. Donato machte uns währendessen ein Angebot: in einer halben Stunde macht er die Bar zu. Dann müsste er noch kurz zu sich nach Hause und gleich danach wären wir herzlich dazu eingeladen um mit ihm zu seinen Freunden auf eine WG Party zu kommen um auf dem Balkon den Umzug zu schauen. Wir wollten dieses Angebot natürlich unbedingt annehmen, aber verpassen wir so nicht den Umzug der jetzt gleich beginnen wird? Donato schmunzelte nur und erinnerte uns daran, dass wir hier in Süditalien sind. Wir müssen keine Angst haben dass wir zu spät kommen ;)
So kam es, dass drei Radreisende sich etwas später plötzlich in einer charmanten Altstadtwohnung voller italienischem Temperament wiederfanden. Der charmante Donato stellte uns voller Freude all seinen Mitmenschen vor und alle nahmen uns herzlich auf. Donato wurde ein paar Tage zuvor bei einem alljährlichem traditionellen Karnevalsanlass übrigens als beliebtester, junger Bewohner der Stadt gewählt. Wir waren also bestens aufgehoben ;)
Nach dem dem ersten Campari Soda (Karnevalgetränk Nr. 1) begann dann pünktlich mit 1.5 Stunden Verspätung der Umzug, welchen wir vom Balkon beobachteten. Eindrücklich wie sich die Wagen in Bewegung präsentieren.
Als die Dämmerung langsam einbrach, verschob sich die Gruppe von etwa 20 Leuten nach draussen. Es hiess wir sollen einfach der Principessa hinterher laufen, dann verlieren wir niemanden. Erster Stopp war eine Lichtinstallation die zwei der Gruppe gemacht hatten. Nach einem kurzen Zwischencampari ging es weiter zu einer Bühne. Donato und einige der Gruppe betreiben nämlich einen Radiosender und zwei Moderatoren des Senders sind auch die Sprecher auf der Bühne. Viel haben wir nicht verstanden, aber dass auch wir Fahrradfahrenden einmal thematisiert wurden, merkten wir. Danach folgte italienisches Karaoke. Voller Inbrunst sangen (oder schrien) Menschen jeglicher Altersklasse Italo-Hits und sahnten den Applaus der Menschenmenge ab. Noch einmal einige Camparistopps später landeten wir dann in einem Technobunker und schwangen unsere Tanzbeine. Auch hier war das Interesse an den drei fremden Radfahrern gross und wir kamen immer wieder schnell ins Gespräch. Bis fast am Schluss waren wir mit der ganzen Gruppe unterwegs und genossen die Gesellschaft. Extrem schön wie wir aufgenommen wurden, man könnte es sich echt nicht schöner wünschen. Als sich dann die Gruppe etwas verstückelte, machten jedoch auch wir uns auf den Heimweg und schwelgten in Erinnerungen des wundervollen Tages. Dafür hatten wir ja auf unserem 5 km Nachhauseweg noch genügend Zeit. ;)
PS:
Seit diesem Abend bringen wir den Song „Campari Soda“ von Taxi nicht mehr aus dem Kopf ;)








































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